Sitz des neuen Vergabezentrums: das Rathaus in Bad Vilbel.
+
Sitz des neuen Vergabezentrums: das Rathaus in Bad Vilbel.

Interkommunales Vergabezentrum

Vier Kommunen bündeln Expertenwissen

  • Mirjam Fritzsche
    vonMirjam Fritzsche
    schließen

Die Stadtverordnetenversammlungen in Bad Vilbel, Nidderau und Friedberg sowie die Gemeindevertretung in Schöneck haben zugestimmt und damit den Weg für ein interkommunales Vergabezentrum frei gemacht. Nach den jüngsten Beschlüssen soll dies nun gegründet werden. Das gemeinsame Vergabezentrum soll Prozesse optimieren und Kosten für externe Kräfte für Auftragsvergaben einsparen. Sitz des gemeinsamen Vergabezentrums wird die Stadtverwaltung Bad Vilbel.

Schöneck/Nidderau – Die Bürgermeister der Kommunen begrüßen die Beschlüsse der kommunalen Vertretungen und blicken optimistisch auf die künftige interkommunale Zusammenarbeit. Dr. Thomas Stöhr für Bad Vilbel, Marion Götz, Erste Stadträtin von Friedberg, Gerhard Schultheiß für Nidderau und Cornelia Rück für Schöneck berichten über konstruktive Gespräche im Vorfeld. „Die Hauptamtsleitungen haben auf der Verwaltungsebene dieses Projekt sehr gut vorbereitet und ausgearbeitet. Muster für das gemeinsame Vorgehen ist das Kommunale Vergabezentrum im Kreis Groß-Gerau, ein landesweites Modellprojekt, dessen rechtliche und organisatorische Grundlagen von Friedbergs Erster Stadträtin in das Projekt eingebracht wurden. In Zukunft werden alle Vergabeverfahren ab einem Auftragswert von 10 000 Euro zentral im Vergabezentrum durchgeführt“, erklären die Rathauschefs gemeinsam.

Mindestlaufzeit fünf Jahre

Da Vergabeverfahren einer gewissen Komplexität unterliegen und Beschaffungspro-zesse einer hohen Qualität folgen sollen, ist die Zusammenarbeit auf mindestens fünf Jahre angelegt. „Es ist wichtig, hier von Anfang an eine Kontinuität zu erlangen. Daher sind fünf Jahre ein Mindestmaß an Zusammenarbeit. Wir sind jedoch sehr sicher, dass wir das gemeinsame Vergabezentrum auf Dauer einrichten werden“, führen die Bürgermeister sowie Friedbergs Erste Stadträtin weiter aus. Ein positiver Nebeneffekt dieser Mindestlaufzeit ist die Tatsache, dass ab dieser Laufzeit auch die Voraussetzung zum Erhalt von Fördermitteln des Landes Hessens erfüllt ist.

Die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb des interkommunalen Vergabezentrums werden auf die Kommunen aufgeteilt, so sollen anfallende Kosten durch einen Finanzierungsschlüssel umgelegt werden. Dieser setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Es gibt einen Sockelbeitrag für alle beteiligten Kommunen sowie einen aufwandsbezogenen Beitrag, der sich nach der Einwohnerzahl richtet.

Wie Bad Vilbels Hauptamtsleiterin Petra Steinhuber-Honus berichtet, wird es am Standort des Vergabezentrums in der Stadtverwaltung Bad Vilbel eine personelle Aufstockung geben. „Wir werden eine zusätzliche Halbtagsstelle ausschreiben, um unser Team im Fachdienst Recht, Vergabe und Beschaffung zu verstärken“, so Steinhuber-Honus.

Potenzial als Dienstleister

Auch in Schöneck blickt man der neuen Kooperation freudig entgegen. „Wir hoffen, dass es so schnell wie möglich losgeht. Der Start ist in der zweiten Jahreshälfte geplant“, sagt Schönecks Hauptamtsleiter Alexander Jung auf HA-Nachfrage. Neben einer Kostenersparnis sieht er den Vorteil auch darin, dass es dann Fachleute vor Ort gibt, bei denen er kurzfristig Auskunft erhalten kann. Bisher habe man Anwaltskanzleien für eine Beratung hinzugezogen mit entsprechend hohen Gebühren. Das Vergaberecht sei „knifflig“, es müsse auf sehr viele Details geachtet werden, damit keine Fehler unterlaufen. „Entschädigungszahlungen wollen wir natürlich vermeiden“, sagt der Schönecker Hauptamtsleiter.

Ein aktuelles Beispiel, bei dem das Vergabezentrum eine große Hilfe sein wird, sind die Ausschreibungen für die Sanierung der gemeinsamen Kläranlage von Schöneck und Niederdorfelden. „Das Gesamtprojekt hat schließlich ein Volumen von mehr als zwölf Millionen Euro“, so Jung. Die Gewerke müssten einzeln vergeben werden, dafür seien Leistungsverzeichnisse zu erstellen. Für die Zukunft sieht Jung noch mehr Potenzial: „Wenn sich das Vergabezentrum etabliert hat, kann es als Dienstleister auch von anderen Kommunen beauftragt werden.“

(Mirjam Fritzsche)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema