Dirk Eisermann und seine Frau, Kathrin Troester-Eisermann an der Kinzig
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Der Aufenthalt auf dem wildromantischen Gartengrundstück hinter ihrem Haus ist nicht nur für Dirk Eisermann und seine Frau, Kathrin Troester-Eisermann, Idylle pur. Auch die Freizeitsportler, die hier vorbeipaddeln, erfreuen sich an der Landspitze, die in den Fluss ragt.

Leben am Fluss

Villa zwischen Main und Kinzig: Sie haben das wohl schönste Zuhause Hanaus

  • Jutta Degen-Peters
    vonJutta Degen-Peters
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Das Ehepaar Eisermann aus Hanau wohnt auf einem wildromantischen Gartengrundstück zwischen den Flüssen Main und Kinzig. Ihr Zuhause hat eine lange Familiengeschichte.

Hanau – Das Prädikat „Leben am Fluss“ können Dirk Eisermann und seine Frau Kathrin Troester-Eisermann drehen und wenden, es trifft auf ihren Lebensmittelpunkt von beiden Seiten zu. Denn sie wohnen an Main und Kinzig. Die Villa in der Philippsruher Allee 6A, die sie gemeinsam mit Eisermanns Eltern bewohnen, liegt – nur von der Philippsruher Allee unterbrochen – am Main. Doch was noch viel spannender ist: der hinter dem Haus liegende und der Familie gehörende Garten, der einst Teil des Geländes war, auf dem Eisermanns Ururgroßvater Johann Matthäus August Limbert die benachbarte Villa Louisita erbaute, gleicht einem naturbelassenen riesigen Park, dessen Ende in Form einer Spitze von der Kinzig eingerahmt wird.

In dieser Idylle haben Eisermann und seine Frau eine Sitzecke mit Gartentisch und Stühlen aufgebaut, dort, wo ein blaues Metalldreieck noch heute an ein vor Jahren gefeiertes „Spitzenfest“ erinnert, zu dem jeder Teilnehmer etwas mitbrachte. Kaffee, ein kühler Drink, Zitronenröllchen und Vanillebrezeln stehen für das Gespräch bereit. So lässt es sich aushalten an diesem sonnigen Nachmittag.

Hanau: Neue Energie tanken zwischen Main und Kinzig

Auf diesem verwunschenen Flecken Erde, von dem aus das Haus nicht mehr zu sehen ist, tanken der Manager der Neuen Philharmonie Frankfurt und Konzertveranstalter Eisermann und seine Frau Energie. Inmitten von zwitschernden Vögeln, vorüberschwimmenden Bibern und gemächlich vorbeipaddelnden Kanuten oder Stand-up-Paddlern kann man nicht nur die Füße im Wasser baumeln lassen, sondern die Seele gleich mit.

Blickt man vorne vom Balkon, lässt sich zwischen den Bäumen der Main erkennen.

Eisermann hat hier schon seine Kindheit verbracht. Jetzt, mit 57 Jahren und in der coronabedingten Zwangspause, hat er sich noch einmal intensiv mit der Familiengeschichte beschäftigt und berichtet lebhaft von dem Ururgroßvater, der 19-jährig nach Amerika ausgewandert und von dort als steinreicher und erfolgreicher Banker nach Hanau zurückgekehrt ist. Ihm verdankt die Familie nicht nur den Park, der früher Teil der im neugotischen Stil erbauten Villa Louisita war. Auch das Haus, in dem die Eisermanns heute leben – im Erdgeschoss die Eltern, obendrüber Eisermann mit Frau – hat der Tausendsassa August Limbert Ende des 19. Jahrhunderts für seine Schwester errichten lassen.

Hanau: Haus zwischen Main und Kinzig konnte im eigenen Besitz gehalten werden

Zur großen Freude der Eisermanns ist es den Nachfahren August Limberts und dessen Sohn Frank Limbert, einem Hanauer Komponisten und Dirigenten, gelungen, das Haus über die Jahrzehnte im eigenen Besitz zu halten.

Kein Wunder, dass der umtriebige Mitbegründer der Neuen Philharmonie Frankfurt, Dirk Eisermann, sich nach seinem Studium und einigen Jahren, die er in Papua-Neuguinea verbrachte, vor rund zehn Jahren zur Rückkehr ins Elternhaus entschloss. „Ich habe damals mit großem Aufwand das Obergeschoss saniert und ausgebaut“, erinnert sich der sommerlich gekleidete Hanauer an arbeitsintensive Zeiten.. Das mächtige Haus mit dem Sandsteinsockel, hinter dem sich ein Parterrekeller verbirgt, und das mit Holzschindeln verkleidete obere Stockwerk wurde innen behutsam so umgestaltet, dass zwei getrennte Wohnungen für die jüngere und die ältere Partei entstanden. Überall lassen große Fenster viel Licht ins Haus.

Hanau: Blick über die Philippsruher Allee zum Main

Vom kleinen Balkon vor dem Eisermannschen Wohnzimmer schweift der Blick über die Philippsruher Allee zum Main, der teilweise hinter Bäumen verborgen ist. Nach hinten zeigen sich Garten, Park und ein Schuppen, der Eisermanns technisches Spielzeug beherbergt: einen Mäh-Traktor. Nachdem sich der jugendliche Endfünfziger, der es gemeinhin mit Noten, Musik und Künstlern zu tun hat, sechs Stunden lang mit dem Handmäher durchs Dickicht gearbeitet hatte, leistete er sich den Luxus eines Mähtrekkers. Fünf- bis sechsmal im Jahr rückt er damit nun der gewollten Wildnis zwischen alten Bäumen zuleibe. „Kein Stress“, sagt er, sondern eine Aufgabe, bei der er den Alltagstrott hinter sich lassen kann.

Dirk Eisermann zeigt in seinem Garten, wo in der hinter ihm vorbeifließenden Kinzig früher das Wehr lag.

Auch Kathrin Troester-Eisermann nutzt die Idylle, die fast eine meditative Wirkung hat, gerne in der Hängematte mit Moskitonetz hat sie schon ausprobiert, wie sich eine Nacht im Freien anfühlt. Und da derzeit kaum Flugzeuge am Himmel sind, herrscht auch oben noch himmlische Ruhe. Vielleicht sitzt die Flötistin sogar bisweilen mit ihrer Querflöte hier und übt die Stücke, die die NPF demnächst spielt. Die künstlerische Leiterin des Orchesters freut sich, dass immer wieder Freizeitsportler vorbeikommen und freundlich grüßen. Eingezäunt ist ihr Areal nicht. Doch die Kinzig-Passanten gingen davon aus, dass sie an einem Privatgrundstück vorbeiziehen. Ein Zaun sei also überflüssíg.

Hanau: Hochwasserschutzgebiet sorgt für Wildwuchs

Die Wildheit der Baum- und Pflanzenwelt ist sicher auch der Tatsache zu verdanken, dass die „Spitze“ im Hochwasserschutzgebiet liegt. Einige Male stand das Gelände schon unter Wasser. Relikte aus der Vergangenheit sind hier auch der Kunstgraben, der einst der Bewässerung zweier Mühlen am Wasserturm diente. Eine der Mühlen, sagt Eisermann, fungierte als Pumpe und erzeugte den nötigen Druck für die Wasserspiele im Schlosspark Philippsruhe.

Das Wort „Wasserweg“ hat seit der Coronakrise für Dirk Eisermann einen ganz eigenen Klang: Er hat das Radfahren für sich entdeckt und radelt von Kesselstadt aus zu seiner Agentur nach Frankfurt – immer am Main entlang. (Von Jutta Degen-Peters)

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