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Corona bremst sie nicht aus: Medizinstudentin Isabel Taeuber hat kürzlich ein Praktikum bei einem Kinderarzt absolviert, bei der Doktorarbeit liegt sie in den Endzügen und das Lernen für das Staatsexamen steht kurz bevor. Im Hassia-Trikot ruderte sie einst zu deutschen Meistertiteln.

Karriere nach dem Rudersport 

Doktorarbeit statt Ruder-WM: Isabel Taeuber steht kurz vor ihrem Staatsexamen

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Nach dem Ende der Leistungssportkarriere hat sich im Leben von Isabel Taeuber viel verändert. Statt auf dem Main Kilometer im Boot abzuspulen, hat sie in den vergangenen Monaten am Laptop gesessen und seitenweise Berichte geschrieben.

Doktorarbeit statt Ruder-Weltmeisterschaft heißt es für die 25-Jährige, die dem RC Hassia Hanau weiter die Treue hält. Nachdem sich der Hassia-Achter nach der Saison 2018 aus der Ruder-Bundesliga zurückzog, hat Isabel Taueber ihr Trainingspensum deutlich reduziert.

Vorher Zwölf Trainingseinheiten in der Woche

Schrubbte sie zu ihren Hochzeiten, als sie an U19- und U23-Weltmeisterschaften teilnahm, noch Sechs-Tage-Wochen mit täglich zwei Einheiten, tauchte sie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nur noch zweimal in der Woche zum Training am Vereinsgelände der Hassia auf.

„Einen Teil des Bundesliga-Achters gibt es noch als Trainingsgruppe“, erzählt die Medizinstudentin. „Zusammen macht Sport eben mehr Spaß als alleine.“ Seit März durfte die Gruppe, zu der auch Charlotte Meinen, Svenja Schomburg, Lena Seuffert, Lydia Fischer, Allegra Gärtner, Annika Jacobs, Kerstin Büttner und Maximiliane Horz zählen, nicht mehr auf das Wasser.

Gemeinsamer Sport nur noch über Skype

Aber auch in den vergangenen Wochen trainierten die Frauen gemeinsam. Jeden Dienstag- und Freitagabend machen sie zusammen Sport über Skype. „Wir haben alle Erfahrung, Training zu geben. So bereitet reihum immer eine andere die Trainingsstunde vor: Rumpfkrafttraining, Ausdauer, hüpfen, Yoga“, erzählt Isabel Taeuber. Dass zuletzt nur online trainiert werden konnte, hatte auch einen Vorteil: „Claudia Henrich hat wieder mit uns trainiert. Sie wohnt inzwischen in Limburg und kann daher nicht mehr ins Training kommen, aber über Skype kann sie mitmachen.“

Viermal hat die Dreieicherin in ihrer Karriere an U19- oder U23-Weltmeisterschaften teilgenommen, wurde dabei zweimal Vierte. „Alles hat seine Zeit“, sagt Isabel Taeuber. Die des Hochleistungssports ist vorüber. „Ich bin froh, dass ich die Erfahrung gemacht habe, würde es jederzeit wieder machen“, meint sie und freut sich darüber, „mehr Zeit für soziale Kontakte“ zu haben. Rudern wäre jetzt gar nicht mehr in ihren Studienalltag einzubauen. „Der Schwerpunkt liegt jetzt auf der beruflichen Ausbildung und mehr auf dem Sozialleben. Das ist total klasse so.“

Doktorarbeit hat für Taeuber oberste Priorität

Heute steht für die Main-Kinzig-Sportlerin des Jahres 2015 die Doktorarbeit im Vordergrund. Dabei geht es um Tranexamsäure. „Das ist ein Medikament, das den Blutverlust verringern soll, wenn jemand stark blutet“, erklärt Isabel Taeuber, die bei ihrer Doktorarbeit in der Anästhesie in der Uniklinik Frankfurt „toll betreut“ wird.

Die Corona-Pandemie hat sie nicht eingeschränkt. „Ich konnte die letzten Wochen im Homeoffice an meiner Doktorarbeit schreiben.“ Und auch beim Lernen für das im Oktober anstehende Staatsexamen wird sie Corona nicht einschränken. In den nächsten Tagen will Isabel Taeuber mit dem Lernen beginnen. Mit ihrer Doktorarbeit ist sie auf der Zielgeraden. Isabel Taeuber hofft, dass sie bald publiziert wird.

Taeuber hat sich als Helferin in der Corona-Krise angeboten

Gerne hätte sie ihre medizinischen Fähigkeiten auch in der Corona-Krise eingebracht. „Zurzeit besteht an der Uniklinik Frankfurt die Möglichkeit, über ein freiwilliges Wahlfach zu helfen und darüber bestimmte Praktika schon anerkannt zu bekommen, die eigentlich nach den Vorlesungen im Sommer stattgefunden hätten“, erklärt Isabel Taeuber, die in Frankfurt lebt.

„Es werden aber nicht alle Studierenden, die sich gemeldet haben, gebraucht. Hier scheint die Situation in den Frankfurter Kliniken weniger angespannt zu sein“, meint die 25-Jährige. Da sie selbst diese Praktika nicht mehr braucht und nach einem zweiwöchigen Praktikum in einer Kinderarztpraxis in Bad Homburg, das sie gerade beendet hat, scheinfrei ist, werden andere Studenten bevorzugt als freiwillige Krisenhelfer abgerufen.

"Gefühl, im Boot zu fliegen"

Mit Doktorarbeit und Staatsexamen befindet sich Isabel Tauber in den nächsten großen Lebensabschnitten auf der Zielgerade. Und im Schlussspurt kennt sie sich bestens aus. Denn wenn sie an ihre Ruder-Karriere denkt, fallen ihr nicht etwa die zahlreichen deutschen Jugendmeisterschaften oder die WM-Teilnahmen ein.

„Rückblickend in Erinnerung bleibt mir weniger der Erfolg, sondern wie man selber in Situationen funktioniert hat. Die Rennen, in denen ich über die Grenze hinausgegangen bin, bewerte ich in meiner Erinnerung stärker als das reine Ergebnis. Das Gefühl, das man im Boot fliegen kann, im Tunnel ist und an und über seine Grenzen gehen kann.“

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