Unzufriedenheit

Ärger um Pioneer Park:  Käuferin und Anwalt frustriert - LEG hält dagegen

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    vonYvonne Backhaus-Arnold
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Marion Wojtzik hat eine Wohnung auf Pioneer in Hanau gekauft. Auch sie fühlt sich ungerecht behandelt und hat einen Anwalt eingeschaltet.

  • Marion Wojtzik hat eine Wohnung auf dem Pioneer Gelände in Hanau gekauft
  • Auch sie kritisiert die LEG
  • Ihr Anwalt spricht von „Kundenunfreundlichkeit“

Marion Wojtzik lebt in Gelnhausen. Noch. Eigentlich wollte sich die 59-Jährige keine Eigentumswohnung mehr kaufen. Als ihr Anfang vergangenen Jahres allerdings die zweite Kündigung (nach jeweils zehn Jahren zur Miete) aufgrund von Eigenbedarf ins Haus flatterte, hatte sie genug und revidierte ihre Entscheidung. Sie las vom Pioneer Park und den Wohnungen im 1. Bauabschnitt vonTriangle Housing im Hanauer Stadtteil Wolfgang. „Das Konzept hat mich überzeugt“, so Wojtzik. 

Sie schaute sich die Musterwohnung an und entschied sich kurz darauf für den Kauf einer 106 Quadratmeter großen Wohnung mit Einbauküche (6550 Euro) und Parkplatz (8000 Euro) zum Gesamtpreis von rund 290 000 Euro. 

Hanau: Anfang Juni hat Marion Wojtzik zum ersten Mal ihre Wohnung auf Pioneer betreten

Nachdem unsere Zeitung am 6. Juni erstmals über Mängel und das käuferunfreundliche Verhalten der Projektentwicklungsfirma LEG Hessen-Hanau, eine gemeinsame Gesellschaft der DSK-BIG sowie der Stadt Hanau (mit ihrer BAUprojekt Hanau GmbH), berichtet hatte, meldete sich auchMarion Wojtzik in der Redaktion. Wenige Tage zuvor hatte sie ihre Wohnung zum ersten Mal betreten dürfen, weil Maß für die neuen Möbel genommen werden sollte. „Mir ist aufgeschlossen worden, danach war ich zusammen mit dem Aufmaß-Service allein in der Wohnung“, erinnert sich die 59-Jährige, die mit dem Kauf nur einen unbemaßten Grundriss als Vertragsanlage erhalten hatte. 

Möchte das bekommen, was sie gekauft hat: Marion Wojtzik, die in Haus Nummer 302 eine Eigentumswohnung erworben hat, ist maßlos enttäuscht über die Projektentwickler der LEG Hessen-Hanau und die Sparkasse als Vertriebspartner

Erst auf mehrmalige Nachfrage beim Bauträger und bei der Sparkasse bekam sie Ende April von der LEG (mit dem Hinweis, dass das eine Ausnahme sei) einen bemaßten Plan von der gesamten Etage. Zusätzlich Fotos aus der baugleichen Wohnung im Haus 301 per E-Mail geschickt. Und mit genau jenem Plan stand Wojtzik an besagtem 28. Mai allein in ihren künftigen vier Wänden. „Da ich zwischendurch nicht in die Wohnung durfte, habe ich mich auf diesen Plan verlassen“, sagt sie und ergänzt: „Das war ein Fehler.“ 

Die Wohnung auf dem Pioneer Park in Hanau weist mehrere Mängel auf

Neben der Nische für die Waschmaschine, die bereits von Käufern im gegenüberliegenden Haus 303 bemängelt wurde, weil sie statt 72 (wie im bemaßten Grundriss) nur rund 50 Zentimeter misst, hat Wojtzik zwei Zwischenwände im Bad, die so nicht im Plan zu finden sind, genauso wie Steckdosen, Lichtschalter und Heizkörper an Stellen, die laut Plan nicht dafür vorgesehen waren. 

Hans-Joachim Kühnel von der Anwaltskanzlei Kühnel & Engels in Gründau vertritt die Käuferin seit dem 8. Juni. Der Rechtsanwalt bestätigt die Mängel auf Nachfrage unserer Zeitung und kann die Liste sogar noch erweitern. Toilette und Waschbecken seien zu niedrig montiert, das Fenster im Gästezimmer zu klein. „In der Summe“, sagt der Anwalt, „sind diese Mängel nicht nur augenscheinlich, sondern auch nicht hinnehmbar.“ Schränke, die im bemaßten Grundriss eingezeichnet sind, ließen sich beispielsweise überhaupt nicht stellen. Kühnel spricht von „Kundenunfreundlichkeit“. 

Hanau: Noch vor der Abnahme der Wohnung auf Pioneer sollten weitere Zahlungen erfolgen

Wer im Bestand baue, müsse die Käufer bei Problemen und Änderungen entsprechend informieren. „Wenn die öffentliche Hand dahinter steht, erwartet man Seriosität“, sagt der Anwalt. „Die Käufer sind hier nicht ordnungsgemäß betreut worden.“ Am 2. Juli hat Marion Wojtzik ihren Abnahmetermin. Die Position ihres Anwalts ist klar: die Abnahme nicht verweigern, aber die Mängel vor- und das Geld dafür entsprechend einbehalten.

Apropos Geld. Am 12. Juni bekam die 59-Jährige ein Schreiben, in dem sie aufgefordert wurde, die 6. Abschlagszahlung (8,4 Prozent des Kaufpreises) und den sogenannten Sicherheitseinbehalt (fünf Prozent der ersten Abschlagszahlung) umgehend zu überweisen – noch vor Abnahme der Wohnung und damit auch vor Beseitigung der Mängel, obwohl diese laut Anwalt erst bei einer Abnahme offiziell festgestellt werden. Im Fall von Marion Wojtzik sind das rund 39 000 Euro. 

Auch Anette Pewny hat eine Wohnung auf dem Pioneer Gelände in Hanau gekauft

Anderen Wohnungskäufern geht es ähnlich. „Das ist ein unseriöses Vorgehen“, sagt Kühnel. „Hier versucht man, an Geld zu kommen, ohne die Leistung zu erbringen.“ Und das, obwohl es im Kaufvertrag unter Paragraf 2 heißt: „6. Abschlagszahlung nach Bezugsfertigkeit und Zug um Zug gegen Besitzübergabe“. Unter dem Punkt „Sicherheitsleistung“ findet sich im Kaufvertrag folgende Passage: „Der Käufer ist aufgefordert und berechtigt, von der ersten Abschlagszahlung 5 Prozent des Gesamtkaufpreises zurückzubehalten […] der Betrag (ist) an die Verkäuferin zu zahlen, sobald das verkaufte Werk ohne wesentliche Mängel rechtzeitig fertiggestellt ist.“ Kühnel, seit Jahrzehnten Fachanwalt für Baurecht, kann da nur den Kopf schütteln. „Vor der Abnahme kann es rechtlich gesehen keine Mängel geben. Hier trotzdem Geld einzufordern, ist eine Sauerei.“ 

Anette Pewny hat den Grundriss dabei, der auch die Nische für die Waschmaschine zeigt. Diese Nische misst nur 50 Zentimeter und stellt laut LEG keinen Mangel dar.

Auch Anette Pewny, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten eine Wohnung in Haus 303 gekauft und die Vorgänge damals gemeinsam mit anderen Käufern öffentlich gemacht hat, wartet auf die Schlüssel. Sie hat ihre Wohnung unter Vorbehalt abgenommen, das Geld für die von Gutachtern geschätzte Mängelbeseitigung und Restleistung aber einbehalten. Die LEG verwehrt dem Paar seither die Übergabe der Schlüssel. 

Hanau: Die LEG äußert sich schriftlich zu den Mängeln auf Pioneer

Die LEG teilt dazu schriftlich mit: „Da sowohl das Gemeinschaftseigentum als auch die Wohnungen ohne wesentliche Mängel fertiggestellt und abgenommen wurden, sind die Käufer gesetzlich verpflichtet, den Sicherheitseinbehalt mit der sechsten Rate auszuzahlen. Mit der Verweigerung der Auszahlung befinden sich die Käufer mit fälligen Kaufpreisbestandteilen in Verzug. Darauf haben wir die Käufer – teilweise mehrfach – hingewiesen. Ohne die vollständige Auszahlung der fälligen Kaufpreisbestandteile kommen die Erwerber ihren vertraglichen Pflichten nicht nach, sodass die Voraussetzungen für eine Wohnungsübergabe nicht gegeben sind.“ 

So sieht es aktuell aus rund um Haus 302 im Pioneer Park: Marion Wojtzik hat hier eine Eigentumswohnung gekauft.

Bei der zu kleinen Nische handele es sich „um keinen Mangel“. „Es ist zugesagt, dass es einen Abstellraum in der Wohnung gibt, in dem Anschlüsse für Waschmaschine und Trockner liegen. Sowohl die Nischen als auch die Anschlüsse sind in jeder Wohnung vorhanden.“, heißt es in der Antwort der LEG. Die Waschmaschine könne an verschiedenen Stellen in dem dafür vorgesehenen Abstellraum platziert werden. Es gebe jedoch keine Zusicherung gegenüber den Käufern, dass die Nische eine Mindestbreite von 60 Zentimetern aufweisen muss. „Eine solche Zusicherung konnte nicht abgegeben werden und wurde auch nicht abgegeben. In den betroffenen Wohnungen kann diese Nische aus technischen Gründen nicht vergrößert werden. Die Käufer sind im Kaufvertrag umfassend darüber aufgeklärt worden, dass es sich bei den Wohnungen um Bestandssanierungen und keinen Neubau handelt. Ein vermaßter Grundriss ist nicht Bestandteil des Kaufvertrages gewesen – wie gegebenenfalls Käufer fälschlich behaupten.“ 

Während Anette Pewny weiter auf die Schlüssel für ihre gekaufte Wohnung wartet, hat Marion Wojtzik die für Anfang Juli geplante Lieferung der neuen Möbel erst mal abgesagt.

Rubriklistenbild: © Jan Max Gepperth

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