Grafik von geplanter neuer Kita in Erlensee
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Planungen für die Kita Fröbelstraße: Letztlich werden die Gebäude ganz abgerissen und neu gebaut. Die teuerste sei auch die sicherste Variante, heißt es.

Kitas und Rathaus

Erlensee vor großen Investitionen: Über 20 Millionen Euro für Baumaßnahmen

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Stadtverordnetensitzungen in der parlamentarischen Sommerpause sind ungewöhnlich. Da bedarf es schon einer besonderen Situation. In Erlensee, wo die Stadtverordneten zusammenkommen, ist diese angesichts richtungsweisender Investitionen durchaus gegeben. Weit mehr als 20 Millionen Euro muss die Stadt in den kommenden Jahren in wichtige Baumaßnahmen investieren.

Eine der wichtigen Entscheidung mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 8,5 Millionen Euro steht am Donnerstag (30.7.) an: der Neubau von Kindertagesstätte und Jugendzentrum an der Fröbelstraße. Das ehemalige Gemeindezentrum der evangelischen Kirche, das die Stadt für 1,5 Millionen Euro gekauft hat und ursprünglich sanieren und umbauen wollte, soll jetzt nach Empfehlung des Bauausschusses komplett abgerissen und neu gebaut werden.

Erlensee: Baumaßnahmen nicht unumstritten

„Kein Risiko eingehen“ lautet die Devise nach Worten von Bürgermeister Stefan erb. Das Abstimmungsergebnis von 5:4 macht deutlich, dass die Maßnahme im Parlament nicht unumstritten ist. Die CDU hätte es lieber gesehen, wenn man sich von dem Projekt im Ortszentrum von Langendiebach ganz verabschiedet und einen Alternativstandort gesucht hätte. Die Entscheidung solle jetzt fallen, so Bürgermeister Erb, der die hohe Investition noch in den Haushalt für 2021 einpreisen möchte, mit dessen Aufstellung im Rathaus bereits begonnen worden ist.

Das Projekt Fröbelstraße ist nur eine von mehreren kostspieligen Investitionen, für die es nach Ansicht von Stefan Erb keinerlei Alternativen gibt: Im Folgenden ein Überblick:

  • Kita/Jugendzentrum Fröbelstraße: Ursprünglich waren die Planer davon ausgegangen, dass die Umbaumaßnahmen für die Erweiterung der Kita auf vier Gruppen und die Sanierung des Gebäudes 2,2 Millionen Euro kosten würden. Doch nähere Untersuchungen der Bausubstanz hätten zum Ergebnis geführt, dass eine Sanierung, wie sie geplant war, nicht umzusetzen sei. Auch soll es nun keinen Teilabriss geben. Geplant wird nun ein kompletter Abriss der bestehenden Gebäude und ein Neubau. Statt vier werde es wahrscheinlich Platz für fünf Kitagruppen geben, so Erb. Die geschätzten Kosten für Abriss und Neubau liegen bei sieben Millionen Euro. Hinzu kommt der Kaufpreis von 1,5 Millionen Euro. Somit fallen für das Projekt Gesamtkosten von 8,5 Millionen Euro an.
  • Kita Leipziger Straße: Bereits zu Anfang des Jahres hat das Stadtparlament beschlossen die Einrichtung für rund 200 Kinder zu bauen. Entstehen wird ein Gebäude, in dem acht Gruppen zu jeweils 25 Kinder Platz finden sollen. Die Baukosten liegen nach Berechnungen der Stadt ebenfalls bei acht Millionen Euro. Von der Variante, die Einrichtung von einem Investor bauen zu lassen, hatte das Parlament Abstand genommen: Unter anderem, weil ein Eigenbau mehr auf den Bedarf zugeschnitten werden kann und auch schneller umgesetzt werden könne.
  • Rathaus: Schon vor vier Jahren sollte das Rathaus saniert und um ein Stockwerk über dem Parlamentssaal erweitert werden. Damals lagen die geschätzten Kosten bei rund acht Millionen Euro. Aufgrund des steigenden Bedarfs an Kinder-Betreuungsplätzen wurde das Projekt seinerzeit jedoch zurückgestellt. Heute würde das Vorhaben nach gleichen Vorgaben rund 10 bis 11 Millionen Euro kosten, schätzt Bürgermeister Erb, der jedoch keinen Hehl daraus macht, dass er ein Neubau des Verwaltungsgebäude bevorzugen würde.
  • Die Kosten dafür lägen mindestens bei 14 bis 15 Millionen Euro. Mittlerweile wird aber auch über die Idee diskutiert, das Rathaus von einem Investor bauen zu lassen und es in der Folge zu mieten. Die CDU bringt darüber hinaus einen Prüfantrag ein. Die Christdemokraten wollen wissen, ob sich auch eine Verlagerung des technischen Bereichs des Rathauses beispielsweise in Bestandsgebäude auf dem Fliegerhorst realisieren ließe. In der Stadt würde dann nur noch der Servicebereich für die Bürger verbleiben.
  • Fallbachhalle: Derzeit wird die Statik der Decke geprüft. Die Halle war von der Verwaltung vor geraumer Zeit auf Empfehlung eines Sachverständigen geschlossen worden. In die Überprüfung der Statik hat die Stadt bereits 100 000 Euro investiert. CDU-Fraktionschef Horst Pabst befürchtet, dass die Sanierung des Hallendachs mindestens eine Million Euro kosten wird. Ein Preis, den Bürgermeister Stefan Erb jedoch nicht bestätigen will. „Das wäre nun wirklich zu hoch gegriffen, aber man müsse mindestens einen sechsstelligen Preis einkalkulieren, so der Verwaltungschef.
  • Bürgerpark: Der Bürgerpark soll über die nächsten fünf Jahre in mehreren Abschnitten zwischen dem Hochwasserdamm und dem Neubaugebiet Neue Mitte II entstehen. Erste Investitionen sind vorgenommen worden. Am Ende soll die Gestaltung des Freizeitareals rund 2,2 Millionen Euro kosten.

Zu all diesen Investitionen gibt es nach Ansicht von Stefan Erb keine Alternativen, ungeachtet der durch Corona verursachten Einbußen von rund drei Millionen Euro allein in diesem Jahr. Vor allem im Bereich Kinderbetreuung hat die schnell wachsende Stadt einen erhöhten Bedarf, wie Kalkulationen der Verwaltung belegen.

Bereits 2021 würden nach jetzigem Stand mehr als 130 Betreuungsplätze fehlen, ein Jahr später sogar knapp 200. Auch beim Thema Rathaus sieht Erb keinen Ausweg: Arbeitsschutz gelte schließlich auch für Verwaltungsangestellte. Und die Fallbachhalle sei ein wichtiger Standort für die Erlenseer Kultur- und Vereinswelt. Da sind sich alle Parteien im Stadtparlament einig.

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