+
Versteht die Vereine: Der Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbandes, Torsten Becker, pocht auf eine verlässliche Entscheidung zur Frage, wie mit der unterbrochenen Saison umzugehen ist.

„Hängepartie verunsichert Vereine“

Interview: HFV-Vizepräsident Torsten Becker ist mit Entwicklung zur Diskussion um Saisonabbruch unzufrieden

  • schließen

Der Verbandsvorstand des Hessischen Fußball-Verbandes hat am Wochenende für Klarheit sorgen wollen, wie es mit der seit Mitte März unterbrochenen Saison weitergehen soll. Das ist nur bedingt gelungen. Richtig unzufrieden ist HFV-Vizepräsident Torsten Becker aus Hanau.

Die Saison soll abgebrochen werden und mit einer Quotientenregelung mit direkten Aufsteigern, aber ohne Absteiger gewertet werden. So lautet die Empfehlung des Verbandsvorstandes an die Delegierten des außerordentlichen Verbandtages, der Mitte Juni stattfinden soll. Darüber sprach Becker im Interview ebenso wie über die neu entfachte Diskussion, ob die Mannschaften auf den Relegationsplätzen auch aufsteigen sollen. 

 

Sind Sie zufrieden mit der Empfehlung und dem Verlauf der Veranstaltung? 

Ich konnte aus privaten Gründen leider kurzfristig nicht an der virtuellen Vorstandssitzung teilnehmen. Mit dem Ergebnis kann ich aber nicht zufrieden sein. Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen. Das erwarten auch die Vereine von uns. Jede weitere Hängepartie verunsichert die Vereine. Das dürfen wir nicht zulassen. 

 

Wieso? Sie hatten sich doch auch für das Modell ausgesprochen, dass der HFV dem Verbandstag empfiehlt. 

Ja, das ist richtig. Einvernehmen besteht hinsichtlich des Spielabbruchs beziehungsweise Auslaufenlassen zum 30. Juni mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. Das ist meines Erachtens auch eine vollkommen richtige Entscheidung. Jetzt geht es noch um die Relegationsteilnehmer. 

 

Da sind plötzlich zwei Modelle aufgetaucht. 

Es sollen alle Relegationsteilnehmer aufsteigen beziehungsweise über die Quotientenregelung soll der Beste aufsteigen. Das Aufsteigen lassen von allen Relegationsteilnehmern würde zum Beispiel für die Gruppenliga Frankfurt-Ost bedeuten, dass dort in der nächsten Runde 24 Vereine am Start wären. Das ist schlichtweg nicht durchführbar und hätte unter anderem mehrere Wochentagsspiele zur Folge. Außerdem müssten die Vereine organisatorisch und ehrenamtlich eine Herkulesaufgabe stemmen. Somit scheidet dieses Modell aus meiner Sicht klar aus. 

 

Es wurde eine weitere Möglichkeit diskutiert. 

Ja, dann kam der Gedankengang auf, man könne die Spielklasse in zwei 12er-Gruppen teilen. Dies lehnen viele Vereine aus guten Gründen ab: Die Gruppenligen in Frankfurt gehören zu den spielstärksten in Hessen. Diese zu teilen, widerspricht jedem Leistungsgedanken und hätte auch finanzielle Einbußen bei den Vereinen zur Konsequenz. Somit scheidet aus meiner Sicht auch dieses Modell aus. 

 

Und dann denkt man noch über ein Modell mit Quotientenregelung nach? 

Die Variante, dass unter den möglichen Relegationsteilnehmern über die Quotientenregelung, der Beste ermittelt wird und aufsteigt. Dies prüfen wir zurzeit juristisch. 

 

Was sagen die Vereine zu dem ganzen Prozedere? 

Hessenweit kommen viele Vereine auf mich zu, nicht nur aus dem Kreis Hanau. Die Vereinsvertreter schreiben mir Mails oder rufen mich an. Sie ärgern sich, dass der HFV noch keinen beschlussreifen Vorschlag gemacht hat. 

 

Was ist der Kritikpunkt der Vereine? 

Die Vereine sind davon ausgegangen, dass der Vorstand am Samstag eine finale Entscheidung trifft und diese als Beschlussvorlage dem außerordentlichen Verbandstag zur Abstimmung vorschlägt. Und jetzt gibt es wieder keine Entscheidung in Gänze. Die Vereine fordern schlichtweg eine verlässliche Entscheidung des HFV. 

 

Was sagen Sie über Vereine, die schon die Korken knallen lassen? 

Das ist mutig, weil letztendlich der außerordentliche Verbandstag das letzte und entscheidende Wort hat. Sie klingen nicht unbedingt zufrieden mit der Entwicklung. Zufrieden bin ich mit der Entscheidung Abbruch mit Aufsteigern und ohne Absteiger. Über den weiteren Verlauf der Entscheidungsfindung bin ich nicht glücklich. Das sehe auch nicht nur ich so, sondern viele Fußballwarte – so jedenfalls viele Rückmeldungen. 

Das Interview führte Thorsten Jung.

Das könnte Sie auch interessieren