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Kontaktlos und mit Abstand: Ab Montag dürfen die Mitglieder des 1. BV Maintal um Mariia Rud (links) wieder ins Vereinstraining einsteigen, denn die Hallen sind wieder geöffnet. Vollkörperkontaktsportarten müssen abwägen, ob Aufwand und Nutzen im Verhältnis stehen.

Rückkehr mit einem großen Aber

Hallensportler im Kreis dürfen ab Montag mit zahlreichen Auflagen trainieren

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Ein Satz aus der Pressemitteilung des Main-Kinzig-Kreises fasst die Aufgabe für die Vereine, die ab Montag wieder Sport in der Halle ausüben wollen, gut zusammen: „Jedoch unter einer ganzen Reihe von Auflagen“.

Die Klubs oder Abteilungen, die einer kontaktlosen Sportart nachgehen, sind klar im Vorteil. Die Maßnahmen erlauben nämlich ein fast normales Tischtennisspiel im Eins-gegen-Eins. Die Vollkörperkontaktsportler sind aber immer noch sehr weit von einem fast normalen Training entfernt und müssen abwägen, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt – zumal es nicht abzusehen ist, wann wieder ein Wettbewerb möglich ist. Für was sollten also Handballer ab Montag Passübungen machen? Hinzu kommt, dass die Erstellung und Umsetzung eines Hygienekonzepts viel Arbeit und große Verantwortung für die zumeist ehrenamtlichen Vorstände mit sich bringt. 

Die Unterschiede zwischen den Sportarten werden am exemplarischen Beispiel der TG Langenselbold (Tischtennis), 1. BV Maintal (Badminton) und HSG Hanau (Handball) deutlich. Die wichtigsten und mittlerweile bekanntesten Regelungen sind, einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander zu halten – daraus resultiert auch das Gebot des kontaktfreien Trainings – Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen regelmäßig während des Trainings anzuwenden und außerdem bleiben Umkleidekabinen sowie Gemeinschaftsräumlichkeiten geschlossen. Zuschauer sind nicht erlaubt und es muss zwischen den verschiedenen Gruppen ein übergangsloser Wechsel gewährleistet werden, sprich sie dürfen sich nicht am Ein- und Ausgang knäulen. 

TG Langenselbold hatte schon früh reagiert

„Wir haben das Glück, eine relativ große Halle zu haben, die wir jeden Tag nutzen können“, sagt Heinz-Werner Binzel, Vorsitzender der TG Langenselbold. Das heißt, dass ab sofort wieder Tischtennis gespielt wird. Allerdings mit weniger Tischen in der Halle. „Im Normalbetrieb stehen mindestens zwölf Tische in der Halle. Jetzt sind es höchstens acht mit entsprechenden Trennungen, um die Leute zu schützen“, erklärt der Vorsitzende, der die Anleitung des Deutschen Tischtennis-Bundes genommen und auf die TGL zugeschnitten hat. Dazu zählt, dass jeder Spieler seinen eigenen Schläger und eigene Bälle mitbringen muss. Diese werden vom Verein zunächst nicht mehr gestellt. Außerdem werden die Tische vor und nach jedem Trainingsspiel desinfiziert. 

Der Verein habe früh reagiert und schon vor Wochen Desinfektionsmittel gekauft. Erlaubt sind nur Einzelspiele, Mixed oder Doppel sind verboten. „Wir müssen sicherstellen, dass nicht zu viele gleichzeitig in die Halle wollen“, sagt Binzel, der daher abwechselnd mit seinen Vorstandskollegen vor Ort sein wird: „Das ist eine ganz wichtige Kiste, denn wir haben die Verantwortung.“ 

Maintaler Badmintonspieler nutzen ihr eigenes Material

Der Vorsitzende ist sich aber sicher, dass sein Verein, wenn alle Mitglieder mitziehen, die Vorgaben gut umsetzen kann. Er weiß aber auch, dass die Maßnahmen ständig auf dem Prüfstand stehen: „In ein paar Wochen müssen wir das Hygienekonzept noch mal anpacken und eventuell anpassen.“ Karlheinz Fix, Vorsitzender des 1. BV Maintal, hat zunächst seine Mitglieder befragt, wer unter diesen Bedingungen wieder Badminton spielen will. Dem Verein stehen zum Trainingsbetrieb in Maintal an drei Tagen pro Woche drei Hallen zur Verfügung, in denen nur „eine begrenzte Anzahl an Sportlern spielen darf“, wie Fix sagt. Der Verein werde streng darauf achten, dass die eingeteilten Gruppen auch eingehalten werden. 

Auch bei den Maintaler Badmintonspielern haben alle ihr eigenes Material. „Die Federbälle dürfen nicht aus der Hand geschlagen werden. Da keine Punktspiele stattfinden, können die Federbälle mit dem Schläger vom Boden aufgehoben und geschlagen werden“, gibt der Vorsitzende einen Einblick in die sportartenspezifische Herausforderung. „Vom Spielen her selbst mache ich mir keine großen Gedanken, wobei Doppel und Mixed nicht erlaubt sind“, sagt Karlheinz Fix. Zudem wird der Verein einen Bestand an Desinfektionsmittel anschaffen, hat seinen Mitgliedern aber mitgeteilt, möglichst selbst welches mitzubringen. Sorgen bereiten ihm die Nutzung und Säuberung der Toilette. „Das ist alles Neuland, wir werden sehen, wie sich das entwickelt.“ 

HSG Hanau orientiert sich an den Regelungen des Deutschen Handball-Bundes (DHB)

Die Entscheidung, ob die Handballer der HSG Hanau ab nächster Woche wieder trainieren, fällt frühestens am Sonntagabend, wie Geschäftsstellenleiter Hannes Geist sagt. „Neben allem sportlichen Ehrgeiz und auch dem Drang, wieder zusammen in der Halle zu stehen, haben die Gesundheit sowie weitere Eindämmung der Pandemie oberste Priorität. Hinzu kommt, dass wir als Verein für die Einhaltung der Voraussetzungen sowie die Durchführung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen verantwortlich sind. Dadurch entstehen Kosten für beispielsweise ausreichend Desinfektionsmittel. Auch die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, darf nicht unbeachtet werden“, gibt der ehemalige Drittliga-Spieler zu bedenken. 

Als Grundlage nimmt die HSG die Regelungen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zum Wiedereinstieg. Im Positionspapier „Return-to-play im Amateursport“ sind acht Phasen beschrieben. Die Rückkehr in die Halle ohne Körperkontakt wäre Phase vier. In dem Positionspapier ist genau beschrieben, was erlaubt ist und was nicht. Zweikämpfe sind nicht erlaubt, wohl aber Pass- und Wurfübungen. Sollte die HSG Hanau das Training wieder aufnehmen, bildet das Positionspapier die Grundlage.

Stadt Hanau behält sich Kontrollen vor 

Die Stadt Hanau steht den Vereinen mit Rat, aber nur bedingter Tat zur Seite. „Die Stadt Hanau hat alle Vereine auf die Regeln der Corona-Verordnung und die Übergangsregeln der Sportfachverbände hingewiesen, die sie bei der Hallennutzung zu beachten haben“, heißt es auf HA-Anfrage aus dem Krisenstab. Basierend darauf müssen die Vereine, die in der Halle Vereinssport anbieten wollen, ein entsprechendes Konzept vorlegen: „Erst nach erfolgter Rückmeldung der Vereine und Darlegung der jeweiligen Hygienekonzepte werden die Nutzungen in den vorgesehenen Hallen dann final freigegeben.“ 

Viele Vereine wenden sich in puncto tatkräftiger Unterstützung an die Stadt Hanau, wie der Krisenstab sagt: „Die Vereine melden sich vor allem mit der Fragestellung, ob die Stadt Hanau die Hygienemaßnahmen für die jeweilige Sportart umsetzt. Die Stadt Hanau steht selbstverständlich allen Vereinen beratend zur Seite – zum Beispiel per E-Mail an fachstelle.sport@hanau.de oder hygiene-corona@hanau.de – und hilft im Bedarfsfall auch bei der Beschaffung notwendiger Materialien. Für die Umsetzung der je nach Sportart individuellen Hygienemaßnahmen sind aber die Vereine zuständig.“ Dass dieses Konzept dann auch eingehalten wird, davon überzeuge sich die Stadt Hanau durch stichprobenartige Kontrollen. Bei Nichteinhaltung droht ein Widerruf des Nutzungsrechtes. mei

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