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Bekommen vorerst kein Stadtderby: Hornets-Quarterback Richard Nelson (Mitte), dem hier Tim Marburger (links) und Marcel Pfannkuchen (rechts) eine Lücke schaffen.

Premiere ausgefallen

Corona stoppt das erste Stadtderby: Hornets und Ravens standen sich noch nie gegenüber

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Eigentlich hätte Football-Geschichte geschrieben werden sollen. Dann hätten Hunderte Zuschauer auf dem Sportplatz des TSV Klein-Auheim dem Saisonstart entgegengefiebert. Eigentlich hätten sich zum ersten Mal überhaupt Hanaus Football-Schwergewicht und Hanaus Football-Neuling gegenübergestanden.

Doch Corona hat dem Duell zwischen den Hornets und den Ravens einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach dem Abstieg aus der Oberliga wären die Hornets, die 1999 als Nachfolgeverein aus dem Ex-Bundesligaklub Hanau Hawks hervorgingen, zum Start der Landesligasaison bei den erst 2014 gegründeten Ravens zu Gast gewesen. „800 bis 1000 Zuschauer wären für mich realistisch“, meinte Hornissen-Pressesprecher Achim Korn. Peter Weisheit wäre da nicht so optimistisch gewesen. 

Der Ravens-Vorsitzende hätte mit 300 Zuschauern gerechnet. „Normalerweise haben wir 100 bis 150 bei unseren Spielen. Da aber Rodgau und andere Teams unserer Liga spielfrei gewesen wären, hätten es diesmal doppelt so viele sein können.“ An ein Spiel vor solch einer Kulisse ist derzeit nicht zu denken. Die Saison ist vorerst ausgesetzt. Beim American Football Verband Hessen gibt es Überlegungen, ab September eine verkürzte Saison ohne Zuschauer zu spielen. „Ich kann mir ja vieles vorstellen, aber keine Geisterspiele“, macht Korn deutlich. „Wir haben pro Spiel Schiedsrichterkosten von 500 bis 600 Euro. Das rein zu bekommen wäre nicht gewährleistet.“

Spieler der Ravens halten sich individuell fit - Korn plädiert für Saison-Ende

Korn plädiert dafür, die Saison abzusagen. „Sinn und Zweck unseres Vereins ist es zu spielen. Deswegen wären wir dabei“, meint hingegen Weisheit. Er verweist aber auch auf die Kosten für Schiedsrichter und Auswärtsfahrten. „Wir sind zwar nicht reich, aber eine verkürzte Saison kriegen wir hin.“ Man rüstet sich für einen möglichen Saisonstart. „Wir fangen wieder mit dem Training an. In Fünfergruppen und streng nach den Richtlinien des hessischen Football-Verbandes“, verkündet Weisheit, dass auf dem Sportplatz in Hainstadt wieder geschwitzt wird. 

Bekommt die Gegner vom Leib gehalten: Ravens-Quarterback Cedric Dorsey (Nummer eins) hätte zum Saisonstart mit seinem Team den Oberliga-Absteiger und Stadtrivalen Hanau Hornets herausgefordert.

Die Spieler der Ravens halten sich derzeit individuell fit. Weisheit verfolgt das in den sozialen Medien, „wo die Jungs posten, wie sie Liegestütze oder Stabilisationsübungen machen“. 45 Spieler umfasst der Kader der Ravens. „Die Jungs scharren mit den Hufen!“ Etwas professioneller geht es bei den Hornets in der Corona-Pause vonstatten. Das Trainerteam um den neuen Chefcoach Rick Holland hat Trainingspläne für die Spieler ausgearbeitet. „Sie filmen sich dabei und laden die Videosequenzen im Internet auf eine Plattform. Die Trainer korrigieren sie dann und alle profitieren davon“, erzählt Korn. 60 Hornissen wollten in der Saison auf die Jagd nach dem Ei gehen. „Durch den Abstieg haben wir natürlich erfahrene Spieler verloren, aber durch die Arbeit von Rick Holland und den anderen Trainern haben wir einen riesigen Teamgeist.“ 

Viele Rookies bei den Hornets

Dreiviertel des Hornets-Kaders sind Rookies. Wenn gespielt wird, also mit einem sehr jungen Team. Vorerst können sie sich aber nur online duellieren. Madden NFL und Fantasy Football sind laut Korn bei den Spielern sehr beliebt. Für das Team von Ernest L. Dorsey, der seit der Vereinsgründung Ravens-Headcoach ist, „wäre das Stadtderby ein Wahnsinnsereignis gewesen“, so Weisheit. „Auf dem Sportplatz war das letzte Mal vielleicht bei einem Mainpokal vor 20 Jahren so viel los“, sagt der Vorsitzende mit einem Schmunzeln und trauert dem Highlight gleichzeitig hinterher. Ob am Ende Ravens-Quarterback und Trainersohn Ced-ric Dorsey zum Helden des Stadtderbys geworden wäre oder doch eher sein Pendant auf Hornets-Seite, der routinierte Ex-Headcoach Richard Nelson, blieb aufgrund der Corona-Pandemie vorerst unbeantwortet.

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