In Hanaus größter Baugrube wurde in gut drei Jahren ab 2012 das Einkaufs- und Kulturzentrum Forum Hanau errichtet. Das Forum gilt als Leuchtturm-Projekt beim Hanauer Innenstadt-Umbau.
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In Hanaus größter Baugrube wurde in gut drei Jahren ab 2012 das Einkaufs- und Kulturzentrum Forum Hanau errichtet. Das Forum gilt als Leuchtturm-Projekt beim Hanauer Innenstadt-Umbau.

Jubiläum

Neues Herzstück der City: Vor fünf Jahren wurde das Forum Hanau eröffnet

  • Christian Spindler
    vonChristian Spindler
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Hanau – Es war ein Tag, an dem viele Superlative bemüht wurden, als heute vor fünf Jahren das Forum Hanau eröffnet wurde. Und damit das Einkaufs- und Kulturzentrum, das Mittelpunkt des „neuen Hanau“ werden sollte.

In einem Kraftakt hat die Brüder-Grimm-Stadt in wenigen Jahren versucht, das aufzuholen, was jahrzehntelang versäumt wurde: die Entwicklung der City. In einem damals neuen Verfahren wurde das Projekt angegangen. Es war der größte Umbau einer westdeutschen Kommune nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Forum-Eröffnung war freilich nicht der Endpunkt des noch immer nicht ganz abgeschlossenen Innenstadt-Umbaus. Sie war aber der wichtigste Meilenstein. Das Forum war und ist gleichsam der Leuchtturm des Vorhabens, Hanau als Einkaufsstadt neu zu positionieren – „Hanau neu erleben“ lautete denn auch das Motto der bis dato größten Werbekampagne für die Stadt. Nach einem Jahr meldete Centermanagerin Diana Schreiber-Kleinhenz immerhin „mehr drei Millionen Besucher in den 90 Läden“.

Der Weg zum Innenstadt-Umbau war gleichwohl lang. 2008 wurden die Planungen mit dem Wettbewerblichen Dialog gestartet, einem europaweiten Vergabeverfahren zur Suche nach einem Investor, der den Umbau schultern sollte.

Hanau: Entwicklung der Innenstadt war überfällig

Zuvor hatte sich die Politik in der sechstgrößten hessischen Stadt jahrzehntelang als unfähig erwiesen, eine überfällige Entwicklung der Innenstadt voranzutreiben. Vor allem der Freiheitsplatz war zu einer tristen Parkplatzfläche verkommen. Pläne wurden zwar immer wieder ventiliert. Es passierte aber nichts.

Das änderte sich am 16. Juni 2008 mit dem vom Stadtparlament gefassten Beschluss für den Wettbewerblichen Dialog. Von einer „historischen Entscheidung“ sprach Oberbürgermeister Claus Kaminsky damals.

Einkaufszentrum, Kino, Hotel: Große Pläne für die Innenstadt in Hanau

Die Bandbreite der Aufgaben, die der gesuchte Investor erledigen sollte, war groß: Angefangen vom Umbau des Schlossplatzes mit Brüder-Grimm-Kulturzentrum und Hotel, über ein Einkaufszentrum und Kino am Freiheitsplatz, eine neue Lösung für die Stadtbibliothek, die Umgestaltung des Marktplatzes, die Schaffung modernen Wohnraums rund um die Französische Allee bis hin zu einem neuen Verkehrskonzept reichten die Vorgaben.

Vieles von dem, was ursprünglich im Aufgabenkatalog gestanden hatte, blieb auf der Strecke – oder wurde von anderen an anderer Stelle realisiert. Das neue Kino entstand nicht im Herzen der Innenstadt, sondern an der Peripherie.

Jede Menge Autos standen auf dem Freiheitsplatz vor der Umgestaltung der Innenstadt.

Vom Brüder-Grimm-Kulturzentrum musste sich die Stadt aus Kostengründen verabschieden, ein Hotel am Schlossplatz kam nicht. Es ist erst jetzt wieder bei der noch ausstehenden Umgestaltung des Schlossplatzes eine Option. Und neben dem Umbau von Straßen und Fußgängerzonen blieb auch die Marktplatz-Umgestaltung letztlich ganz an der Stadt hängen.

Forum Hanau: Größte Baugrube in der Stadtgeschichte

Vier Investoren konkurrierten im Wettbewerblichen Dialog. Im Mai 2010 bekam die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) aus Hamburg den Zuschlag – für den Bau des Forums. Zudem war sie für die lange Zeit umstrittene Neubebauung des Westkarrees an der Französischen Allee zuständig.

Mit der Eröffnung der 90 Geschäfte und der neuen Stadtbibliothek im Forum Hanau heute vor fünf Jahren endete eine vierjährige Umbauphase, die den Hanauern viel abverlangt hat: Allenthalben wurde in der Innenstadt seit 2011 gebaut, Straßen und Plätze wurden aufgebaggert, zeitweise gesperrt, Buslinien umgeleitet. Und ab Februar 2012 wurde auf dem Freiheitsplatz – nach dem Abriss des alten Karstadt-Gebäudes – fürs Forum die größte Baugrube in der Historie der Stadt gegraben.

Hanau: Forum entscheidender Baustein für Innenstadtumbau

Mit der Forum-Eröffnung war der Innenstadtumbau „weitgehend abgeschlossen“, so Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle. Auf 45 Hektar wurden viele Bauprojekte umgesetzt, nicht nur das Forum. Angefangen von der Fußgängerzone Hammerstraße über die Fahrstraße bis zur Nürnberger Straße wurde vieles erneuert.

Das Gebäude des 2010 geschlossenen Karstadt-Warenhauses wurde 2012 abgerissen.

2013 startete der städtische Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) den Neubau zweier Gastronomiegebäude auf dem Marktplatz. Die fünf Millionen Euro teueren Flachbauten waren ob ihrer Architektur und Größe vor allem in der Anfangszeit umstritten.

Sanierung von Innenstadt in Hanau kostet wohl 500 Millionen Euro

Mehr als 500 Millionen Euro sollen in die Hanauer Innenstadt-Sanierung geflossen sein. Das Gros davon, so betont OB Claus Kaminsky immer wieder, seien private Investitionen. 160 Millionen Euro steckte allein HBB in den Bau des Forums. Größter Mieter dort: die Stadt. Rund zwei Millionen Euro zahlt sie jährlich an Miete für die Bibliothek beziehungsweise das Kulturforum.

Und um die 15 Millionen Euro hat sie für die Erneuerung von Straßen und Plätzen aufgewendet, davon allein 13,6 Millionen Euro für den Freiheitsplatz mit dem Zentralen Busbahnhof (ZOB). Über dessen markante, grün schimmerende Runddächer wurde lange diskutiert. Mittlerweile sind sie ein Hingucker auf dem ansonsten kargen ZOB-Areal.

Nach Abzug von Zuschüssen, Fördermitteln und Straßenbeiträgen bleiben aus dem Wettbewerblichen Dialog 9,1 Millionen Euro an Kosten für die Stadt übrig, heißt es aus dem Rathaus. Der Betrag sei „verschwindend gering und mehr als vertretbar“, betonte OB Kaminsky. Die Kosten für den Marktplatz, den Platz an der Wallonisch-Niederländischen Kirche oder den Schlossplatz sind da freilich nicht eingerechnet.

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