Fussball Verbandsliga, SC 1960 Hanau - TS Ober-Roden
+
Blicken in eine ungewisse Zukunft: Ob die Spieler des SC 1960 Hanau in der kommenden Saison Hessen- oder Verbandsliga spielen werden, entscheidet sich wohl erst beim Verbandstag. Mehrere betroffene Vereine aus ganz Hessen haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengefunden.

Entscheidung gefallen

Saisonabbruch: SC 1960 Hanau verzichtet auf Klage gegen Verband

  • vonFrank Schneider
    schließen

Nach dem beschlossenen Saisonabbruch in Hessen steht fest, dass der SC 1960 Hanau nicht aufsteigen wird. Von einer Klage will der Verein absehen.

  • Die Fußballsaison 2019/20 ist vom Hesssischen Fußball-Verband abgebrochen worden
  • Die Aufsteiger werden mit der Quotientenregel ermittelt
  • Vereine wollen möglicherweise klagen, der SC 1960 Hanau hat eine Entscheidung getroffen

Update 26. Juni 2020: 

Hanau – Der SC 1960 Hanau wird auch in der kommenden Spielzeit in der Fußball-Verbandsliga Süd an den Start gehen.

Nach intensiven Beratungen innerhalb des Vorstands entschied die Führungsriege des HSC, den Beschluss des außerordentlichen Verbandstags des Hessischen Fußball-Verbandes zu akteptieren.

Quotienten-Regelung entscheidet über Aufstieg

Demnach darf nach dem beschlossenen Saisonabbruch bei Aufstiegsrunden nur der Teilnehmer mit dem besten Quotienten neben den ebenfalls nach der Quotienten-Regelung ermittelten Meister aufsteigen.

Im Dreiervergleich der drei Verbandsligazweiten weist der SV Buchonia Flieden aus der Nord-Gruppe den besten Wert auf und steigt somit als viertes Team in die Hessenliga auf.

Sportchef von Hanau: Andere Vereine werden wohl klagen

HSC-Sportchef Okan Sari teilte den Klageverzicht seines Vereins am Montag mit. „Wir wissen aus der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe betroffener Klubs, dass andere Vereine wohl rechtliche Schritte prüfen und gegebenenfalls klagen werden, wir haben uns aber entschieden, uns da rauszuhalten, auch wenn wir sehr bedauern, dass die Entscheidung nicht zu unseren Gunsten ausgefallen ist“, erläutert Sari.

Punktabzug kostet SC 1960 Hanau den Aufstieg

Aufgrund des besseren Quotienten geht der virtuelle Meistertitel in der Verbandsliga Süd an den Hanauer Kreisrivalen 1. FC Erlensee.

Besonders ärgerlich für den SC 1960 Hanau: Wären dem Verbandsligisten im vergangenen Jahr nicht drei Punkte vom Sportgericht wegen eines unsportlichen Verhaltens eines Zuschauers gegenüber dem Schiedsrichter im Spiel bei Eintracht Wald-Michelbach abgezogen worden, hätte der HSC aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs statt dem 1. FC Erlensee das Hessenliga-Ticket gelöst.

Vorstand von Hanau mit Saison zufrieden

„Wir haben eine supergute Saison gespielt, doch da müssen wir jetzt durch. Wir wollen unseren eingeschlagenen Weg weitergehen und werden versuchen, unser Ziel Aufstieg in der neuen Saison sportlich auf dem grünen Rasen zu erreichen“, so Sari.

Zweitplatzierte wollen Klagen

Erstmeldung 28. Mai 2020: 

Die Zweitplatzierten in den hessischen Fußball-Ligen verstärken ihren Druck auf den Hessischen Fußball-Verband (HFV) und fordern in einer virtuellen Interessengemeinschaft für den wahrscheinlichen Fall eines Saisonabbruchs ein Aufstiegsrecht ein.

Mittlerweile sind knapp 40 Vereine in einer WhatsApp-Gruppe organisiert, darunter der Tabellenzweite der Verbandsliga Süd, der SC 1960 Hanau. Laut deren Trainer Savas Erinc wird in der Gruppe aktuell intensiv die Möglichkeit diskutiert, gemeinsam Rechtsmittel einzulegen, sollte der Verband den Relegationsteilnehmern den Aufstieg verwehren.

Fest steht: Aufsteiger dürfen nach oben

In der bislang veröffentlichen Empfehlung des Verbandes an die Delegierten des im Juni steigenden außerordentlichen Verbandstages hieß es lediglich, dass die im Spielgeschehen festgelegten Aufsteiger bei einem Abbruch nach oben dürfen und dass es keine Absteiger geben soll. Allerdings versprach das HFV-Präsidium, die Möglichkeiten für die Relegationsteilnehmer rechtlich prüfen zu lassen.

Durch die Entscheidung der Regionalliga Südwest GbR, dass nach dem verkündeten Saisonabbruch neben den Meistern der drei untergeordneten Oberligen (Eintracht Stadtallendorf, TSV Schott Mainz und VfB Stuttgart II) auch noch Hessen Kassel als Vizemeister der Hessenliga aufgrund des besseren Quotienten gegenüber den beiden anderen Zweiten der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar (1. FC Kaiserslautern II) und Baden-Württemberg (Göppinger SV) aufsteigen darf, ist jetzt zusätzliche Bewegung in die Sache gekommen.

SC 1960 Hanau würde bei Quotientenregelung Verbandsligist bleiben

Auch wenn Hessens Verbandsfußballwart Jürgen Radeck darauf verweist, dass die vom HFV zu treffende Entscheidung nicht die gleiche wie die der Regionalliga Südwest GbR sein muss, fordern nun in den Verbandsspielklassen gerade die Zweitplatzierten mit den übergeordnet besten Quotienten das gleiche Recht, das Hessen Kassel ereilte. In die Hessenliga würde bei analoger Anwendung der Tabellenzweite der Verbandsliga Nord, der SV Buchonia Flieden aufsteigen.

Tuba Pohlheim (Verbandsliga Mitte) und der SC 1960 Hanau (Verbandsliga Süd) haben einen schlechteren Quotienten und würden in die Röhre schauen.

Ungerechtigkeit droht: Ligen sind unterschiedlich stark

Savas Erinc fände das ungerecht. „Ich würde Buchonia Flieden natürlich den Aufstieg gönnen, doch für mich ist es fragwürdig, Vergleiche für unterschiedliche Ligen aufzustellen. In meinen Augen ist die Verbandsliga Nord deutlich schwächer besser besetzt als beispielsweise die Verbandsliga Süd. Diese Meinung habe ich mir in einigen Testspielen bilden können.“

Der Trainer des SC 1960 Hanau befürchtet, dass der Aufstiegszug nun ohne sein Team abfahren könnte und plädiert wie andere Vereinsvertreter in der WhatsApp-Gruppe dafür, dass einfach alle Teams auf den zu einer Aufstiegsrunde oder Relegationsspielen berechtigten Plätzen aufsteigen dürfen. „All diese Teams haben sehr viel investiert und sollen einen zum Zeitpunkt der Unterbrechung realistisch gewesenen Aufstieg verwehrt bekommen, während die potenziellen Absteiger alle in ihren Ligen bleiben dürfen.“

Verband hat Angst vor aufgeblähten Ligen

Verbandsintern wird indes eine Aufblähung der Ligen befürchtet. Steigen beispielsweise die drei Vizemeister der Verbandsligen alle mit auf, würden in der kommenden Spielzeit 22 Teams in der Hessenliga spielen. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Spielplangestalter, zumal derzeit nicht absehbar ist, wann der Ball wegen der aktuellen Corona-Pandemie wieder roll kann. „In England wird doch auch mit 22er-Ligen gespielt, warum soll das in Deutschland nicht möglich sein“, meint dagegen Savas Erinc.

Er sieht in einer Mammutsaison auch Vorteile. „Für uns wäre die Hessenliga mit vielen interessanten Spielen gegen Hanau 93, Erlensee oder Türk Gücü Friedberg sehr attraktiv. Wird häufiger gespielt, generieren die Vereine auch mehr Einnahmen und die Trainer würden womöglich häufiger jüngeren Spielern Einsatzchancen geben, weil sie mehr auf die Belastungssteuerung achten müssen“, erläutert der 34-jährige Übungsleiter, der vor seinem Engagement beim HSC in der Nachwuchsabteilung des Bundesligisten TSG Hoffenheim arbeitete. Die Tabellenzweiten werden sich womöglich noch bis zum außerordentlichen Verbandstag (13. oder 20. Juni) gedulden müssen.

Kaderplanung in der Schwebe

Der Schwebezustand erschwert die Kaderplanungen der betroffenen Vereine. „Aktuell ist noch alles offen“, bestätigte Verbandsfußballwart Radeck gestern auf Nachfrage. In anderen Landesverbänden (zum Beispiel Schleswig-Holstein) haben die Vereine auf den Relegationsplätzen bereits grünes Licht für den Aufstieg bekommen. Darauf hoffen die betroffenen Vereine in Hessen jetzt auch. Fällt die Entscheidung im Hessischen Fußball-Verband positiv aus, könnten die Teams auf den Relegationsplätzen wie nun der KSV Hessen Kassel ihre Überlegungen hinsichtlich juristischer Schritte endgültig ad acta legen.

Das könnte Sie auch interessieren