Schiedsrichter Kurt Schimmer
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Immer noch an der Pfeife: Schiedsrichter Kurt Schimmer wird 80.

Ältester aktiver Schiedsrichter

Noch nie eine Rote Karte gezeigt: Schiedsrichter-Urgestein Kurt Schimmer wird 80

  • vonGert Bechert
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80 Jahre und noch kein bisschen fußballmüde. Der abgewandelte Liedtext von Curd Jürgens („60 Jahre und kein bisschen weise“) passt bestens zu Kurt Schimmer. Heute (19.11.2020) wird der langjährige Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter 80 Jahre alt.

Beim Gespräch mit unserer Zeitung wirkt der Maintaler eher wie ein fitter 60-Jähriger. Worauf er zu recht stolz ist. 78 Kilogramm bei 1,75 Meter Körpergröße unterstreichen dies. „Bewegung ist sehr wichtig“, betont der Vater von zwei Söhnen, der neben dem runden Leder auch bestens mit dem Filzball umzugehen versteht. Mit dem Bischofsheimer Tennisverein schaffte er in der Altersklasse Ü75 den Aufstieg in die höchste Spielklasse, die Regionalliga Südwest.

Erst mit 57 Schiedsrichter geworden

Nach seiner Trainerzeit wandte sich Kurt Schimmer dem Schiedsrichterwesen zu. Da war er schon 57 Jahre alt. Initiator war Karlheinz Keßler, der den heutigen Jubilar dazu überredete. „Da war auch eine Portion Eigennutz dabei, da 1860 Hanau wie jeder andere Fußballverein Referees benötigte“, blickt Kurt Schimmer schmunzelnd zurück. „Seit Januar 1998 gehört Kurt der Schiedsrichtervereinigung Hanau an“, berichtet der frühere Hessenligaschiedsrichter Keßler. Das Alter ließ eine Karriere als Pfeifenmann nicht zu.

Kurt Schimmer stört es nicht, dass er nur Spiele der A- und B-Liga zugeteilt bekommt, „das war mir von Anfang an klar“. Keßler bedauert es dagegen. „Er hatte das Zeug, in der Hierarchie der Unparteiischen weit nach oben zu kommen.“ Doch es sind nicht nur Kurt Schimmers Qualitäten als Referee, die Keßler beeindrucken. „Kurt ist ein ganz toller Mensch, mit dem man nicht in Streit geraten kann.“

Kein Rote Karte in 22 Spielzeiten

In seinen mittlerweile 22 Spielzeiten als Pfeifenmann hat Schimmer noch keine einzige Rote Karte gezückt. „Hier kommt mir sicher meine langjährige Erfahrung als Spieler zugute. Man beurteilt manche Situation eher aus dem Blickwinkel des Spielers“, begründet er.

Am 25. Oktober leitete er sein vorläufig letztes Spiel in der B-Liga Büdingen. Die coronabedingte Pause schmälert keinesfalls seinen Tatendrang. Nach der Pandemie soll es auf jeden Fall weitergehen, an eine Beendigung seiner Schiedsrichterlaufbahn vergeudet der älteste Unparteiische der Schiedsrichtervereinigung Hanau keinen Gedanken. „30 bis 35 Spiele sind es pro Jahr“, erzählt er.

Als Spieler für Bischofsheim in der Hessenliga aktiv

Kurt Schimmer ist gebürtiger Frankfurter. Erst mit 13 Jahren schnürte er in der C-Jugend der SG Rot-Weiss Frankfurt erstmals die Kickstiefel. „Zuvor legte mein Vater wegen schwacher schulischer Leistungen sein Veto ein“, lacht das Geburtstagskind.

Als 19-Jähriger wechselte er zum FSV Bischofsheim in die damalige B-Klasse. Es folgte in den 60er-Jahren ein atemberaubender Aufschwung der „Frösche“, der 1970 im Aufstieg in die Hessenliga gipfelte. Zwei Jahre später war das Abenteuer Hessenliga wieder vorbei, für Kurt Schimmer war der Zeitpunkt gekommen, sich eine neue Aufgabe als Spielertrainer zu suchen.

Schimmer auch als Trainer sehr erfolgreich

Die Grundlage hierzu hatte er bereits Jahre zuvor geschaffen. 1964 erwarb er in der Sportschule Grünberg die Trainer-B-Lizenz, 1971 folgte in Hennef die A-Lizenz. Seine Zimmerkollegen waren der Ex-Eintrachtler Dieter Stinka, der Hochstädter Philipp Eibelshäuser und der 93er Sigi Krüger.

Die 80 sieht man Kurt Schimmer nicht an. Noch immer ist der Maintaler aktiver Schiedsrichter. Als Spieler und Trainer war er beim FSV Bischofsheim, Kewa Wachenbuchen, TSV 1860 Hanau und Germania Dörnigheim. Zum Geburtstags-Interview empfing er den HA-Reporter.

Erste Spielertrainerstation war 1972 Kewa Wachenbuchen, wo er bis 1976 wirkte und die Kewa von der B-Klasse in die Bezirksklasse führte. 1978 heuerte er erstmals beim TSV 1860 Hanau an, 1981 absolvierte er für die Sechziger im Alter von 40 Jahren sein letztes Spiel als Spielertrainer. „Ich habe 21 Jahre durchgehend in ersten Mannschaften von der B-Klasse bis zur Hessenliga gespielt und blieb dabei von Verletzungen verschont“, zieht er rückblickend ein zufriedenes Fazit.

Mit Gerd Müller und Helmut Rahn auf dem Platz gestanden

Als Trainer folgte ein zweijähriges Gastspiel bei Germania Dörnigheim, die er 1982 auf Anhieb in die damalige Gruppenliga Mitte, heute Verbandsliga, führte. Ein Jahr später folgte der sofortige Abstieg.

An ein Freundschaftsspiel im Sommer 1990 erinnert sich der frühere Hessenauswahlspieler besonders gerne zurück. Dabei traf eine Auswahl Fechenheimer Spieler verstärkt mit ehemaligen Spielern der Frankfurter Eintracht auf eine Mannschaft Altinternationaler. „Ich spielte damals als knapp 50-Jähriger an der Seite von Gerd Müller und Helmut Rahn, ein einmaliges Erlebnis“, schwelgt Schimmer in Erinnerungen.

Acht Meisterschaften als Trainer und Spieler

Anfang der 90er-Jahre kehrte Kurt Schimmer zu den Sechzigern zurück. Am Ende seiner Karriere als Spieler und Trainer standen acht Meisterschaften, zweimal musste er in den sauren Apfel des Abstiegs beißen. Was sollte da noch kommen? „Es kam Karlheinz Keßler, der mich für die Schiedsrichterei begeisterte“, sagt der Bischofsheimer.

Diesem Hobby will er noch so lange nachgehen, „wie es meine körperliche Verfassung zulässt“. Die derzeit freien Wochenenden wegen der Corona-Krise nutzt Gattin Ilse zu gemeinsamen Unternehmungen, wohlwissend, dass das schnell wieder vorbei sein kann. Denn fußballmüde ist Kurt Schimmer noch lange nicht!

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