Der Pfingstweidenhof der Familie Thomas Bauer in Ostheim: Der Landwirt und Lohnunternehmer plant offenbar, auf einem seiner Äcker (Bildvordergrund) auf einer Fläche von zehn Hektar Erde aufzuschütten, die er gegen Bezahlung von Baustellen abtransportiert. Aufgrund der zu erwartenden Verkehrsbelastung gibt es in Ostheim Widerstand gegen das Projekt.
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Der Pfingstweidenhof der Familie Thomas Bauer in Ostheim: Der Landwirt und Lohnunternehmer plant offenbar, auf einem seiner Äcker (Bildvordergrund) auf einer Fläche von zehn Hektar Erde aufzuschütten, die er gegen Bezahlung von Baustellen abtransportiert. Aufgrund der zu erwartenden Verkehrsbelastung gibt es in Ostheim Widerstand gegen das Projekt.

Stadtentwicklung

Erddeponie wohl schon länger geplant: Landwirte berichten von Gespräch Mitte August mit Details zu Projekt

  • Jan-Otto Weber
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Im Streit um eine „Erddeponie“, die möglicherweise auf einem Acker von Landwirt Thomas Bauer in Ostheim entstehen könnte, meldet sich nun auch Ortslandwirt Wolfgang Kester zu Wort, gemeinsam mit dem ebenfalls involvierten Landwirt und SPD-Politiker Klaus Mehrling.

Nidderau – In dem Artikel vom 15. September 2020 gebe es einige Aussagen, die sie stutzig machen würden, so Kester und Mehrling am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. So hätten ortsansässige Landwirte Herrn Bauer bereits in der Vorstandssitzung der Jagdgenossenschaft Ostheim am 10. August auf Pläne zu einer Erddeponie angesprochen.

„Herr Bauer hat damals versucht, Bedenken zu zerstreuen, dass Erdtransporte durch die Ortslage von Ostheim stattfinden würden“, berichten Kester und Mehrling. „Er erklärte sogar, er wolle eine extra Zufahrt von der Straße nach Marköbel her auf den Acker bauen. Das kann auch ein weiterer Landwirt bestätigen. Jedenfalls ist es nicht so, dass die Familie Bauer erst durch die Pressemitteilung von Herrn Mehrling und SPD-Bürgermeisterkandidat Andreas Bär auf die Idee mit der Deponie gekommen ist, wie sie in dem Artikel behauptet.“

Nidderau: CDU stehe nicht im Verdacht Wahlkampf für die SPD zu machen

Kester stellt klar, dass er als CDU-Mitglied sicher nicht in Verdacht stehe, für die SPD Wahlkampf zu machen. „Es geht darum, wie es bei uns in Ostheim in zehn Jahren aussieht.“ Denn er könne sich nicht vorstellen, dass das Regierungspräsidium eine Anfahrt von Erdtransporten über Bruchköbel und Hammersbach genehmige, wo Nidderau doch über eine Umgehungsstraße mit eigener Abfahrt verfüge. „Am Ende fahren die Lkw dann vielleicht doch durch Ostheim“, so seine Befürchtung.

Die SPD-Politiker Mehrling und Bär hatten letzte Woche eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie die angeblichen Pläne für eine „Erddeponie“ publik machten. Die Rede war von 100 000 Lkw-Ladungen, also 200 000 Fahrten, durch die enge Ortslage von Ostheim. In der Mitteilung war sogar von „Schwerlasttransportern“ die Rede.

Bär hat bereits eine Online-Petition gegen die Deponie ins Leben gerufen. „Die Entscheidung über die Einrichtung liegt nämlich nicht bei der Stadt und den politischen Gremien, sondern beim Regierungspräsidium Darmstadt“, erklärten Bär und Mehrling per Mitteilung. „Die Stadt wird nur angehört, darf aber nicht mitentscheiden. Wir bitten daher die Bürgerschaft und die politischen Mitstreiter, sich unserem Anliegen anzuschließen und deutlich zu machen, dass wir keine solche Deponie in Ostheim wollen.“

Bauer kritisiert das Vorgehen des Nidderauer SPD-Kandidaten

Der angesprochene Landwirt und Lohnunternehmer Thomas Bauer, der mit vier eigenen Lkw selbst Erdtransporte in der Region fährt, hatte am Montag gegenüber unserer Zeitung behauptet, erst durch die Pressemitteilung auf die Idee für eine Deponie gebracht worden zu sein. Für die Familie handelt es sich um eine reine Neiddebatte von Berufskollegen, die von SPD-Kandidat Bär zu Wahlkampfzwecken missbraucht werde. „Es ist eine Frechheit, so etwas bei Facebook zu veröffentlichen, ohne mit uns zu sprechen“, kritisierte Sohn Christian Bauer. „Herr Bär hätte ja mal fragen können, bevor er sich so vor den Karren spannen lässt.“

Nach Aussage von Ortslandwirt Kester, sei der Verdacht auf eine Erddeponie durch Vermessungsarbeiten auf dem Acker aufgekommen. „Ungewöhnlich war, dass die Vermessung noch im stehenden Getreide durchgeführt wurde und man nicht die Ernte abgewartet hat“, erläutert Kester. „Wie aus einem Gespräch eines Passanten mit den Vermessern hervorging, wurde der topografische Ist-Zustand der Fläche erfasst, was für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung unnötig ist, zumal Herr Bauer den Acker bereits seit Jahren gepachtet hat und bestens kennt.“

Kester äußert Bedenken am Standort der Nidderauer Erddeponie

Kester hält den Standort für eine Erddeponie auch deshalb für ungeeignet, weil die Fläche im Anbauplan für die Auslastung der nahen Biogasanlage vorgesehen ist, die von Thomas Bauer betrieben wird. Er selbst sei seinerzeit an der Einrichtung der Biogasanlage beteiligt gewesen, später aber ausgestiegen, so Kester. Wenn die Fläche nun wegfalle - zumindest während der Phase der Erdanfuhr - müssten woanders zehn Hektar für den Anbau von Mais oder anderen Kulturen für die Anlage genutzt werden. Dies erfordere weitere Transportwege.

„Es ist ja schön, wenn Herr Bauer versucht, Ortsdurchfahrten mit seinen Lkw zu vermeiden“, so Kester und Mehrling. „Es kann aber auch nicht sein, dass er mit seinen Lkw stattdessen Feldwege als Umgehungsstraßen nutzt. Die sind für diesen Verkehr nicht ausgelegt. Alles in allem ist das Konzept einer Erddeponie an diesem Standort abzulehnen.“

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