Ein Freund des offenen Schlagabtauschs: Beim Kreisparteitag im Jahr 2018 warf Heiko Kasseckert (rechts) dem Fraktionsvorsitzenden Michael Reul mangelnde Transparenz bei der Kandidatenfindung vor. Der damalige Kreisvorsitzende Johannes Heger wurde anschließend von der Parteibasis ab-
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Ein Freund des offenen Schlagabtauschs: Beim Kreisparteitag im Jahr 2018 warf Heiko Kasseckert (rechts) dem Fraktionsvorsitzenden Michael Reul mangelnde Transparenz bei der Kandidatenfindung vor. Der damalige Kreisvorsitzende Johannes Heger wurde anschließend von der Parteibasis abgestraft.

Kasseckert neuer Vorsitzender

„Die Enttäuschung ist groß“: Michael Reul äußert sich nach Niederlage bei der Wahl um CDU-Fraktionsvorsitz

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    vonYvonne Backhaus-Arnold
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Fünf Tage sind seit der konstituierenden Sitzung der CDU-Kreistagsfraktion vergangen. Michael Reul hat das, was am Donnerstagabend im Barbarossasaal des Landratsamts passiert ist, längst noch nicht verdaut geschweige denn abgehakt. „Die Enttäuschung ist groß“, gesteht der 54-Jährige Bruchköbeler am Dienstagmittag im Gespräch, „ich hätte gern weitergemacht.“

Main-Kinzig-Kreis - Mit einem äußerst knappen Ergebnis hatte Heiko Kasseckert seinem Landtagskollegen den Vorsitz der Kreistagsfraktion abgenommen. Nach zwei Abstimmungen, die 11:11 und damit im Patt endeten, setzte sich Kasseckert im dritten Wahlgang mit 12:10 gegen Reul durch (wir berichteten).

Reul, der zehn Jahre lang Fraktionsvorsitzender der CDU war, hätte nicht erwartet, dass zwei Abgeordnete des Landtags gegeneinander kandidieren. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir das vorher besprochen hätten. Immerhin war es keine Neuwahl, sondern eine Kandidatur gegen den Amtsinhaber“, sagt Reul. Kasseckert bestätigt, dass es erst kurz vor der Sitzung zu einem Gespräch mit Reul kam, aber nur, weil das Gesprächsangebot, das er wenige Tage vor dem Termin an Reul gerichtet hatte, nicht angenommen worden sei. Zurückgezogen hätte zu diesem Zeitpunkt ohnehin keiner der beiden Kandidaten.

Reul verliert im dritten Wahlgang gegen Kasseckert

Reul spricht von einem „spannungsgeladenen Abend“. Er verschweigt aber, dass es Signale gegeben haben soll, nicht mehr in einen dritten Wahlgang zu gehen. Selbst der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber habe dazu geraten. Am Ende steht das Ergebnis von 12:10 für Kasseckert. „Ich bin Demokrat“, sagt der Bruchköbeler Reul dazu, „ich akzeptiere das Ergebnis.“

Er glaubt, dass es schwierig werden könnte für Kasseckert – intern, aber auch mit Blick auf die anstehenden Koalitionsgespräche. „Die SPD ist zurecht irritiert“, so Reul und weiter: „Ich hoffe nicht, dass die Wahl negative Auswirkungen auf die Koalitionsgespräche hat.“ Sein Nachfolger sei gut beraten, die Fraktion zu integrieren und zusammenzuführen statt sie weiter zu spalten und auseinander laufen zu lassen.

Der Kommentar von HA-Redaktionsleiterin Yvonne Backhaus-Arnold.

Wo sieht Michael Reul sich künftig, immerhin müssen noch verschiedene Positionen innerhalb der Fraktion, im Präsidium des Kreistags und in Aufsichtsräten besetzt werden? Im Moment sei er, so Reul, normales Fraktionsmitglied, „alles andere müssen wir intern besprechen“.

Kasseckert sieht Neuanfang und Chance für die CDU

Das Handy von Heiko Kasseckert stand über Ostern nicht still. Es gab reichlich Glückwünsche zur Wahl – aus den eigenen Reihen, aber auch von Sozialdemokraten, Unternehmern und Freunden außerhalb der Politik. „Ich werde mit allen reden über ihre Rolle in der Fraktion“, erklärt Kasseckert am Dienstag auf Nachfrage – auch in Richtung Reul.

Der Langenselbolder bezeichnet den Wechsel an der Spitze der Fraktion als Neuanfang und Chance. Er wolle sich für die Fortführung der Großen Koalition einsetzen und über die Fraktion junge Leute – auch für hauptamtliche Positionen im Kreis – aufbauen. „Wir müssen nach vorn schauen. Wir brauchen Gesichter, die für die CDU stehen. Das ist die wichtigste Aufgabe für die nächsten fünf Jahre.“

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