Umweltbeauftragter Constantin Faatz und Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne, rechts) planen nicht nur eine Umgehungsrinne des Wehrs für Fische, sondern wollen auch das Ufer am „Wärtchen“ in Windecken so gestalten, dass es für die Bürger zugänglich wird.
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Umweltbeauftragter Constantin Faatz und Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne, rechts) planen nicht nur eine Umgehungsrinne des Wehrs für Fische, sondern wollen auch das Ufer am „Wärtchen“ in Windecken so gestalten, dass es für die Bürger zugänglich wird.

Ende für die Nidder-Sackgasse

Renaturierung des Nidderwehrs Windecken soll Barrieren für Fische und Menschen abbauen

Nidderau – Die Nidder mäandert auf einer Länge von rund 13 Kilometern durch die Felder von Eichen, Ostheim, Heldenbergen und Windecken. Zu ihren Zuflüssen in der Nidderauer Gemarkung gehören der Lohmühlgraben, Krebs- und Katzbach.

In einigen Abschnitten wurde die Nidder wie in Windecken und Büdesheim zu Wehren aufgestaut. Der Fluss wurde zu Mühlenstandorten hin verlegt. Zwar ist das Mühlrecht in Windecken schon lange erloschen, das Streichwehr gibt es aber immer noch.

Die Wehre hatten unter anderem Folgen für den Transport von Schiebesedimenten wie Kies und Sand im Fluss. Kies benötigt der Fluss zur Selbstreinigung. Sand ist in bestimmten Zonen wichtig für die Entwicklung von Fischarten wie Nasen und Barben, erklären Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) und Umweltbeauftragter Constantin Faatz.

Beide Sedimente bieten vielen Pflanzen, Insekten, Tieren und Fischen am und im Fluss einen Lebensraum. Inzwischen hat das Land Hessen das vermutlich mindestens seit dem 12. Jahrhundert bestehende Nidderwehr in Windecken offiziell als Fischaufstiegshindernis klassifiziert. Gemäß dem Hessischen Wassergesetz soll die Nidder diesbezüglich renaturiert werden, worüber an diesem Donnerstag der Umweltausschuss berät.

„Darauf haben die Angler seit 1987 gewartet“, sagt Vogel. In der Nidder kommen Aal, Bachforelle, Barbe, Barsch, Brasse, Döbel, Esche, Güster, Hecht, Nase, Schleie, Rotauge und Zander vor. Vogel berichtet, dass das Streichwehr in Windecken zurückgebaut wird, damit die Fische hier ungehindert durchgelangen können. Der Erste Stadtrat skizziert den Ist-Zustand: „Bei ausreichender Lockströmung erfolgt der Fischaufstieg am Zusammenfluss zwischen Nidder und Mühlgraben über den Mühlgraben. Dies ist vor allem im Sommer der Fall. Rund 70 Prozent des Abflusses gelangen in den Mühlgraben, der Rest in den Hauptlauf der Nidder.“

Im Winter, bei höheren Wasserständen, gebe es diese deutliche Lockströmung nicht. Dadurch blieben viele Fische im Hauptlauf der Nidder und sammelten sich vor dem Wehr in Windecken. „Die Fische befinden sich dann in einer Sackgasse und können nicht weiter flussaufwärts zu ihren Laichgründen schwimmen“, erläutert der Umweltdezernent.

Der Stadt Nidderau lagen für den Umbau fünf vom Wasserverband Nidder-Seemenbach vorgeschlagene Varianten vor, erläutert Vogel. Entschieden hat sich das Stadtparlament für eine von zwei Varianten (Variante 4b), welche die Errichtung einer mit Nidderwasser gespeisten Umgehungsrinne vorsieht. Diese verläuft rund zehn Meter unterhalb des Wehres und bindet den Mühlgraben mit ein. Dadurch können Fische wie Eschen und Barben künftig vor dem Streichwehr in die Umgehungsrinne abbiegen und dann flussaufwärts weiter wandern.

Naturnahe Gestaltung: Wiesen erstrecken sich an den Ufern der Nidder und des Mühlgrabens.

Realisiert wurde das Umgehungsrinnensystem bereits an der Wetter bei Friedberg-Bruchenbrücken, erklärt der städtische Umweltbeauftragte Constantin Faatz. Die Sanierung des Wehrs habe auch Vorteile für die Naherholung. Die Aufenthaltsqualität am Fluss werde steigen, hoffen die Planer. Dafür sind Zugänge zur Nidder an der Halbinsel „Das Wärtchen“ mit abgeflachten Uferbereichen vorgesehen. Noch verhindert ein Zaun den Zugang zum steilen Ufer.

Steinblöcke sollen künftig Sitzgelegenheiten bieten. Ein Auenrundweg soll angelegt werden. Die geschätzten Kosten für Wehrumbau, Renaturierung und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität belaufen sich auf 400 000 bis 500 000 Euro. Bisher gebe es eine Förderzusage von mindestens 85 Prozent der Kosten aus Mitteln der EU-Wasserrahmenrichtlinie, so Vogel. Die Stadt Nidderau müsste 15 Prozent aus Eigenmitteln zusteuern.

„Wir streben eine 100-prozentige Förderung an“, erläutert der Stadtrat, der auch für Nidderaus Finanzen verantwortlich ist. Anstoß für das Projekt gibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die vorsieht, dass durch ein Maßnahmenprogramm und Bewirtschaftungspläne bis 2027 alle europäischen Oberflächengewässer einen „guten Zustand“ aufweisen sollen.

Bei der Gewässerschau im vergangenen Winter sei ein Konzept zur Bewirtschaftung der Nidder in der Nidderauer Gemarkung mit den zuständigen Behörden, Verbänden und Vereinen abgestimmt worden. Totholz, Buhnen (Dämme) und weitere Bäume zur Beschattung sollen zukünftig den Lauf der Nidder positiv beeinflussen und eine natürliche Entwicklung unterstützen.

Von Christine Fauerbach

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