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Über 100 Hochsitze wurden zwischen Frankfurt und Hanau schon zerstört.

Jagd

Zersägt, abgefackelt und gesprengt: Immer mehr Anschläge auf Hochsitze - Neue Fälle beschäftigen die Polizei

  • Carolin-Christin Czichowski
    vonCarolin-Christin Czichowski
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Von Frankfurt bis Hanau werden seit Monaten Hochsitze zerstört. Eine Tierschutz-Bewegung hat sich zu den Anschlägen bekannt. Die Taten könnten dramatische Folgen haben.

  • Anschläge auf Hochsitze in Frankfurt und Umgebung halten die Jäger in Atem
  • Eine militante Bewegung hat sich zu den Anschlägen bekannt
  • Die Anschläge könnten für die Jäger dramatische Folgen haben


Update, 26. Juni 2020: Erneute Anschläge gegen Hochsitze. Unbekannte haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag am Ortsrand von Bischofsheim, in der Verlängerung der Stumpfgrabenstraße, zwei Hochsitze angesägt und dann umgestoßen. Die Tatzeit dürfte nach ersten polizeilichen Ermittlungen zwischen Donnerstag, 19 Uhr und Freitag, 4.15 Uhr, liegen. Zudem wurde mit gelber Farbe die Buchstaben "ALF" auf die zerstörten Jagdeinrichtungen gesprüht. Nun wird geprüft, ob dieses Kürzel im Zusammenhang mit einer Gruppe selbsternannter Tierschützer stehen könnte. Zur Höhe des entstandenen Sachschadens liegen derzeit noch keine Hinweise vor.

Bericht, 20. Juni 2020: „Das ist wirklich ärgerlich“, sagt Friedel Raab und deutet auf den Hochsitz im Bischofsheimer Wald – oder vielmehr auf das, was davon noch übrig geblieben ist. In der Nacht auf den 8. Juni haben Unbekannte in seinem Revier insgesamt fünf Hochsitze abgebrannt.

Zerstörte Hochsitze von Frankfurt bis Hanau

„Der Schaden beläuft sich pro Sitz auf rund 1000 Euro“, sagt der Jagdpächter. Raab ist nicht der einzige, dessen Revier von den Unbekannten heimgesucht wurde: Mehr als 100 Jagdeinrichtungen sind seit Februar in Revieren von Frankfurt bis Hanau zerstört worden.

„Kanzeln und Hochsitze wurden angesägt, umgeworfen, zerschnitten, angezündet und sogar gesprengt“, erklärt Alfred Gebelhardt, Sprecher der Hegegemeinschaft Hanau II, zu der auch Maintal gehört.

Militante Bewegung bekennt sich zu Anschlägen auf Hochsitze

Zu den Anschlägen bekannt habe sich die sogenannte„Animal Liberation Front“ (ALF), eine internationale, dezentral organisierte Gruppe der militanten Tierbefreiungsbewegung, die in den USA vomFBI als terroristische Vereinigung klassifiziert wird.

Ihr Ziel ist es, Tierversuche und Tötung von Tieren zu verhindern. „Die Gruppe hat auf den zerstörten Hochsitzen und Kanzeln ihr Logo hinterlassen“, sagt der Sprecher der Jägervereinigung.

Anschläge auf Hochsitze sorgen für Fassungslosigkeit

Für Gebelhardt, Jagdpächter Raab und Klaus Weyland, Leiter der Hegegemeinschaft, ist es das erste Mal, dass militante Tierrechtler in ihrem Gebiet wüten. Verständnis für die Täter haben sie keines.

„Jagd ist gelebter Tierschutz“, sagt Gebelhardt. „Viele verstehen nicht, dass wir die Tiere im Auftrag der Regierung schießen“, erklärt auch  Weyland. Zum Einen, um die Populationen der Wildtiere zu regulieren, und zum anderen, um die Landwirtschaft und die Wälder zu erhalten.

Anschläge auf Hochsitze: Jäger verweisen auf Engagement im Tierschutz

 „Wir machen sehr viel für den Tierschutz“, sagt der Leiter der Hegegemeinschaft. „Ich habe zum Beispiel Blühwiesen für Bienen und andere Insekten angelegt.“

Natürlich gebe es auch Jäger, die nur schießen wollten. „Aber die sind die Minderheit und schwarze Schafe gibt es überall“, so Weyland.

Anschläge auf Hochsitze haben in Frankfurt begonnen

Begonnen hat die Serie von Sachbeschädigungen im Februar im Frankfurter Stadtwald. „In Goldstein und Schwanheim wurden 42 Hochsitze zerstört. Der Sachschaden beläuft sich allein dort auf rund 40 000 Euro“, erklärt Gebelhardt.

Im Bereich der Hegegemeinschaft Hanau II seien Anfang März die ersten Jagdeinrichtungen abgebrannt oder abgesägt worden. Mittlerweile wurden in Bischofsheim fünf Hochsitze zerstört, in Wachenbuchen zwölf, in Mittelbuchen sieben und in Bergen-Enkheim zwölf.

Täter kennen keine Grenzen: Anschläge auf Hochsitze können dramatische Folgen haben

Dabei würden die unbekannten Täter keine Rücksicht auf Verluste nehmen, sagt Gebelhardt: „Gerade das Anzünden der Kanzeln kann verheerende Folgen haben.“

So seien bereits Ansitze an Waldrändern, in der Nähe von Schrebergärten und sogar an einem Naturschutzgebiet in Brand gesetzt worden. „Und das im Frühjahr, wenn sich noch kein neues Grün gebildet hat und nur trockenes Laub, dürres Gras und Äste am Boden liegen. Da kann schnell eine ganze Waldfläche in Brand geraten.“

Große Angst haben die Revierinhaber auch davor, dass auch nur Sprossen an den Hochsitzen angesägt sein könnten. „So kann ein Sturz von einer vier bis fünf Meter hohen Leiter für spielende Kinder genauso wie für Jäger tödlich sein“, sagt Gebelhardt.

Angst vor Schweinepest: Hochsitz-Anschläge erschweren die Jagd

Neben den immensen finanziellen Schäden, die durch die Anschläge entstehen, erschweren die Zerstörungen auch die Jagd: „Die Afrikanische Schweinepest steht vor der Tür. Die Frage ist nicht mehr, ob sie kommt, sondern wann sie kommt. Deshalb müssen schon jetzt die auch durch ausgefallene Winter stark gestiegenen Schwarzwildbestände reduziert werden“, so Gebelhardt.

Greife die Seuche auf Hausschweine über, würden den Viehbauern hohe Schäden entstehen. Deren Schweinebestände müssten schließlich gekeult, also in Massen getötet werden.

Anschläge auf Hochsitze: Polizei sucht nach Zeugen

Deshalb bitten die Verantwortlichen der Hegegemeinschaft Waldbesucher, die verdächtige Beobachtungen machen, diese bei der Polizei zu melden.

Dort hat Jagdpächter Raab übrigens auch Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Auf den Kosten, die durch die Sachbeschädigung und Brandstiftung entstanden sind, bleibt er dennoch sitzen. „Das zahlt leider niemand, auch keine Versicherung“, erklärt er.

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