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Einsatzkräfte begleiten Aktivisten bei dem A49-Protest aus dem Gefahrenbereich.

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A49-Protest: Aktivisten betonieren sich ein - Trauer um Grandma

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  • Lukas Rogalla
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  • Teresa Toth
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Der Protest gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel geht weiter. Die Aktivisten begeben sich dabei teilweise in Lebensgefahr. Im Herrenwald findet die Polizei mehrere gefährliche Gegenstände. Aktivisten hatten sich sogar einbetoniert.

  • Gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel hat sich massiver Widerstand formiert.
  • Aktivisten wollen die Rodungen im Dannenröder Forst und im Herrenwald bei Stadtallendorf stoppen.
  • In Folge des A49-Protests kam es auf der A3 zu einem schweren Unfall.

Update vom Freitag, 16.10.2020, 9.16 Uhr: Offenbar hatten sich Aktivisten im Herrenwald, wo derzeit Rodungen für den geplanten Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel stattfinden, einbetoniert. Bei der Polizei heißt es dazu: „Zwei Personen, die einbetoniert und mit Stahlseilen befestigt waren, konnten befreit werden. Sie blieben unverletzt und wurden nach dem Aussprechen eines Platzverweises entlassen.“ Wie genau das Einbetonieren aussah, das ist aktuell noch unklar. Die Polizei war für Details noch nicht zu erreichen.

Derweil trauern die Aktivisten im Herrenwald um Eiche Grandma. „300 Jahre stand der Baum da und nun wurde er von Menschen umgebracht die nichts verstanden haben“, heißt es auf Twitter.

A49-Protest: Aktivisten klettern gefährlich hoch – Polizei findet Axt, Messer und Knallkörper

Update vom Donnerstag, 15.10.2020, 13.03 Uhr: Die Rodungsarbeiten im Dannenröder Forst und Herrenwald gehen weiter. Am Mittwoch (14.10.2020) mussten die Arbeiten bereits um 11 Uhr eingestellt werden, nachdem etwa 30 Aktivisten im Rahmen des A49-Protests in den abgesperrten Gefahrenbereich eindrangen. Drei Personen sollen dabei auf eine Holzernte-Maschine geklettert sein und diese beschädigt haben. Zwei andere Personen mussten durch ein Höheninterventionsteam aus Bäumen geholt werden. Alle Aktivisten wurden durch Beamte – teilweise auch mit körperlicher Gewalt – aus dem abgesperrten Bereich gebracht.

Laut einem Pressebericht der Polizei Gießen fanden Einsatzkräfte im südlichen Herrenwald zudem gefährliche Gegenstände wie eine Axt, ein Messer, Knallkörper und Feuerwerk. Derzeit ermittelt die Polizei deren Herkunft und Verwendungsabsicht. Für die Rodungsarbeiten am Donnerstag (15.10.2020) müssen erneut zur Sicherheit ein Teil der B 454 und K 12 gesperrt werden.

Auch im Dannenröder Forst klettern bei den Rodungsarbeiten am heutigen Donnerstag (15.10.2020) erneut A49-Protestler auf Bäume. Wie die Polizei Mittelhessen auf Twitter schreibt, klettern sie teilweise sehr hoch und begeben sich dabei in Lebensgefahr. Einsatzkräfte der Polizei versuchen, die Aktivisten aus den Baumkronen zu begleiten.

A49-Protest: Aktivisten beklagen Polizeigewalt

Update vom Mittwoch, 14.10.2020, 08.50 Uhr: Am Dienstag beherrschte die Blockade der A3 durch A49-Protestler und der schwere Folgeunfall am Stauende die Schlagzeilen rund um den Dannenröder Forst und den Herrenwald. Doch auch vor Ort war es ein heikler Tag: Das im südlichen Herrenwald befindliche Camp „Neuerdings“ wurde geräumt, insgesamt mussten hier 23 Aktivisten von den Bäumen geholt werden.

Die Polizei, die mit mehreren hundert Einsatzkräften vor Ort war, sprach zahlreiche Platzverweise aus. Gegen Mittag konnten dann die eigentlichen Rodungsarbeiten für den Ausbau der A49 beginnen. Durch eine weiträumige Absperrung gewährleisteten die eingesetzten Beamten die sichere Durchführung der Baumaßnahmen. Dafür musste auch ein Teil der B454 und K12 gesperrt werden. „Trotz der umfassenden und dynamischen Lage sowie der teils in größerer Höhe stattfinden Einsatzmaßnahmen wurden nach derzeitigen Erkenntnissen keine Personen verletzt“, heißt es bei der Polizei in Gießen. Die Aktivisten dagegen sprechen erneut von „Polizeigewalt“.

+++ 21.05 Uhr: Nach der Blockade der A3 hat die Polizei neun Leute festgenommen. Gegen sie wird eine Ermittlungsverfahren eingeleitet. Aktivisten, die gegen den Ausbau der A49 protestieren, haben sich nach Angaben der Polizei Mittelhessen von einer Brücke auf die A3 abgeseilt und somit den Verkehr gefährdet. Die Fahrbahn wurde in beide Richtungen gesperrt. Bei einem anschließenden Unfall am Stauende wurde eine Person schwer verletzt.

Am Ende des Staus, der sich durch die Sperrung der A3 zwischen Bad Camberg und Idstein gebildet hatte, kam es zu einem schweren Unfall.

A49-Protest: Neun Personen nach Blockade der A3 festgenommen

+++ 17.27 Uhr: Nachdem sich in Folge einer Blockade der A3 ein Stau und Unfall ereigneten, haben die Aktivisten Stellung genommen. „Es ist schrecklich, dass es zu dieser Tragödie gekommen ist“, heißt es als Reaktion auf den Unfall, bei dem eine Person offenbar schwer verletzt wurde. Allerdings wollten sie nicht die Verantwortung dafür übernehmen. Es sei geschmacklos, dass die Polizei so kurz nach dem Unfall Anschuldigungen von sich gegeben habe, obwohl Auffahrunfälle bei Staus sonst als „trauriger Alltag“ akzeptiert werden. Auf die Anschuldigungen einzugehen „würde diesem schrecklichen Ereignis nicht gerecht werden“. Den Angehörigen wolle man heute die Ruhe lassen, mit dem Schock umzugehen.

Aktivisten seilten sich am Dienstagvormittag von einer Brücke auf die A3 ab, um gegen die Rodung des Danneröder Forstes und den Ausbau der A49 zu protestieren. Die Polizei sperrte die Fahrbahn in beide Richtungen ab. Am Stauende fuhr eine Person in Fahrtrichtung Köln auf einen Lastwagen auf, wurde im Fahrzeug eingeklemmt und schwer verletzt. Ein Rettungshubschrauber musste die Person in ein Krankenhaus bringen.

A49-Protest: Aktivisten seilen sich auf die A3 ab - schwerer Unfall am Stauende

+++ 14.46 Uhr: Die Vollsperrung der A3 zwischen Idstein und Bad Camberg ist inzwischen wieder aufgehoben. Aktivisten, die gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel protestieren, hatten sich von einer Brücke abgeseilt.

Der Verkehr läuft allerdings in Richtung Köln noch nicht flüssig. Hintergrund: Am Ende des Staus, der durch die Vollsperrung der A3 entstanden war, hatte sich - siehe unten - ein schwerer Unfall ereignet. „Die laufenden Aufräumarbeiten an der Unfallstelle schränken den Verkehrsfluss in Fahrtrichtung Köln noch ein.“ Nach bisherigen Informationen wurden mehrere Personen verletzt. EIn Rettungshubschrauber war im Einsatz.

+++ 12.06 Uhr: Erneut haben Aktivisten, die sich gegen die geplanten Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel wenden, eine Autobahn blockiert. Nachdem in den vergangenen Tagen zwei Mal die A5 in Mittelhessen gesperrt werden musste, ist nun die A3 betroffen.

Hier geht zwischen Idstein und Bad Camberg aktuell nichts mehr: Die A3 ist in beide Richtungen gesperrt. Der Verkehr staut sich in beide Richtungen deutlich. Etwa zehn Personen hielten sich dort im Brückenbereich auf und seilten sich zur Mittelleitplanke ab, teilte der Polizeisprecher mit. Die Blockade stehe in Bezug zum Protest gegen die Rodung, hieß es weiter.

Am Stauende ereignete sich nach ersten Informationen ein schwerer Unfall: Ein Pkw und ein Lkw sollen hier auf der A3 kollidiert sein. „Menschen wurden schwer verletzt“, heißt es bei der Polizei Mittelhessen bisher nur. Weitere Informationen sind noch nicht bekannt. Ein Rettungshubschrauber ist im Einsatz.

Update vom Dienstag, 13.10.2020, 08.10 Uhr: Bei den Protesten gegen den A49-Ausbau sind nach Angaben der Behörde zwei Polizeibeamte verletzt worden. Die Sicherheitskräfte setzten ihrerseits Pfefferspray gegen die Umweltschützer ein, wie es in einer Bilanz des zwölften Einsatztages rund um den Dannenröder Forst hieß. Mehrheitlich blieben die Protestaktionen gegen die laufenden Rodungen am Montag (12.10.2020) jedoch friedlich. Am Morgen blockierten 30 Aktivisten das Ferrero-Werk in Stadtallendorf, zwei Unterstützer besetzten Bäume im Herrenwald und etwa 70 Personen nahmen an einer Demo in Homberg (Ohm) teil – soweit das gewohnte Bild der vergangenen Tage.

Wiederholt kommt und kam es aber auch zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Aktivisten. Gestern drangen laut Polizei beispielsweise 16 Umweltschützer in einen militärischen Sicherheitsbereich vor. Zwei wehrten sich dem Bericht zufolge gegen die folgende Kontrolle und versteckten sich in einer Kuhle. Als ein Polizist versuchte, einen der Aktivisten herauszuziehen, habe dieser ihn mit einem Faustschlag getroffen, hieß es. Bei der anschließenden Festnahme sei es zu dem Gerangel gekommen, bei dem die zwei Polizisten verletzt wurden. Die Polizei setzte ihrerseits Pfefferspray ein. Allen Betroffenen seien noch vor Ort die Augen ausgespült worden. Angaben zu seiner Identität wollte der mutmaßliche Angreifer in der Folge nicht machen.

Am Dienstagmorgen (13.10.2020) gingen die Räumungen im Herrenwald weiter. Die Aktivisten zeigten in einem Live-Stream den Beginn des Polizeieinsatzes, bei dem im Laufe des Tages die Camps in den Fokus rücken dürften. Es seien mehrere Menschen in Gewahrsam genommen worden.

A49-Protest im Herrenwald: Polizeiauto angegriffen – Bekennerschreiben sieht „Tag X“ gekommen

Update vom Montag, 12.10.2020, 09.07 Uhr: Ein Angriff auf ein besetztes Polizeiauto im Bereich des Klärwerks Lehrbach sorgt derzeit für heftige Diskussionen. Die Tat wird mit dem umstrittenen Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel in Verbindung gebracht.

Was war passiert? Am Freitagabend haben nach Angaben der Polizei „mehrere vermummte Personen aus dem angrenzenden Waldgebiet“ ein mit vier Polizisten besetztes Polizeifahrzeug mit Steinen und Farbbeuteln attackiert. Das Fahrzeug wurde stark beschädigt, die Beamten blieben unverletzt. Anschließend seien die Täter wieder in den Wald geflüchtet.

Die Polizei fordert von den A49-Ausbaugegnern: „Distanzieren Sie sich von gewaltbereiten Straftätern und lassen Sie sich Ihr Anliegen nicht durch militante Aktionen zerstören.“

Derweil ist auf Indymedia eine Art Bekennerschreiben aufgetaucht, das die Tat klar mit den Arbeiten im Dannenröder Forst und den benachbarten Waldstücken in Verbindung bringt. Dort heißt es wörtlich: „Heute haben mir mit einigen Militanten eine besetzte Bullenkarre im Dannenröder Wald platt gemacht“. Der „Tag X“ sei gekommen. Die Tat sei als „letzte Warnung“ zu verstehen. „Wenn ihr euch weiter im oder am Wald aufhaltet und euch an ihm zu schaffen macht, werden wir unsere Angriffe intensivieren. Wir kennen eure Wege, wir kennen eure Routinen und wir wissen wie wir euch angreifen können um eurem zerstörerischen Treiben ein Ende zu setzen.“

+++ 17:18 Uhr: Auch am heutigen Freitag (09.10.2020) wurden die Rodungsmaßnahmen bei Stadtallendorf fortgesetzt. Die Arbeiten sollen sich hauptsächlich auf das Gelände der Bundeswehr konzentrieren, teilte ein Sprecher der Projektgesellschaft Deges der dpa mit. Am Wochenende sollen die Arbeiten pausieren. Wo die Rodungen in der nächsten Woche fortgesetzt werden, steht noch nicht fest.

Parallel zu den Rodungen bei Stadtallendorf sollen Umweltaktivisten der Organisation Extinction Rebellion die Zentrale von Deges in Berlin blockiert haben. Der Protest richte sich gegen die „Planer*innen der Autobahn 49“, wie die Gruppe mitteilte. Bereits vergangene Woche protestierte die Gruppe vor der Hessischen Landesvertretung in Berlin gegen den Weiterbau der A49.

Eine Polizeisprecherin sagte der dpa, dass rund 130 Personen vor Ort gewesen seien, sieben davon hätten sich an das Gebäude geklebt. Die Versammlung darf noch bis 18 Uhr fortgesetzt werden, aber nicht mehr den Eingang der Deges-Zentrale blockieren.

A49-Protest: Vorwurf der Polizeigewalt - Video sorgt für Diskussionen

Update vom Freitag, 09.10.2020, 10.13 Uhr: Ein Video aus Maulbach sorgt aktuell für heftige Diskussionen in den Sozialen Netzwerken. Der Vorwurf der Aktivisten, die gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel protestieren: Polizeigewalt. Hintergrund der kurzen Sequenz ist ein Einsatz der Polizei am Mittwoch (08.10.2020) in Maulbach, um dem letztlich zwei Personen vorläufig festgenommen wurden. Zu sehen ist eine körperliche Auseinandersetzung zwischen einem Mann und Polizisten.

Inzwischen hat die Polizei Mittelhessen in einer Meldung offiziell Stellung bezogen zu dem Vorfall in Maulbach. Demnach hatten zwei Männer versucht, durch eine polizeiliche Absperrung zu kommen. „Der mehrfachen Aufforderung, dies zu unterlassen, kamen beide Männer nicht nach. Sie wurden daher durch Anwendung körperlicher Gewalt zu Boden gebracht und festgenommen. Dabei wurde eine Person leicht verletzt. Eine ärztliche Versorgung der Person war nicht notwendig.“

Nach Angaben der Polizei waren beide Männer „stark alkoholisiert“. Gegen die Verdächtigen wurden Strafanzeigen wegen des Verdachts des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ausgestellt. Die Ermittlungen dazu dauern noch an.

Proteste gegen A49-Ausbau: Bisherige Aktionen waren nur „ein Vorgeschmack“

+++ 18:04 Uhr: Trotz anhaltender Proteste gehen die Rodungen zum Ausbau der A49 weiter. Die Arbeiten sind eine Woche nach Beginn ein gutes Stück voran gekommen. Bisher fielen 8,5 Hektar Wald den Rodungen zum Opfer. Die Baumfällungen im Maulbacher Wald bei Homberg (Ohm) sollen „bis auf kleinere Restarbeiten“ abgeschlossen sein, sagte ein Sprecher der Projektgesellschaft Deges am Donnerstag der dpa. Als nächstes werden die Rodungen im Herrenwald bei Stadtallendorf fortgesetzt.

85 Hektar Wald sollen insgesamt bei Stadtallendorf gerodet werden

Insgesamt sollen im Herrenwald 49 Hektar gerodet werden. Im Dannenröder Forst, auf den sich vor allem die Proteste konzentrieren, sollen 27 Hektar fallen. Insgesamt müssen für die geplante Trasse 85 Hektar gerodet werden. Als Ausgleich plant Deges, auf etwa 750 Hektar Ersatzmaßnahmen durchzuführen, unter anderem soll naturnaher Wald entstehen.

An jedem der Arbeitstage war die Polizei mit einem Großangebot vor Ort, teilweise soll eine mittlere dreistellige Zahl an Beamten im Dienst gewesen sein. Laut einem Polizeisprecher sahen sich die Einsatzkräfte „vielfältigen Versammlungslagen und unterschiedlichen Protestformen“ gegenüber. Die meisten der Einsätze sollen aber überwiegend friedlich verlaufen sein.

Der Protest im Dannenröder Wald gegen die Rodungen verlief bisher friedlich

Der passive Widerstand von Umwelt- und Klimaschützern konzentrierte sich auf das Verschanzen in Baumhäusern oder das Blockieren der Arbeiten mit Barrikaden. Außerdem wurden Demonstrationen, Mahnwachen und Protestcamps gebildet. Nach Informationen der dpa soll aber noch einiges geplant sein. „Der bisherige Protest war nur ein Vorgeschmack auf den massiven Widerstand bei einer möglichen Räumung oder Rodung im Dannenröder Wald“, soll eine Sprecherin der Aktivisten gesagt haben.

Wie lange sich die Rodungen noch hinziehen werden, ist zum momentanen Zeitpunkt noch unklar. Die neue Inbetriebnahme der neuen Trasse, die vor allem die Verkehrslage in umliegenden Dörfern entlasten und wirtschaftliche Impulse setzen soll, ist für 2024 vorgesehen. Die ersten Planungen für den Bau reichen bis in die 1960er Jahre zurück.

Update vom Donnerstag, 08.10.2020, 09.04 Uhr: Ein Tweet aus dem Umfeld der Gegner des umstrittenen A49-Ausbaus zwischen Gießen und Kassel sorgt für heftige Diskussionen. „Es wird Gewalt gegen Einsatzkräfte ‚empfohlen‘. Der Einsatz von Pfefferspray gegen Polizeibeamte stellt eine Straftat dar und wird von uns konsequent verfolgt“, kommentiert die Polizei Mittelhessen.

Der Tweet selbst ist inzwischen verschwunden. Screenshots kursieren jedoch weiterhin bei Twitter. Dort schreiben die A49-Protestler in Richtung Polizei wörtlich: „Ihr verletzt Art. 8 GG und das obwohl das BVerfG dazu schon entschieden hat. Wir weißen nochmal darauf hin, dass menschen sich mit gewalt gegen die illegalen kontrollen wehren dürfen (113 III stgb). Wir empfehlen den Einsatz von pfefferspray gegen die polizei.“ (sic!)

Der Tweet sorgt für heftige Diskussionen auf Twitter. Auf dem Account, von dem der entsprechende Tweet abgesetzt wurde, heißt es auch, dass „Team Blau“, die Polizei also, „zahlreiche Straftaten“ begangen habe. Und weiter: „In diesem Zusammenhang sei auf §113 (3) StGB hingewiesen: Widerstand gegen Polizei ist nur dann strafbar, wenn die Polizei rechtmäßig handelt. Gegen nicht rechtmäßige Polizeihandlungen dürft ihr euch mit verhältnismäßiger Gewalt wehren (Vgl 1 BvR 1090/06).“

Am Donnerstag stehen laut Polizei derweil keine weiteren Rodungen im Maulbacher Wald, dem Dannenröder Forst oder dem Herrenwald an.

+++ 17:30 Uhr: Die Waldrodungen im Maulbacher Wald gehen weiter. Auch die Proteste dagegen nehmen vorerst kein Ende. Laut der Deutschen Presse Agentur protestierten Umweltschützer „musizierend gegen die Rodungen, zudem kletterten Aktivisten wie schon in den vergangenen Tagen auf Bäume“. Die Polizei soll weiter damit beschäftigt sein, die Umweltschützer aus dem zu rodenden Waldstück zu bringen. Ob die Baumfällarbeiten, die sich momentan auf den Maulbacher Wald konzentrieren, in diesem Bereich zu Ende geführt werden können, sei zunächst unklar. Die Räumungen nahmen aber „einen friedlichen Verlauf“.

Dannenröder Forst: Aktivisten kündigen Waldspaziergang an

Die Aktivisten kündigten für den Nachmittag einen „Waldspaziergang“ durch den Herrenwald an. Die Polizei kontrollierte auch eine „Spontandemo“: Eine Gruppe von etwa zehn Personen soll teils vermummt in der Nähe der Autobahn 5 bei Mücke (Vogelsberg) unterwegs gewesen sein.

Update vom Mittwoch, 07.10.2020, 10.12 Uhr: Die Polizei hat nach den tagelangen Protesten gegen den A49-Ausbau zwischen Gießen und Kassel eine erste Zwischenbilanz gezogen. Dabei wollen die Ermittler auch einen bedenklichen Trend festgestellt haben: Die Aktivisten, die sich im Herrenwald, Maulbacher Wald und Dannenröder Forst verschanzen, würden sich „verstärkt selbst in Gefahr“ begeben und „schreckten auch vor Selbstverletzungen nicht zurück“, hieß es in einem Bericht.

Die Umweltschützer hätten sich beispielsweise die Fingerkuppen mit Sekundenkleber verklebt oder mit Rasiermessern eingeritzt. Eine Aktivisten habe versucht, „sich die Hände vollständig mit Sekundenkleber zusammenzukleben, während sie einen Baum umklammerte.“ Die Polizei habe „Schlimmeres“ verhindert.

Proteste gegen Ausbau der A49: Aktivisten gehen für Wald viel Risiko

Dass die Aktionen der A49-Gegner oft riskant sind, war für Beobachter augenscheinlich. Immer wieder kletterten die Aktivisten in die Baumwipfeln hinauf, sie errichteten Barrikaden aus Holz, unter denen sie sich versteckten, gestern seilten sich erneut zwei Menschen von einer Brücke der A5 ab. In der Nacht zum Dienstag (06.10.2020) sollen Unbekannte aus dem Dannenröder Forst außerdem mit Feuerwerkskörpern in Richtung Einsatzkräfte geschossen haben, wie die Polizei mitteilte. Verletzt worden sei niemand.

In den vergangenen sechs Einsatztagen haben die Beamten eigenen Angaben nach bei 161-Mal bei Personen die Identität überprüft und es gab 24 vorläufige Festnahmen. Die Polizei registrierte 14 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten, stellte elf Strafanzeigen und fertigte vierte Sicherstellungen. Oberste Priorität habe bei den A49-Protesten die Sicherheit aller, sagte der mittelhessische Polizeivizepräsident Peter Kreuter, der aber auch betonte, bei Straftaten müssen man „konsequent einschreiten“. Am heutigen Mittwoch (07.10.2020) begann der Tag im Maulbacher Wald mit einem Konzert, wie die Aktivisten auf Twitter zeigten.

A49-Protest: Rodungsarbeiten und Demonstrationen gehen weiter – Sperrung der A5 aufgehoben

.+++ 17.27 Uhr: Die umstrittene Rodung im Maulbacher Wald im Zuge des Ausbaus der A49 geht weiter. Aufgrund der Klimakrise setzten sich auch am Dienstag (06.10.2020) wieder zahlreiche Aktivisten und Aktivistinnen gegen die Rodung ein, um den Wald zu erhalten. Die Protesten sollen jedoch laut einem Polizeisprecher weitestgehend friedlich verlaufen sein. Etwa 50 Umweltschützer besetzten, wie bereits am Vortrag, den Kreisverkehr in Homberg (Ohm). Im Maulbacher Wald selbst holte die Polizei mehrere Menschen aus den Bäumen.

Nachdem sich am Vormittag drei Aktivisten von der Autobahnbrücke abseilten, um die Rodungsarbeiten zu behindern, musste die A5 vollständig gesperrt werden. Inzwischen ist die Sperrung jedoch aufgehoben. Auch in Wiesbaden protestierten einige gegen den Ausbau der A49, indem sie ein Banner am Hessischen Landtag befestigten mit der Aufschrift: „Ausbau der A49 sofort stoppen! Wald statt Asphalt!“. Sie forderten die Landesregierung auf, die Rodungen zu stoppen und zur Deeskalation beizutragen.

Protest gegen A49 im Maulbacher Wald: Vollsperrung der A5

Update vom Dienstag, 06.10.2020, 12.55 Uhr: Erneut haben Aktivisten, die gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel protestieren, für eine Sperrung der A5 gesorgt. Zwischen dem Reiskirchener Dreieck und Grünberg haben sich Aktivisten von einer Brücke abgeseilt. Die A5 ist in beide Fahrtrichtungen gesperrt.

In einem Schreiben, das über die Projektwerkstatt Saasen an diese Zeitung ging, heißt es über die Aktion: „Eine echte Verkehrswende braucht nicht nur mehr Fahrradstraßen, barrierefreie Fußbereiche und einen Top-ÖPNV zum Nulltarif, sondern auch weniger Straßen. Darum wollen wir ein Zeichen setzen: Auch große Autobahnen wie die A5 müssen möglichst schnell rückgebaut werden!“ Die Gruppe unterstützt den Protest gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel, will aber nach eigenen Angaben „mehr“.

Wie lange die A5 zwischen Reiskirchener Dreieck und Grünberg gesperrt bleiben muss, das ist aktuell noch unklar. Umleitungsempfehlung: In Richtung Frankfurt können Autofahrer ab Homberg (Ohm) über die U20 zur Anschlussstelle Reiskirchen kommen. In der Gegenrichtung nach Kassel geht es ab Reiskirchen über die U25 nach Homberg (Ohm).

Aktuell staut sich der Verkehr auf der A5 in Mittelhessen in beide Richtungen deutlich: In Fahrtrichtung Norden sind es ab Reiskirchen rund 5 Kilometer. In der Gegenrichtung staut sich der Verkehr auf 8 Kilometern.

Protest gegen A49 im Maulbacher Wald: Umweltschützer blockieren Kreisel

Update vom Montag, 05.10.2020, 15.04 Uhr: Nicht nur im Maulbacher Wald laufen Proteste gegen den A49-Ausbau, auch in der Gemeinde Homberg (Ohm) solidarisieren sich offenbar Anwohner mit den Aktivisten. Nach Angaben der Polizei blockieren rund 100 Menschen einen Kreisel. Der Verkehr dort sei zum Erliegen gekommen.

Im Wald spielen Polizei und Aktivisten derweil Katz und Maus. Am Vormittag lösten die Einsatzkräfte eine Mahnwache auf. Auf Twitter berichteten die Polizei außerdem, vier Menschen seien auf Bäume geklettert. „Drei davon haben uns um Hilfe gebeten, wieder sicher hinunter zu gelangen.“ Mehrere Menschen sollen sich außerdem unter Barrikaden aus Holzstämmen verbunkert haben. Sie seien unverletzt geborgen worden. „Solche Konstruktionen sind gefährlich und können einstürzen“, mahnte die Polizei bei Twitter.

Proteste gegen A49-Ausbau: Metallstifte in Bäumen – Blockaden in Maulbacher Wald

Erstmeldung vom Montag, 05.10.2020, 12.16 Uhr: Stadtallendorf – Nach dem Dannenröder Forst und dem Herrenwald sollten sich die Hessen nun einen dritten Namen merken: Den Maulbacher Wald. Dort setzen die Aktivisten und Aktivistinnen am Montag (05.10.2020) ihren Protest gegen den geplanten Ausbau der Autobahn A49 zwischen Gießen und Kassel fort. Die Polizei räumt derzeit das kleine Waldstück bei Homburg (Ohm) im Vogelsbergkreis. Der Wald sei besetzt worden, zudem gebe es eine Mahnwache außerhalb, sagte eine Sprecherin des Wald-Statt-Asphalt-Bündnisses am Morgen der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Protest gegen A49-Ausbau: Gerüchte um Metallstifte an Bäumen im Dannenröder Wald

Mehrere Medien berichteten, es gebe Sitzblockaden und Barrikaden aus Baumstämmen im Maulbacher Wald. Mehrere Aktivisten seien in die Bäume geklettert. Zudem kursiert im Netz das Gerücht, rund 100 Bäume im Dannenröder Wald, wo der Protest am umfangreichsten sein soll, und im Herrenwald seien mit Metallstiften versehen worden. In einem Bekennerschreiben hieß es, die Metallstifte sollten verhindern, dass Kettensägen durch die Bäume kämen. Markierungen würden sicherstellen, so die Hoffnung, dass sich die Waldarbeiter nicht verletzten. „Solange diese Bäume nicht gerodet werden, besteht keine Gefahr.“ Die Schäden an den Bäumen müsse man in Kauf nehmen, um diese zu schützen.

Von offizieller Seite sind die Informationen noch unbestätigt. Die Polizei machte zunächst keine Detailangaben zu ihrem Einsatz. Sie ist mit einem Großaufgebot im Maulbacher Wald im Einsatz. Dort sollen heute Bäume fallen. Vergangene Woche hatte das beauftragte Unternehmen mit der Rodung im Herrenwald begonnen.

Protest gegen A49-Ausbau: Aktivisten können Rodungen im Herrenwald nicht verhindern

Am Dannenröder Forst sollen ebenso wie im Herrenwald bei Stadtallendorf mehrere Hektar Bäume für den A49-Bau gefällt werden. Dagegen protestieren Klima- und Umweltschützer mit Waldbesetzungen. Sie verschanzten sich dafür auch in Baumhäusern sowie auf Plattformen und kletterten auf Bäume, um die Abholzungen zu verhindern. Im Herrenwald hatte die Polizei zuletzt mit einem Großaufgebot die Arbeiten gesichert und Baumhäuser geräumt. Dabei kam es auch immer wieder zu Handgreiflichkeiten und vorläufigen Festnahmen.

Am Wochenende gab es keine Rodungs- und Räumarbeiten. Die Projektgesellschaft Deges hatte die Entscheidung mit Blick auf die geplanten Demonstrationen begründet. Am Samstag waren Aktivisten von Kassel aus über einen bereits fertiggestellten Abschnitt der Autobahn bis zum Dannenröder Forst geradelt, um gegen das Projekt zu demonstrieren. Auseinandersetzungen oder Festnahmen gab es nicht. Am Sonntag gab es eine Fahrrad-Demo. Danach folgten eine große Kundgebung sowie Waldspaziergänge.

A49-Ausbau: Grüne schlagen sich auf die Seite der Dannenröder-Forst-Proteste

Neben dem BUND hatten auch die Initiative Campact und Fridays for Future sowie die Naturfreunde Deutschlands und das Aktionsbündnis „Keine A49“ zu den Protesten aufgerufen. Auch die Grünen sprachen sich gegen den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 in Hessen aus. Trotz der Proteste der A49-Gegner befinden sich die Arbeiten an der Autobahn nach Angaben der Projektgesellschaft Deges im Plan. In den ersten beiden Tagen seien Bäume auf einer Fläche von vier bis fünf Hektar im Herrenwald bei Stadtallendorf gefällt worden. (dpa/ag)

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