+
Die Initiative „Aktiv in Auheim“ kümmert sich um Senioren: Günter Rost von „Aktiv in Auheim“ fordert von der Stadt Hanau eine Ausstiegsstrategie aus den Corona-bedingten Beschränkungen.

AiA-Büro soll am 5. Juni wieder öffnen 

Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona: Initiative „Aktiv in Auheim“ übt Kritik an Stadt und am Krisenstab

  • schließen

Günter Rost, Vorsitzender des Vereins Nachbarschaftsinitiative „Aktiv in Auheim“, hat mit seinem AiABüroteam seit Anfang April nahezu alle der rund in Großauheim und Wolfgang beheimateten 400 AiA-Mitglieder in schwieriger Corona-Zeit kontaktiert.

Nahezu täglich griffen er und seine Mitstreiter im AiA-Büro in der Haggasse 1 zum Telefonhörer. In Gesprächen, die durchschnittlich 15 Minuten dauerten, sprachen sie mit den Senioren über deren Sorgen, Nöte und Bedürfnisse in der Corona-Isolation. „Wir haben 85 Prozent aller Mitglieder erreicht. Die Gespräche fand ich interessant“, resümiert Rost. Seit Mitte März sind alle Veranstaltungen im ansonsten gut gefüllten AiA-Jahreskalender abgesagt. „Das gemeinsame monatliche Frühstück am 13. März war unsere letzte Veranstaltung“, sagt der AiA-Vorsitzende Günter. 

Neun Wochen sind seither vergangen, die sozialen Kontakte der Mitglieder liegen brach und „zu Hause bleiben“ galt als oberstes Gebot. Gemeinsam mit Pfarrer Bromme von der Evangelischen Gemeinde habe die AiA ein Einkaufsangebot geboten. Rost stellte fest, dass es im Stadtteil ein sehr gutes nachbarschaftliches Verhältnis gibt. „Dass Jung und Alt auseinanderstreben, wie so mancher Politiker behauptet, konnten wir für Großauheim und Wolfgang so nicht feststellen.“#

AiA-Büro soll am 5. Juni wieder öffnen 

Der Zusammenhalt in den Familien exisitiere nach wie vor hat Rost festgestellt. „Die AiA-Mitglieder waren alle sehr froh, dass wir mit ihnen Kontakt aufgenommen haben, und haben sich für den Anruf mehrfach bedankt.“ Allerdings sei die Osterzeit für viele Mitglieder problematisch gewesen, es hätten die persönlichen Kontakte zu den Angehörigen gefehlt. „Unsere Mitglieder vermissen die Veranstaltungen und Zusammenkünfte wie Frühstücke, Kegeln, Plauderstündchen und vieles mehr ganz besonders. Der soziale Kontakt fehlt ihnen unheimlich.“ 

Darum kündigt Rost an, dass das AiA-Büro vorbehaltlich der günstigen Entwicklung am 5. Juni wieder öffnen will. „Wir haben viele ältere Mitglieder, die zum besonders gefährdeten Personenkreis zählen. 50 Prozent unserer Mitglieder sind über 75 Jahre alt, wir haben zudem viele 80- und 90-Jährige in unseren Reihen“, so Rost, der für seine Mitglieder vom Großauheimer Nähkreis um Tanja Petry und Grit Stadler 100 Mund-Nasen-Schutze für die Mitglieder organisiert hatte.

Wenig Kontakt zum Seniorenbüro zu Corona-Zeiten

 „Wir können die ältere Generation ja nicht einsperren und brauchen eine Strategie, wie zukünftig Veranstaltungen und Treffs stattfinden können. Der Virus ist ja nicht aus der Welt und wir können ja auch nicht warten bis es einen Impfstoff gibt“, wünscht sich Rost Coronatests von der Stadt Hanau für die „Aktiven in Reihen der AiA“. „Wir möchten für Besuche im AiABüro ein berührungsloses Fieberthermometer einsetzen“, plant Rost, der nicht mit Kritik an der Stadt Hanau spart. 

Vom Seniorenbüro habe er - mit einer Ausnahme - während der Corona-Zeit nicht viel gehört. „Es ist nicht damit getan, nur An- und Verordnungen der Stadt und des Landes per E-Mail zu verschicken. Es gibt zu wenig Kontakt und speziell für die Nachbarschaftsinitiativen auch keine Infos, wie es denn nun weitergehen soll“, sagt Rost. 

Rost übt Kritik am Krisenstab

„Ich wünsche mir eine Öffnungsstrategie - auch damit die bisher anhaltende Sprachlosigkeit seitens der Stadt überwunden wird“, nimmt der AiA-Vorsitzende den Krisenstab in die Pflicht. Bisher habe er vom Krisenstab in Bezug auf die Senioreninitiative noch keinen Anruf erhalten. „Nachbarschaftsinitiativen sind vor allem in Bezug auf alleinstehende Senioren wichtiger denn je, nur wird das offensichtlich bei der Stadt so nicht wahrgenommen.“ Neben den geselligen Angeboten der AiA-Initiative ist aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus auch das soziale Angebot - der eigentliche Zweck der 1998 gegründeten Nachbarschaftsinitiative - zum Erliegen gekommen. 

„Der Krisenstab soll uns mal mitteilen, wie wir die von uns ausgeführten Mitglieder-Fahrdienste zu Arzt- und Massagebesuchen und Einkaufshilfen gerade in Bezug auf die 1,50 Meter Mindestabstandswahrung aufrechterhalten können. „Wir müssen Gespräche über eine Ausstiegsstrategie führen und diese muss entwickelt werden, hier geschieht seitens des Krisenstabs zu wenig.“ Der AiA-Vorstand habe sich auch Gedanken über den Personenfahrdienst unter Einhaltung der Mindestabstandsvorgabe gemacht. „In einem normalen Pkw ist das ja nicht möglich“, wünscht sich Rost einen „Corona-Bus“, der mit Plexiglasscheibe zwischen Fahrer und Gästen ausgerüstet ist, mit dem AiA-Mitglieder zum Arzt oder zu Einkäufen gefahren werden.

Das könnte Sie auch interessieren