Viele öffentliche Einrichtungen werden zukünftig mit UV-Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden. Heraeus kooperiert mit der Stadt Hanau, um Schulen, Kindergärten und den Personennahverkehr damit auszustatten. 
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Viele öffentliche Einrichtungen werden zukünftig mit UV-Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden. Heraeus kooperiert mit der Stadt Hanau, um Schulen, Kindergärten und den Personennahverkehr damit auszustatten.

Corona-Pandemie

Virenfreie Luft in der Stadt: Erste Heraeus Noblelight-Entkeimungsgeräte sollen bald installiert werden

  • Christian Spindler
    vonChristian Spindler
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Die Zahl der Corona-Infektionen steigt allenthalben. Der Herbst und der bevorstehende Winter könnten die Situation weiter verschärfen. Man dürfe im Kampf gegen die Pandemie „nicht nur mit Maskenpflicht sowie Abstands- und Hygieneregeln reagieren und auf einen zugelassenen Impfstoff warten, sondern muss proaktiv handeln“, sagt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Ein Projekt, auf das man in der Brüder-Grimm-Stadt setzt, ist die von Heraeus Noblelight entwickelte Entkeimung von Raumluft.

Hanau – Wie berichtet, sind der in Hanau ansässige Konzern und die Stadt eine strategische Partnerschaft eingegangen, um die Technik zu befördern und für Hanau zu nutzen. Das Unternehmen tötet mithilfe von ultraviolettem Licht Covid-19-Viren in der Raumluft sicher und chemikalienfrei ab. Ein Gerät saugt dazu die Luft ein, reinigt diese mit UV-Licht im Inneren und bläst saubere Luft aus. Dabei trete keinerlei UV-Strahlung aus, sagen die Entwickler. Eine Studie der Universität Tübingen bescheinige außerdem, „dass unsere UV-C-Geräte Covid-Viren zu 99,99 Prozent unschädlich machen“, so Martin Ackermann, Geschäftsführer von Heraeus Noblelight.

Mit UV-C-Bestrahlung kann man Luft zu 99,99 Prozent entkeimen. Martin Ackermann, Geschäftsführer von Heraeus Noblelight, und OB Claus Kaminsky (rechts) haben eine Kooperation vereinbart.

Bei einer Pressekonferenz vor sechs Wochen war die Kooperation zwischen Heraeus und Stadt medienwirksam vorgestellt worden. Entsprechende UV-C-Geräte von Heraeus sollen möglichst schnell in städtischen Gebäuden und Fahrzeugen zum Einsatz kommen, heißt es nun. Eines der ersten Anwendungsgebiete soll der ÖPNV sein. Zumindest in einem Teil der HSB-Stadtbusse will man UV-C-Geräte installieren. Zudem hat man die Fahrzeuge von Feuerwehr und Ordnungsamt im Blick, um sie bei Schichtwechsel oder nach dem Transport anderer Personen mit UV-C-Technik zu desinfizieren, berichtet der städtische Pressedienst. Dazu hatte Heraeus auch spezielle Handgeräte vorgestellt.

Auch Busse in Hanau sollen mit UV-Technik ausgestattet werden

Auf Nachfrage erläutert Wirtschaftsförderin Erika Schulte, die aufseiten der Stadt die Kooperation mit Heraeus Noblelight koordiniert, dass die Ausrüstung von HSB-Bussen, insbesondere von Schulbussen, Priorität habe, weil „in Bussen der Raum besonders beengt und die Fluktuation an Menschen am höchsten ist“. Auch beim Einsatz der Luftentkeimungsgeräte soll die Maskenpflicht in Bussen bestehen bleiben.

Die UV-C-Technik ist nicht neu. Sie wird seit Langem in Industrieanlagen eingesetzt. Heraeus hat UV-C-Anlagen außerdem unter anderem für große Flughäfen wie in Singapur oder Shanghai geliefert, um die Luft in Terminals zu reinigen. Neu ist indes auch für Heraeus Noblelight der UV-C-Einsatz im öffentlichen Raum wie in Bussen oder in Klassenzimmern. „Wir haben die strategische Partnerschaft geschlossen“, so OB Kaminsky, „um diese Einsatzfelder wissenschaftlich begleitet zu evaluieren, entsprechende Geräte zu entwickeln und ein Konzept für einen breiten Einsatz zu erarbeiten.“

Räume in Hanau, die schlecht oder nicht zu lüften sind, sollen ausgestattet werden

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es aber „noch keine Geräte, die einen flächendeckenden, standardisierten Einsatz der Technologie in Hanau ermöglichen“, dämpft Heraeus-Manager Ackermann allzu große Hoffungen. Es handle sich aktuell um individuelle Lösungen, die jeweils auf den spezifischen Einsatz ausgelegt sein müssten. Zudem müsse der Einsatz eines UV-C-Geräts stets „mit allen Akteuren einer Einrichtung besprochen und abgestimmt werden“. Es sei wichtig, dass „alle Anwendungen, die wir in den nächsten Monaten gemeinsam angehen, darauf ausgelegt sind, einen Nutzen für besonders gefährdete oder zu schützende Personenkreise haben“, unterstreicht Rathauschef Kaminsky.

Zuletzt hatte es geheißen, man wolle in Hanau bis Jahresende Räume „in ein paar Gebäuden“ mit den UV-C-Anlagen ausrüsten. Dabei soll es um Räume gehen, die nicht oder nur schlecht zu belüften sind, sagt Wirtschaftsförderin Schulte. Aus dem Praxistest heraus wolle man erreichen, dass die Technik dann auf weitere Gebäude und Einrichtungen übertragbar ist, heißt es. Konkretes zum Einsatz der Entkeimungsanlagen wolle man demnächst vorstellen, so Erika Schulte auf Anfrage.

Ungeachtet der Kooperation zwischen Stadt und Heraeus Noblelight hat die Kathinka-Platzhoff-Stiftung angekündigt, dass sie „baldmöglichst zur Verbesserung der Luftqualität in allen Räumen“ ihrer Kita UV-C-Geräte von Heraeus aufhängen will. Die Stiftung ist nach Kathinka Platzhoff (1896-1981), der Enkelin des Hanauer Unternehmensgründers Wilhelm Carl Heraeus, benannt. Viele Eltern der Kita-Kinder arbeiten bei dem Unternehmen.

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