Mit gefälschten 500-Euro-Scheinen hat ein Trio kriminelle Geschäfte abgewickelt. Jetzt drohen zwei Männern empfindliche Haftstrafen.
+
Mit gefälschten 500-Euro-Scheinen hat ein Trio kriminelle Geschäfte abgewickelt. Jetzt drohen zwei Männern empfindliche Haftstrafen.

AUS DEM GERICHT

Nach Handel mit „Blüten“: Oberstaatsanwalt fordert Haftstrafen für Deals mit 50 000 Euro Falschgeld

  • Thorsten Becker
    vonThorsten Becker
    schließen

Vor dem Landgericht Hanau müssen sich zurzeit drei Männer verantworten. Ihnen wird vorgeworfen Falschgeld in Höhe von 50 000 Euro in Umlauf gebracht zu haben.

Maintal/Hanau –In Dörnigheim wechselt ein BMW 316i den Besitzer. Für 16 000 Euro. Das Geschäft wird bar beglichen. Käufer und Verkäufer gehen gemeinsam zur Bank, um den vereinbarten Kaufpreis einzuzahlen. Die Überwachungskamera filmt die Einzahlung in mehreren Sequenzen. Dann sind zwei erschrockene Gesichter auf dem Bild zu erkennen, denn die Maschine nimmt nur die Hälfte der 500-EuroScheine an, dann schließt sich die Klappe. Die Quittung, die nur Sekunden später ausgedruckt wird, ist eindeutig: „Falschgeld“.

Der „Käufer“ flüchtet Hals über Kopf mit einem wartenden Komplizen, dem Verkäufer bleibt zum Glück das Fahrzeug. Es ist nicht das einzige Geschäft, das ein Trio mit diesen recht seltenen „Blüten“ macht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits 2019 das Ende des 500-Euro-Scheins eingeläutet. Sie will mit der Abschaffung Drogenhandel und Geldwäsche eindämmen. Denn es sei bisher möglich gewesen, große Geldsummen leicht zu lagern und zu transportieren. Dies soll Kriminellen nun deutlich erschwert werden.

Angeklagte sollen rund 50 000 Euro Falschgeld in Umlauf gebracht haben

Der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi hatte darauf hingewiesen, dass der 500er für kriminelle Zwecke genutzt werde: „Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten.“ Obwohl Draghi den Fall aus Maintal wohl nicht kennt, dürfte er mit seiner Einschätzung recht behalten.

Denn vor der 1. Großen Strafkammer des Hanauer Landgerichts sitzen drei Männer auf der Anklagebank, die mit Falschgeld munter eingekauft haben sollen. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze wirft ihnen vor, rund 100 gefälschte 500er in Umlauf gebracht zu haben – einen Nennwert von 50 000 Euro.

Kopf der ganzen Sache soll Thomas W. (53) sein. Er hat schon im Gefängnis gesessen und dort einen Zellengenossen getroffen, der ihm ein allzu verlockendes Geschäft vorschlägt.

Der 53-jährige W. wollte sich nicht selbst die Finger schmutzig machen

Wieder in Freiheit, glaubt W. an die Rendite von 100 Prozent: Für 25 000 Euro kauft er die „Blüten“, verdoppelt also den Wert auf einen Schlag. Der 53-Jährige will sich allerdings die Finger nicht selbst schmutzig machen.

Da kommt ihm der 41 Jahre alte Michael D. gerade gelegen, der im „Fachbereich Betrügerei“ bereits über eine langjährige „Berufserfahrung“ verfügt.

Allerdings ist er nur bedingt erfolgreich. Das haben ihm in Mainz, Wuppertal, Rostock, Alzey und Aschersleben in den vergangenen zwölf Jahren die Gerichte mehrfach bescheinigt und ihn mehrfach verurteilt. Derzeit sitzt er eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten ab.

Drei mehr oder wenige deutliche Geständnisse

Der Vorteil für W.: Sein Komplize hat noch Schulden bei ihm abzustottern. Also soll der Jüngere gefälligst dafür sorgen, dass sich Falschgeld schnell in echte „Kohle“ verwandelt. So werden mehrere Goldmünzen, ein Laptop und eine BMW Isetta für 22 000 Euro „gekauft“. Mit dabei ist auch der 57-jährige Michael R. – aber nur als Randfigur.

Doch schließlich fliegen die krummen Geschäfte auf – das Landeskriminalamt schreitet ein und bereitet dem Spuk ein Ende.

Vor dem Landgericht legen alle drei mehr oder weniger deutliche Geständnisse ab und lassen keinen Zweifel daran, dass sie mit den Blüten zu echtem Geld kommen wollen, weil sie alle in argen finanziellen Nöten stecken.

Falschgeldscheine seien hervorragende Fälschungen gewesen

Doch ist das in Maintal bereits die Krake des organisierten Verbrechens? Nein. Das glaubt nicht einmal Oberstaatsanwalt Heinze, der an diesem Tag ein sehr ungewöhnliches Plädoyer hält und die Dinge ohne viel juristische Ausführungen beim Namen nennt: „Das sind kleine Ganoven, die am großen Rad drehen wollten und dabei gescheitert sind.“

Jedoch betont der Oberstaatsanwalt, dass es sich bei den eingesetzten Scheinen um „hervorragende Fälschungen“ handelt. Zu diesem Schluss kommen auch die Untersuchungen des Landeskriminalamts. Ein weiteres, schockierendes Detail: Zwar hat der Geldautomat bei dem Deal in Maintal die falschen 500-Euro-Scheine entlarvt – beim Kauf der Isetta bei Koblenz werden die Scheine jedoch problemlos von einer Bank akzeptiert.

Dass W. und D. zusammengearbeitet haben, bezeichnet Heinze als kriminell und dilettantisch zugleich. Denn die Kooperation sei ganz außergewöhnlich. Beide hätten sich auch „gegenseitig beschissen“. „Das erinnert schon an Slapstick“, kommentiert Heinze die Feststellungen aus der Beweisaufnahme.

Oberstaatsanwalt überzeugt die Anwälte der Verteidiger

Jedoch seien beide Hauptangeklagte „erfahren genug“ und hätten sich skrupellos verhalten: „Es war ihnen völlig egal, andere zu betrügen“, so der Oberstaatsanwalt mit Blick auf die ellenlangen Vorstrafenregister. Für W. fordert Heinze daher eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, D. soll für drei Jahre und zehn Monate hinter Gitter.

Zumindest die beiden Verteidiger Peter Oberländer und Hans-Joachim Scherb hat der Oberstaatsanwalt überzeugt. Beide nennen das Plädoyer der Anklage „hervorragend“ und bitten lediglich um geringfügig mildere Strafen. Timo Wild, der Anwalt von R., muss gar nicht plädieren. Gegen seinen Mandanten wird das Verfahren wegen geringer Schuld und einer Geldauflage von 2500 Euro vorläufig eingestellt.

Die Strafkammer hat den Termin für die Urteilsverkündung auf Montag, 30. November, anberaumt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema