Die erneute Nichtberücksichtigung Nidderaus als Mittelzentrum durch das hessische Wirtschaftsministerium verärgert die Entscheidungsträger im Rathaus der 20 000-Einwohner-Stadt und auch Landrat Thorsten Stolz.
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Die erneute Nichtberücksichtigung Nidderaus als Mittelzentrum durch das hessische Wirtschaftsministerium verärgert die Entscheidungsträger im Rathaus der 20 000-Einwohner-Stadt und auch Landrat Thorsten Stolz.

Keine Aufwertung

Ärger über Nichtberücksichtigung: Nidderau und Langenselbold/Erlensee werden nicht zu Mittelzentren

Landrat Thorsten Stolz (SPD) zeigt sich „absolut unzufrieden“ mit den vorgenommenen Änderungen im Landesentwicklungsplan und kann die Entscheidungen, die offenbar am „Grünen Tisch“ gefallen seien, nicht nachvollziehen.

Main-Kinzig-Kreis – Die vom Kreis unterstützten Forderungen umfassten unter anderem die Einstufung der Stadt Nidderau als Mittelzentrum sowie für die Städte Langenselbold und Erlensee ein Mittelzentrum in Kooperation. Beides findet sich nicht in den von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) vorgelegten Änderungen zum Entwurf des Landesentwicklungsplans.

Landrat kritisiert Wirtschaftsminister Al-Wazir

„Das Land Hessen verpasst hier die Chance, eine kontinuierlich wachsende Region wie den Main-Kinzig-Kreis und die jeweiligen Städte und Gemeinden strategisch, vorausschauend und klar zu positionieren“, so Stolz harsche Kritik an Al-Wazir. Neben den Städten und Gemeinden im Main-Kinzig-Kreis hatte sich auch der Landkreis selbst in einer klaren Stellungnahme im Sinne der bisherigen Entwicklung und künftigen Ausrichtung des einwohnerstärksten hessischen Landkreises in das Verfahren eingebracht.

Weitere Forderungen waren „eine Zuordnung der wirtschaftsstarken Gemeinde Biebergemünd zum verdichteten Raum sowie die Aufstufung der Städte Gelnhausen und Schlüchtern zu ‘Mittelzentren Plus mit Teilfunktion eines Oberzentrums’“. Diese Punkte wurden durch die Änderungen des neuen Landesentwicklungsplans ebenfalls nicht berücksichtigt.

Nicht-Berücksichtigung wird Entwicklung der Städte nicht gerecht

„Vor allem mit der erneuten Nichtberücksichtigung Nidderaus als Mittelzentrum bin ich überhaupt nicht einverstanden. Ebenso wird die Ablehnung der Einstufung der Städte Erlensee und Langenselbold als Mittelzentrum in Kooperation deren tatsächlicher Entwicklung in den zurückliegenden Jahren in keiner Weise gerecht“, macht der Landrat seine Unzufriedenheit mit den vorgelegten Änderungen deutlich. Kritik übt der Landrat auch an der Ablehnung der Anträge der Kreisstadt Gelnhausen und der Stadt Schlüchtern zur Aufstufung zu Mittelzentren mit Teilfunktion Oberzentrum.

Der Landesentwicklungsplan (LEP) Hessen ist die rechtliche Grundlage der Regionalpläne, die in den Regionalversammlungen und im Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main beschlossen werden. Damit ist er auch die wichtigste Orientierung für die künftige Entwicklung der Städte und Gemeinden. Daher kündigt der Landrat an, dass der Kreis die aktuellen Entscheidungen in Wiesbaden so nicht hinnehmen werde. In der nächsten Beteiligungsrunde in den kommenden Wochen will sich der Main-Kinzig-Kreis „erneut klar zu Wort melden und entsprechend positionieren“.

Erlensee und Langenselbold sind besonderer Entwicklungsschwerpunkt

„Der Main-Kinzig-Kreis hat sich gut entwickelt und wird dies auch weiterhin tun und genau deshalb gilt es, im neuen Landesentwicklungsplan dafür die Weichen zu stellen. Wir sind ein erfolgreicher Landkreis und das muss auch in den Planungen des Landes zum Ausdruck kommen“, sagt Landrat Thorsten Stolz.

Einen „besonderen Entwicklungsschwerpunkt“ bilden nach Ansicht von Stolz die Städte Erlensee und Langenselbold, für die der Kreis eine Festlegung als „Mittelzentrum in Kooperation im Verdichtungsraum“ fordert. Sowohl durch die bedarfs- und nachfragegerechte Bereitstellung von Wohnbauflächen im großen Maßstab als auch durch die sehr erfolgreiche Entwicklung von Gewerbeflächen hat die wirtschaftsräumliche Bedeutung der beiden Kommunen stark zugenommen. „Dies hat bereits einen Ausbau der Infrastruktureinrichtungen zur Folge, für den entsprechend günstige Bedingungen auch landespolitisch zu schaffen sind“, sagt Thorsten Stolz.

Nidderau will seit Jahren ein Mittelzentrum werden

„Mehr als überfällig“ sei aus Sicht des Kreises die Einstufung der Stadt Nidderau als Mittelzentrum. Dieser Schritt werde seit Jahren gefordert und begründet, denn die Stadt habe sich im nordöstlichen Rhein-Main-Gebiet zu einem wesentlichen Siedlungsschwerpunkt herausgebildet. „Mit inzwischen deutlich mehr als 20 000 Einwohnern und weiter steigender Tendenz bei sehr aktivem Wohnungsbau und weitreichenden Potenzialflächen kommt Nidderau inzwischen eine neue Zentralitätsfunktion zu, die eine Festlegung als Mittelzentrum mehr als rechtfertigt. Wir werden deshalb hier nicht lockerlassen, um die Landesregierung zu einem Umdenken zu bewegen“, kündigt der Landrat an.

Gute Argumente liefert der Main-Kinzig-Kreis auch für die Einstufung der Städte Gelnhausen und Schlüchtern als Mittelzentren mit Teilfunktionen eines Oberzentrums. „Wir sehen das auch als ein klares Bekenntnis zur Stärkung der Entwicklungsachse Frankfurt/Rhein-Main- Fulda“, erläutert der Landrat. Hier werde in den nächsten Jahren ein überregional deutlich erkennbarer Entwicklungsschwerpunkt rund um die Kreis- und Barbarossastadt Gelnhausen und die Bergwinkelstadt Schlüchtern liegen.

Landrat will Gespräche intensivieren

„Diese Gesamtbetrachtung führt dazu, dass wir mit den aktuellen Entscheidungen zu den Änderungen im Landesentwicklungsplan nicht zufrieden sein können. Dies werden wir jetzt auch sehr deutlich zum Ausdruck bringen und ich hoffe, dass das Land mit dem Kreis, aber insbesondere mit den jeweiligen Städten das direkte Gespräch sucht und nicht nur schriftliche Stellungnahmen abruft“, so Stolz abschließend.  leg

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