Infos auf der Streuobstwiese: Annika Hensel vom Arbeitskreis Streuobst Maintal (rechts), die demnächst bei Landschaftspflegeverband arbeiten wird, berät am Infostand.
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Infos auf der Streuobstwiese: Annika Hensel vom Arbeitskreis Streuobst Maintal (rechts), die demnächst bei Landschaftspflegeverband arbeiten wird, berät am Infostand.

Für Kelterer und Naturliebhaber

Infostand unterm Apfelbaum: Streuobstwiesen werden künftig neu verpachtet

  • vonThomas Seifert
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Das Streuobstwiesenfest am Schützenhaus in Hochstadt musste wegen der Pandemie ausfallen. Davon ließen sich der Arbeitskreis Streuobst Maintal (ASM) und der Landschaftspflegeverband Main-Kinzig (LPV) nicht entmutigen und bauten in Bischofsheim unter einem Apfelbaum einen Infostand auf, der von vielen Streuobst- und Apfelliebhabern besucht wurde.

Maintal – „In diesem Jahr haben wir die Kartierung des mehrere hundert Hektar umfassenden Streuobstwiesengebiets von Bischofsheim und Hochstadt abgeschlossen. Dabei wurde in jeder Parzelle gesichtet, Fehlstände registriert und geschaut, wo Neupflanzungen möglich sind“, berichtete Barbara Fiselius vom LPV.

Anschließend seien alle Grundstückseigentümer angeschrieben worden und über Hilfemaßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung der Bestände informiert worden, die vom LPV mit Mitteln des Landes Hessen und unter Mithilfe des ASM umgesetzt werden.

„Das geht alles auf freiwilliger Basis. Jeder Eigentümer konnte ankreuzen, welche Hilfen er in Anspruch nehmen will, ob er weiterhin Bestandspflege betreibt oder seine Streuobstwiese an kundige Obstliebhaber verpachten will“, beschrieb Fiselius die Möglichkeiten.

Immer mehr jüngere Interessenten

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass zwar viele Bäume auf den Grundstücken dringend einer Pflegemaßnahme bedürfen, aber gerade ältere Eigentümer sich schwer damit tun, Fremde an ihre Obstbäume zu lassen. „Wir haben inzwischen viel mehr vor allem jüngere Interessenten als Eigentümer oder Erben, die bereit sind, ihre Streuobstwiese abzugeben.“

Mit der Auswertung der Rückläufer ist schon begonnen worden, im Herbst 2021 soll mit den Pflegemaßnahmen begonnen werden, so der Zeitplan. „Ich hoffe, dass sich vielleicht noch der eine oder andere Eigentümer dazu durchringen kann, sein Grundstück zu verpachten, denn auf der Warteliste stehen sehr engagierte Menschen, die dieses in Hessen einmalige Streuobstwiesengebiet unbedingt in seiner Schönheit, ökologischen Vielfalt und Einzigartigkeit von Fauna und Flora erhalten wollen“, blickt die Expertin in die Zukunft.

Neben einem breiten Angebot an Informationsmaterial über das Biotop Streuobstwiese konnten Eigentümer von Apfelbäumen auch Früchte mitbringen, von denen sie nicht genau wussten welche Sorte das nun ist.

Obstbaumbesitzer ließ Äpfel von Pomologen bestimmen

Einer der Obstbaumbesitzer war Christoph Schneider mit seiner Familie aus Hochstadt, der eine kleine Wiese bewirtschaftet, bereits neue Bäume gepflanzt hat und einen Beutel mit drei Äpfeln abgab, um deren Sorte im Anschluss an die Veranstaltung vom Pomologen Werner Nussbaum aus Schöneck bestimmen zu lassen.

Einen noch weiteren Weg hatte Reiner Bousonville – Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag – aus Erlensee auf sich genommen, um gleich zwei Sorten Äpfel bestimmen zu lassen. Er und seine Frau haben auf zwei Streuobstwiesen eine ganze Anzahl von Apfelbäumen, deren Früchte der gebürtige Hanauer unter anderem zu Apfelwein verarbeitet. „Gerade mir als Selbstkelterer liegt nicht nur aus Eigennutz der Erhalt der Streuobstwiesen am Herzen, denn sie sind ein Biotop mit großem Alleinstellungsmerkmal und prägen die heimische Landschaft“, stellte Bousonville fest.

Die Artenvielfalt einer Streuobstwiese muss man nicht besonders betonen, sie ist weitgehend bekannt. Allerdings bereitet ein um sich greifender Mistelbefall dem LPV und dem ASM Sorgen. Der Halbschmarotzer entzieht dem Baum Wasser und Nährsalze, wodurch nach und nach Äste, Kronenteile und letztlich der gesamte Baum absterben. Dagegen hilft, so Barbara Fiselius, nur eine flächendeckende Entfernung und ein regelmäßiger Schnitt der Obstbäume.

Informationen

Wie gegen Misteln vorzugehen ist, erfährt man unter anderem vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig (06059 906688) oder vom Pomologenverein Hessen sowie im Internet.

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