Viel Rot, viele Bilder, viel Samt: Die Altstadt-Bar wird von ihren Stammgästen auch gerne als Wohnzimmer Hanaus bezeichnet. Foto: Biehl

Hanau

Das Rot bleibt: Whisky á go-go hat neue Pächter

Hanau. Es gehört zu Hanau wie die Brüder Grimm: Das Whisky á go-go ist die Kult-Bar in Hanau. Jetzt hat sie die Pächter gewechselt. Dieser will nur ein paar Kleinigkeiten ändern.

Von Kerstin Biehl

Reinkommen und wohlfühlen – eben wie in einem Wohnzimmer. Mit flauschigem Teppich, gemütlich-weichen Samtsesseln und Bildern an den Wänden, von Stars und Sternchen, die wir aus Film und Fernsehen beinahe so gut zu kennen erahnen, wie unsere Familie: Das ist das Whisky á go-go in der Altstadt.

Für viele Hanauer hat die Bar an der Marktstraße Kultstatus. Umso erschrockener war man, als die Go-go-Gründer Fedi und Ghassan Choukair schon vor zwei Jahren ihren Rückzug ankündigten. „Die Richtigen für die Nachfolge waren aber irgendwie nie dabei“, erinnert sich Fedi Choukair.Mehr Zeit für FamilieAlso ging es weiter – erstmal. Denn einfach dichtmachen, das ging nun auch nicht. Diesen Sommer allerdings wollte Choukair Junior dann endglültig nicht mehr. „Die Gastronomie ist einfach nicht mehr mein Metier; zudem habe ich Familie, zwei Kinder, für die ich da sein will.“Um die „Neuen“ zu finden musste Choukair schließlich gar nicht lange ausholen: Der eine ist langjähriger Barkeeper im Whisky à go-go, dem anderen gehört die Bar nebenan. „Wir waren quasi die Feuerwehr. Haben die Bar in einem fließenden Übergang übernommen, damit diese Institution für Hanau nicht verloren geht. Denn das wäre eine verlorene Seele für die Stadt“, sagt Davut Demir.Bodyguard für Bud SpencerEr ist einer der beiden neuen Geschäftsführer und in Hanau auch als ehemaliger Boxer des Hanauer Boxrings sowie als Initiator des Kesselstädter Gewaltpräventionsprojekts für Jugendliche bekannt. Gemeinsam mit seinem Kompagnon Ahmad Yasin, der als Bodyguard schon Filmgrößen wie Bud Spencer beschützt hat, hat er zum 1. Dezember die Pacht der Kultkneipe übernommen.Es habe sich vorher keiner so richtig rangetraut, denn die Bar sei ja schon sehr speziell, meinen die beiden. Im August schließlich sei nach reiflicher Überlegung die Entscheidung zur Übernahme gefallen.Kleine Renovierungsarbeiten„Eigentlich bleibt alles beim Alten“, sagen die Gastronomen. Kleine Renovierungsarbeiten soll es geben, ein frischer Wand-Anstrich, wieder in Rot – selbstverständlich; der ein oder andere zu Bruch gegangene Bilderrahmen soll ausgetauscht werden, mehr aber nicht. „Wir wollen den typischen Charakter unbedingt bewahren.“Yasin ist im „Wohnzimmer Hanaus“ quasi zu Hause, arbeitet bereits seit drei Jahren dort hinter der Theke. „Ich kenne wirklich jede Ecke des Ladens. Und auch viele der Gäste.“Gefühlt wie in New York2001 wurde die Bar gegründet, Choukair Senior hatte die Idee dazu. Seitdem hat sich so gut wie nichts verändert. „Als ich das erste Mal hier reinkam, dachte ich, das kann nicht Hanau sein. Ich habe mich eher gefühlt wie in New York“, erinnert sich Demir. Ihm gehört seit zwölf Jahren das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende „Cave“, ebenfalls eine Bar.Und was ist mit dem Konzept, wird das tatsächlich genau so weitergeführt? „Ja“, kommt es spontan. An zwei Tagen in der Woche gibt es Pianomusik, vier Pianisten wechseln sich inzwischen ab. Einziges Novum: In der Eingangstür soll ein Guckloch angebracht werden.Eine Woche dicht„Wenn wir irgendwann in der Nacht die Türe schließen, kann man trotzdem noch anklopfen, wir schauen durchs Guckloch und lassen die Leute rein“, erklärt das Duo. Diese und andere kleine Baumaßnahmen sollen Anfang Februar über die Bühne gehen, da bleibt das Whisky á go-go für eine Woche geschlossen.Für kreative Unterstützung sorgt die Ehefrau von Demir, Alicia Bladin. Die Tochter von Tanzschulbesitzerin Ulla Bladin blickt auf jahrelange Gastroerfahrung zurück, hat unter anderem im Irish Pub als Geschäftsführerin gearbeitet. Ihren Ideen entspringt auch die neue Whisky-Karte, die künftig mit mehr als 80 Sorten aufwarten soll.Beratung für GästeDafür bekommt die Belegschaft spezielle Schulungen, sogenannte Whisky-Tastings. „Sie sollen die Unterschiede kennenlernen und die Gäste beraten können“, so Yasin. Auch zahlreiche neue Gin und Vodka-Sorten will das Team einführen. Die Auswahl an Biersorten wird zudem verändert, das beliebte Kölsch wird es in jedem Fall aber weiterhin geben. Ihm wird sogar mit einer Kölsch-Nacht, die jeden Montag zelebriert wird, gehuldigt.Auch hochwertige Zigarren werden ins Angebot aufgenommen, ein Humidor (ein Behälter mit Befeuchtungssystem in dem Zigarren gelagert werden) soll aufgestellt werden, eine Zigarrenkarte ist derzeit in Arbeit. „Kleine Veränderungen, die den speziellen Charakter dieser Bar noch mehr herausarbeitet und uns noch mehr von anderen Bars unterscheidet“, meint Demir.Viele Stammkunden„Wir haben hier ganz viele Stammkunden, für die wollen wir das erhalten, was sie gewohnt sind. Das ist in unseren Augen enorm wichtig“, sind sich die neuen Pächter einig. Den meisten von ihnen gehe es nicht erstrangig um das Trinken in der Kneipe, vielmehr um die sozialen Aspekte, die Gespräche, die Atmosphäre, das sich Wie-zuhause-fühlen. Geschätzt von vielen werde aber auch die Tatsache, dass das Whisky á go-go eine Raucherbar ist.Unter den Hanauer Gastronomen seien die beiden als neue Macher des Whisky á go-go freundlich begrüßt worden. „Beim letzten Gastronomie-Stammtisch haben wir die Hanauer-Wirte informiert. Alle haben sich sehr gefreut.“Freude über Erblühen der AltstadtFreude herrscht bei den Neu-Pächtern natürlich auch angesichts des Erblühens der Altstadt. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, wissen sie. „Man kann förmlich zusehen, wie die Leute mehr und mehr in die Altstadt gezogen werden, sie trauen sich jetzt endlich rein. Das ist eine Bereicherung für die gesamte Innenstadt“, sagt Demir.

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