Tagesmutter aus Erlensee in Garten mit fünf Kindern
+
Bloß kein Streit: Cindy Enin näht Hemden und Kleidchen in mehreren Ausführungen und Hosen, damit jedes Kind zufrieden ist. Die Stoffe führt sie aus Ghana ein.

Cindy Enin ist Tagesmutter mit Leib und Seele - „Es muss von Herzen kommen“

  • vonGabriele Reinartz
    schließen

„Eigentlich habe ich es einer ehemaligen Kollegin zu verdanken, dass ich Tagesmutter geworden bin“, erzählt Cindy Enin. Die gebürtige Ghanaerin betreute damals allein reisende Kinder und Senioren am Frankfurter Flughafen. „Meine Kollegin gab mir sehr viele Tipps und bekräftigte mich immer wieder, dass Tagesmutter die richtige Aufgabe für mich sei.“

Und tatsächlich absolvierte Cindy Enin kurze Zeit später einen Kurs zum Thema Kindertagespflege und war sofort Feuer und Flamme. „Das war meine Berufung, ich war mir sofort sicher.“

Nachfrage bleibt zunächst aus: Bürgermeister gibt Starthilfe

Unterstützt von Ehemann Francis, fertigte sie Flyer an und verteilte diese in Erlensee. Die Nachfrage blieb aber aus, weil es keinen Bedarf zu geben schien. Doch Cindy Enin wusste sich zu helfen. Kurzerhand klopfte sie an die Tür des Bürgermeisters und bat ihn um Unterstützung. Und diese bekam sie umgehend. „Ich bin heute noch sehr dankbar, dass mich das Team im Rathaus so unterstützt hat“, betont die quirlige und stets gut gelaunte Frau.

Dankbar sind aber auch die Eltern der Kinder, die sie betreut. Mittlerweile sind es 40 an der Zahl, um die sich Cindy Enin in den vergangenen zehn Jahren kümmerte. Und die Warteliste ist lang. Drei Jahre müssen Eltern warten. „Werdende Mütter rufen bei mir schon an, um sich auf die Liste setzen zu lassen“, staunt sie selbst über die Nachfrage.

Spitzname für die Kindergruppe „Elephant Kids“

Aktuell sind es fünf Kinder im Alter von drei Jahren, die von sieben bis 17 Uhr zu ihr nach Langenselbold kommen. „Witzigerweise fangen ihre Vornamen alle mit einem L an“, lacht sie. Zusammen sind sie die „Elephant Kids“. „Elefanten geben nie auf. Haben einen starken familiären Zusammenhalt. Behandeln die Kälber anderer Elefantenkühe wie ihre eigenen“, sagt Francis Enin als Begründung für die Namenswahl.

An Ideen, wie Cindy Enin die Tage mit den Kindern verbringen könnte, mangelt es ihr nicht. Und trotzdem gibt es einen festen Rahmen. „Wenn die Kleinen morgens kommen, müssen sie sich als Erstes die Hände waschen. Dann wird zusammen gefrühstückt und falls nötig, auch schon mal eine Windel gewechselt“, sagt sie.

Tagesmutter spricht Englisch mit den Kindern

Anschließend begrüßen sich die Kinder mit einem Lied. Weil die Tagesmutter mit ihnen Englisch spricht, wird auch auf Englisch gesungen. Bis zum Mittagessen geht es bei schönem Wetter zum Spielen in den Garten, der, wie auch das Spielzimmer im Souterrain, ebenfalls liebevoll für die Kleinen gestaltet wurde. Ein wahres Kinderparadies, in dem es an nichts fehlt.

„Wir sind in unserer Nachbarschaft schon bekannt“, erzählt Cindy Enin und lacht. „Denn wir gehen täglich spazieren. Entweder zum nahegelegenen Bauernhof, um die Tiere dort zu füttern und Traktor zu fahren. Oder wir fahren im Van zur Erlenhalle und treffen uns mit anderen Tagesmüttern und deren Kindern.“ Egal wohin, auf dem Weg respektive auf der Fahrt wird laut gesungen, sodass sich schon der ein oder andere Nachbar der Enins diese Termine gemerkt hat und die kleine Kinderschar amüsiert vom Fenster aus beobachtet.

Tagesmutter näht passende Kleidung für die Kinder

Und auch das steht auf dem Programm: „Jeden Mittwoch ist ‚Diva Day’“, erzählt Cindy Enin, „dann machen wir uns alle schick. Die Mädchen haben ein Kleidchen an und die Jungen ein Hemd mit Fliege.“ Dieser Tag ist Cindy Enin sehr wichtig, sollen die Kleinen doch schon früh lernen, dass es bestimmte Anlässe gibt, zu denen man sich schick anzieht. Apropos schick: Weil diese Frau alles kann, hat sie auch diverse Outfits für ihre Kinder genäht.

„Die Stoffe bringe ich immer aus Ghana mit. Und damit es keinen Streit gibt, habe ich jedes Kleid und jede Hose in mehrfachen Ausführungen und Größen.“ Wenn sie Lust dazu haben, ziehen sich die Kinder zum Spielen diese Outfits an.

Guter Ruf eilt Tagesmutter voraus

Dass ihr guter Ruf ihr mittlerweile schon sehr weit vorauseilt, erfuhr Cindy Enin vor Kurzem. „Da rief mich doch tatsächlich eine junge Mutter an, der ich wiederum von einer anderen Mutter empfohlen worden war, die selbst nur von mir gehört hatte. Die beiden Frauen waren in Spanien an einem Flughafen miteinander ins Gespräch gekommen.“

Die Welt kann manchmal klein sein, aber Cindy Enins Welt ist ein kleines Kinderparadies.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema