Hanau

Urologie-Abteilung im Klinikum Hanau bleibt Wunschtraum

Hanau. Eine Urologie-Abteilung im Hanauer Klinikum wird vorerst nur ein Wunschtraum bleiben. Laut den Krankenkassen und dem Land Hessen wird dieser Antrag aus qualitativen und wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, obwohl die 35 Betten der Urologie-Abteilung des MKK-Klinikums im Jahr 2014 zu 70,7 Prozent ausgelastet waren. OB Kaminsky gibt ebenfalls Wiesbaden die Schuld – Auch ein neues Gesetz erschwert die Bemühungen. 

Von Reinhold Schlitt

Im Klinikum Hanau wird es wohl endgültig keine stationäre urologische Vollversorgung geben. Das für die Krankenhausplanung zuständige Hessische Sozialministerium in Wiesbaden bleibt auf Nachfrage des HA dabei, dass es „keinen Bedarf für einen zusätzlichen urologischen Versorgungsauftrag“ sieht und knüpft damit an seine bisherige Entscheidungslage an.Die Stadt Hanau bemüht sich seit Jahren darum, am städtischen Klinikum eine eigene Urologie-Station zu errichten. Für Oberbürgermeister Claus Kaminsky scheint das Vorhaben nun auch wegen gesetzlicher Veränderungen in weite Ferne gerückt zu sein.Fehlende Urologie-Station verhindert wohnortsnahe VersorgungEin Patient aus Hanau, der nach eigenen Angaben wegen schmerzhaften Harnverhalts mehrmals mit einem Krankenwagen in Kliniken nach Gelnhausen und Offenbach transportiert wurde, hatte sich darüber geärgert, dass er nachts notfallmäßig nicht in Hanau und damit wohnortnah versorgt werden konnte. Der HA berichtete.Kürzlich wandte er sich erneut an die Redaktion, um auf diese für ihn „unhaltbare“ Situation hinzuweisen. Er macht das Fehlen einer urologischen Vollversorgung am Klinikum für die Misere verantwortlich und berichtet zugleich über andere Betroffene. Die Klinik verweist allerdings darauf, dass sie auch urologische Notfälle versorgt, mit Ausnahme von Fällen, in denen zum Beispiel Patienten zuvor frisch operiert worden seien und deswegen an die operierende Klinik verwiesen würden.Nur Versorung von urologische „Begleiterkrankungen“ begrenzt HandlungsspielraumTagsüber kooperiert das Klinikum Hanau in der urologischen Versorgung mit dem Universitätsklinikum Frankfurt. Ein Urologe der Uniklinik ist montags bis freitags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr in Hanau anwesend. Allerdings ist sein Handlungsspielraum begrenzt, da er nur urologische „Begleiterkrankungen“ behandeln darf. Je nach Schwere einer solchen Erkrankung erfolgt deswegen eine Verlegung des Patienten in die Frankfurter Uniklinik.Auch bei einer urologischen Haupterkrankung werden Patienten entweder verlegt oder formal aus der stationären Behandlung entlassen, so dass sie sich dann selbst an ein Klinikum mit urologischer Versorgung wenden können. Im letzten Jahr wurden insgesamt 75 Patienten des Klinikums mit urologischen Begleit- oder Haupterkrankungen in die Uniklinik gebracht.Nur nach signlisierter Aufnahmebereitschaft wird das Klinikum angefahrenZwar steht der Urologe aus der Uniklinik auch für die Versorgung urologischer Notfälle zur Verfügung, allerdings nur während seiner Arbeitszeit in Hanau. Andererseits gehört eine urologische Notfallversorgung, etwa das Legen eines Katheters bei einem Harnverhalt, zum Handwerk der Ärzte in der Zentralen Notaufnahme (ZNA). Die Rettungsdienste fahren das Klinikum Hanau mit urologischen Notfällen aber nur dann an, wenn ihnen von dort auch eine entsprechende Aufnahmebereitschaft (ein sogenannter interdisziplinärer Versorgungsnachweis) signalisiert wird.Der Leiter der Rettungsdienstzentrale des Main-Kinzig-Kreises, Dr. Wolfgang Lenz, sagte dem HA auf Nachfrage: „In den anderen, deutlich häufigeren Fällen werden die anderen Kliniken vorgeschlagen und angefahren, um zumindest eine zusätzliche Verzögerung durch eine Weiterverlegung aus der Hanauer ZNA zu vermeiden.“ Mit den „anderen Kliniken“ meint Lenz das kreiseigene MKK-Klinikum in Gelnhausen, das private SANA-Klinikum Offenbach und das katholische St.-Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt-Seckbach.Kein „Handlungsbedarf“ für eine eigene urologische Vollversorgung in HanauDiese Häuser bieten allesamt eine stationäre urologische Vollversorgung an und sind rund um die Uhr für die Rettungsdienste innerhalb eines gesetzlich geforderten Zeitraums von 20 bis 30 Minuten vom Alarmierungsort aus erreichbar.Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), er ist auch Chef des Klinikum-Aufsichtsrats, ließ den HA wissen, dass das Klinikum Hanau und er persönlich sich „in den letzten Jahren bis heute ohne Erfolg um die Genehmigung einer urologischen Hauptfachabteilung am Klinikum Hanau bemüht“ hätten. Bereits im Dezember letzten Jahres beklagte er zudem, dass weder die Krankenkassen noch das Land Hessen einen „Handlungsbedarf“ für eine eigene urologische Vollversorgung in Hanau sehen und er sogar „Gegenwind aus Wiesbaden“ verspürt.Versorgungsauftrag aus qualitativen und wirtschaftlichen Gründen abgelehntDas geht aus einem dem HA vorliegenden Brief an einen Beschwerdeführer hervor. Die Stadt Hanau hat nach Auskunft der Pressesprecherin von Sozialminister Stefan Grüttner letztmalig im November 2013 einen Antrag auf Erweiterung des urologischen Angebots in Kooperation mit dem Uniklinikum Frankfurt gestellt. Mehrere Gespräche im Rahmen dieser Antragstellung zwischen Wiesbaden und Hanau blieben erfolglos.Derzeit gibt es im Main-Kinzig-Kreis lediglich im MKK-Klinikum Gelnhausen eine Urologie-Abteilung. Das Ministerium steht auf dem Standpunkt, dass die stationäre urologische Vollversorgung im Versorgungsgebiet Frankfurt-Offenbach, zu dem auch der Main-Kinzig-Kreis gehört, ausreichend ist. Ein zusätzlicher Versorgungauftrag für das Klinikum Hanau wird aus qualitativen und „wirtschaftlichen Gründen“ abgelehnt.Urologie-Abteilung des MKK-Klinikums im Jahr 2014 zu 70,7 Prozent ausgelastetDie Kliniken im Kreis sollen kooperieren, fordern die Krankenhausplaner im Sozialministerium. Kriterien für die Wirtschaftlichkeit eines Versorgungsangebots sind unter anderem an die Zahl der stationären Behandlungsfälle in der betreffenden Fachabteilung und die Auslastung der dort aufgestellten Betten. In der Urologie-Abteilung des MKK-Klinikums Gelnhausen gibt es derzeit 35 Betten, die im Jahr 2014 mit 2284 stationären Behandlungsfällen zu 70,7 Prozent ausgelastet waren.

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