Die Niddertalbahn, im Volksmund „Stockheimer Lieschen“ genannt, verkehrt zwischen Glauburg und Bad Vilbel. Anrainerkommunen sind unter anderem Nidderau, Schöneck und Niederdorfelden. Bis 2027 soll die Strecke für 100 Millionen Euro elektrifiziert und mit zweigleisigen Ausweichpunkten versehen werden.
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Die Niddertalbahn, im Volksmund „Stockheimer Lieschen“ genannt, verkehrt zwischen Glauburg und Bad Vilbel. Anrainerkommunen sind unter anderem Nidderau, Schöneck und Niederdorfelden. Bis 2027 soll die Strecke für 100 Millionen Euro elektrifiziert und mit zweigleisigen Ausweichpunkten versehen werden.

Stockheimer Lieschen

Startschuss für Ausbau der Niddertalbahn: Elektrifizierung kostet 100 Millionen Euro

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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Die Niddertalbahn verkehrt zwischen Glauburg und Bad Vilbel soll ausgebaut werden. Bis 2027 soll die Strecke für 100 Millionen Euro elektrifiziert und mit zweigleisigen Ausweichpunkten versehen werden.

Nidderau/Schöneck/Niederdorfelden – Die Zukunft der Niddertalbahn ist elektrisch und abschnittsweise zweigleisig dies war die Quintessenz einer Resolution, die vor genau einem Jahr von Vertretern des Wetteraukreises, des Main-Kinzig-Kreises, der Kommunen Bad Vilbel, Niederdorfelden, Schöneck, Nidderau, Altenstadt und Glauburg, des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) und der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Main-Kinzig verabschiedet wurde. Vorangegangen war eine Machbarkeitsstudie des RMV zum Ausbau des „Stockheimer Lieschens“, auf die die Anrainerkommunen lange gewartet hatten.

Vertrag zwischen Deutscher Bahn und Land Hessen ist unterschriftsreif

Nun endlich – ein weiteres Jahr später – überbrachte Anke Münker-Tiedge, Referatsleiterin des Hessischen Verkehrsministeriums, die gute Botschaft: Die Deutsche Bahn hat einen Planungsvertrag für die Elektrifizierung der Strecke beim Ministerium eingereicht, gemeinsam wurden Planungsphasen samt dazugehörigen Kostenschätzungen so weit abgestimmt, dass die endgültige Planungsvereinbarung zwischen der DB und dem Land Hessen die Unterschriftsreife erreicht hat.

„Unterzeichnet ist der Vertrag noch nicht, aber so gut wie“, betonte die Vertreterin des Ministeriums bei einem Treffen aller Beteiligten vor wenigen Tagen in der Nidderauer Willi-Salzmann-Halle.

Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal (AGNV) ist guter Dinge, dass es nach all den Jahren nun zügig mit der Modernisierung des „Stockheimer Lieschens“ vorangeht. „Alle arbeiten mit Hochdruck daran, dass bis Mitte 2021 der konkrete Zeitplan steht und die Ausschreibung der Arbeiten beginnen kann“, so Vogel am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung.

Ausbau der Strecke soll 2027 beendet sein

Ein reibungsloses Verfahren ist auch nötig, damit das große Ziel gehalten werden kann, den Ausbau der Strecke bis zum Start des neuen Verkehrsvertrags im Jahr 2027 abzuschließen. „Es können nur alle gewinnen, wenn die Niddertalbahn elektrifiziert und modernisiert wird“, so Vogel.

„Der Pkw gestützte Individualverkehr führt in den umliegenden Kommunen Richtung Frankfurt regelmäßig zum Verkehrskollaps und belastet durch die Abgase zusätzlich die Atemluft. Die Modernisierung der Niddertalbahn kann die Verkehrsprobleme im Nordosten des Rhein-Main-Gebietes deu tlich entschärfen und ist ein wichtiger Baustein für mehr Klimaschutz und Lebensqualität im unteren und mittleren Niddertal.“

Bund will Geld für Elektrifizierung zur Verfügung stellen

Dies bestätigte am Donnerstag auch Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in einer Mitteilung. „Derzeit ist jeder dritte der knapp 2600 Schienenkilometer in Hessen ohne Oberleitung. Die Strecken sind zum weit überwiegenden Teil im Besitz der Deutschen Bahn; der Bund hat angekündigt, künftig mehr Geld für die Elektrifizierung zur Verfügung zu stellen“, so Al-Wazir. Die Niddertalbahn sei neben anderen Projekten bereits zur Förderung beim Bund angemeldet.

„Das Land wird diese Vorhaben unter Einbeziehung der entsprechenden Bundesprogramme begleiten und nach Kräften unterstützen – überall wo erforderlich, auch finanziell“, versicherte der Verkehrsminister. „Eine zukunftsfähige Mobilität bedarf einer modernen Schieneninfrastruktur.“

Umbau kostet rund 100 Millionen Euro

An der Finanzierung des Umbaus, dessen Kosten derzeit auf rund 100 Millionen Euro geschätzt werden, soll sich der Bund unter anderem über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) beteiligen. Auch der Leiter der Mobilitätsplanung des RMV, Thomas Busch, begrüßte beim Treffen in Windecken den positiven Schritt, der durch die neuen Förderprogramme und Gesetze auf Bundesebene mit dem Ziel unterstützt wird, Projekte auf Schienenstrecken zu beschleunigen. Die Kommunen könnten zukünftig das Projekt umfangreich bewerben und die Informationen zeitnah weiter transportieren, um das Verfahren entsprechend transparent zu gestalten.

„Es ist klar, dass es während der Bauphase nicht immer nur Freunde des Ausbaus geben wird. Hier ist die Öffentlichkeitsarbeit der Kommunen gefragt“, erläuterte Vogel am Donnerstag auf Nachfrage. Die genaue Kostenbeteiligung der Kommunen werde noch geklärt.

Niddertalbahn: Reparaturen künftig schneller

Was die kurzfristigen Maßnahmen betreffe, um die Attraktivität der Niddertalbahn zu steigern, berichtete Vogel, dass der RMV nach eigenen Angaben seine Werkstattkapazitäten erhöht habe und Reparaturen und Wartungen an den anfälligen Triebwagen nun zügiger durchgeführt werden könnten. Zudem würden Gespräche mit Schulämtern geführt, um die Taktung der noch wenig genutzten „Verstärkerzüge“ in den Stoßzeiten besser auf die Stundenpläne der Schulen abzustimmen.

Insgesamt zeigte sich Nidderaus Verkehrsdezernent Vogel zuversichtlich: „Die Hoffnung ist bei allen Beteiligten groß, durch die positiven Rahmenbedingungen das gesetzte Ziel, die Modernisierung der Niddertalbahn bis zum Jahr 2027, zu erreichen.“

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