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Buddelt für sein Leben gern: das Tier des Jahres 2020, der Maulwurf.

Tier des Jahres ist nicht überall beliebt - Naturschutzbund wirbt für friedliche Koexistenz mit dem Maulwurf

Er ist nicht bedroht, mancherorts allgegenwärtig, nicht überall sehr beliebt und dennoch hat die Deutsche Wildtier Stiftung den unter Naturschutz stehenden Europäischen Maulwurf (Talpa europaea) zum Tier des Jahres 2020 gewählt.

Aus Sicht des Naturschutzbundes (Nabu) mit gutem Grund. Denn es sei die „besondere ökologische Funktion“ des Maulwurfs, die mehr Wertschätzung verdienen würde, sagt Sibylle Winkel vom Kreisverband der Nabu. Der Maulwurf sei zwar noch nirgends wirklich selten, er stehe aber symbolisch für die Artenvielfalt im Boden, um die es nicht überall gut bestellt sei. 

Der Name Maulwurf stammt vom mittelhochdeutschen Wort „moltwerf“ ab, was „Erdwerfer“ bedeutet und auf die Maulwurfshügel verweist, die das Säugetier beim Anlegen seiner Gänge erzeugt. Beim Graben hilft der Schwanz als „Blindenstock“. Die Schwanzlänge entspricht dem Tunnelradius und wird zum Abtasten der Gänge eingesetzt. Der walzenförmige Körper schiebt sich wie ein Bohrer durch die Erde. Zudem hat sein Fell keinen Strich. Deshalb kann der Maulwurf in engen Gängen auch rückwärtslaufen. 

Maulwurf steht seit 1986 unter Artenschutz

Maulwürfe halten keinen Winterschlaf. Bei uns ziehen sich die Tiere allerdings während der Wintermonate in tiefere Erdschichten zurück oder legen einen Nahrungsvorrat an. In früheren Zeiten wurden Maulwürfe wegen ihres weichen, samtigen Felles bejagt. Das spielt heute keine Rolle mehr. Aktuelle Konflikte zwischen Menschen und Maulwürfen basieren auf ihrer Grabtätigkeit. Ein junger, vitaler Maulwurf kann täglich immerhin zehn bis 20 Erdhügel produzieren. Die „Abraumhalden“ machen ihn zum unerwünschten Gartenbewohner. 

Auch manche Landwirte mögen die Tiere nicht sonderlich, erschweren die Maulwurfhügel doch die Mahd der Wiesen. Der Maulwurf genießt seit 1986 Artenschutz und darf nicht getötet werden. Eine Genehmigung zur Bekämpfung der besonders geschützten Art erteilt die Naturschutzbehör- de nur, wenn beispielsweise sein Gangsystem die Sicherheit eines Deichs gefährdet. Trotzdem suchen viele Gartenbesitzer nach Möglichkeiten, ihn zu vertreiben. Die empfindlichen Sinnesorgane des Maulwurfs mögen keine unangenehmen Gerüche, lauten Geräusche oder Erschütterungen. 

Es gilt die Devise: Je mehr, desto besser

Die empfohlenen Hausmittel sind daher zahlreich und reichen von saurer Milch über Hunde- und Katzenhaare, Essigessenz, Pflanzenjauchen aus Brennnesseln oder Wermut bis hin zu zerstoßenen Lebensbaumzweigen oder anderen terpenoidhaltigen Pflanzen. Auch der Fachhandel bietet geruchs- intensive Vergrämungsmittel an. Andere Hobbygärtner schwö-ren auf Alkohol als effektives und altbewährtes Hausmittel. Die Tiere empfinden Alkoholgeruch als so widerlich, dass sie ihre Gänge verlassen und den Garten künftig meiden. Dazu werden leere Alkoholflaschen mit der Öffnung nach unten in die Gänge gesteckt. Der Alkoholgeruch verbreitet sich rasch im Höhlensystem. 

Es gilt die Devise: Je mehr, desto besser. Je höher der Alkoholgehalt der Spirituosen, desto empfindlicher reagiert der Maulwurf auf den Geruch. Doch solche Aktionen sollten eigentlich eine seltene Ausnahme bleiben, empfiehlt Biologin Sibylle Winkel. Anliegen des Naturschutzbundes ist es, die Vorurteile gegenüber Maulwürfen aus dem Weg zu räumen. Denn der Maulwurf ernährt sich von im Boden lebenden Insektenlarven. rg

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