Was für ein Erfolg: Vor 25 Jahren steigen die Hanauer Hockey-Frauen in die Bundesliga auf
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Was für ein Erfolg: Vor 25 Jahren steigen die Hanauer Hockey-Frauen in die Bundesliga auf

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Plötzlich Bundesliga: Vor 25 Jahren stiegen die Hockey-Damen des 1. Hanauer THC überraschend auf

  • vonRobert Giese
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Und plötzlich Bundesliga! So erging es den Spielerinnen des 1. Hanauer THC im Februar 1996, als sie eine überraschend starke Hallensaison mit dem Aufstieg in die Süd-Staffel der Bundesliga krönten und Hanau wieder einen prominenten Platz auf der Landkarte des deutschen Hockeys sicherten.

Hanau – Diesen Coup verdankten sie vor genau 25 Jahren nicht nur einer plötzlich entdeckten Treffsicherheit und starken Einzelleistungen, sondern auch den taktischen Kniffen ihres Trainers.

Dabei waren die Hanauerinnen mit bescheidenen Erwartungen in die Saison gegangen und wollten eigentlich einfach nur die Klasse halten. „Wir waren ein neu zusammengestelltes Team, Martin Schultze war ein sehr junger Trainer“, erinnern sich Claudia Arlt, Heike Spengler und Beate Wahlster 25 Jahre später im Gespräch. Angesichts dieser Umstände sei mit einem Aufstieg nicht unbedingt zu rechnen gewesen, auch wenn der HTHC in den Jahren davor immer mal wieder in der Bundesliga gespielt hatte und auf dem Feld mehrmals knapp am Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse gescheitert war.

Taktikfuchs Martin Schultze setzt Akzente

Dass sich die Hanauerinnen für das Aufstiegsspiel in Ludwigshafen qualifizierten, lag an mehreren Faktoren. Einerseits brachte Schultze viele taktische Ideen mit und schaffte es, seine Spielerinnen von diesen Ideen zu überzeugen. „Wir haben den Gegner zum Beispiel schon sehr früh unter Druck gesetzt“, so Spengler, außerdem platzte beim HTHC in der Offensive der Knoten: „In der Abwehr standen wir schon immer gut, aber während der Saison haben wir dann auch das Tor getroffen.“

Dazu beigetragen habe neben der permanenten Manöverkritik Schultzes auch die Leistungsexplosion von Natja Ritter: Die damals 16-jährige Jugendnationalspielerin war das „Küken“ der Mannschaft, machte im Saisonverlauf eine rasante Entwicklung durch und sollte auch im entscheidenden Spiel um den Aufstieg eine wichtige Rolle spielen. „Außerdem“, so erinnert sich Arlt, „haben wir viele Gegner mit unserer Spielweise überrascht. Und wenn man schließlich oben steht, fällt das Gewinnen gleich leichter.“

Als Zweiter der Regionalliga Süd reiste der HTHC schließlich zum Aufstiegsspiel nach Ludwigsburg, wo mit dem Berliner SC der Meister der Regionalliga Ost wartete. „Für uns war das eine völlig unbekannte Mannschaft“, erinnert sich Spengler, Schultze hätte vor der Partie daher noch eifrig herumtelefoniert, um zumindest einige Informationen einzuholen.

Unbekannte Kulisse sorgt für Nervenkitzel

Gegen die Berlinerinnen begann der HTHC nervös, leistete sich einige Fehlpässe und lud den Gegner damit zu Kontern ein, auch wenn die an diesem Tag überragend aufgelegte Hanauer Torhüterin Steffi Eyerkaufer mit starken Paraden das Gröbste verhinderte. „Da ging es um Sekt oder Selters“, so Spengler, „und durch die ungewohnte Kulisse waren wir zusätzlich nervös.“

In Ludwigsburg sorgten nämlich nicht nur die Berliner Schlachtenbummler für mächtig Stimmung, sondern auch die mitgereisten Hanauer Fans, die mit Trommeln, Trillerpfeifen und den eigenen Stimmbändern reichlich Lärm erzeugten. „Das kannten wir in der Form nicht“, meint Spengler im Rückblick, „aber nach unseren ersten Treffern hat uns das Auftrieb gegeben.“

Die Partie verlief zunächst jedoch völlig ausgeglichen, zur Halbzeitpause führte Hanau mit 3:2, kurz darauf glichen die Berlinerinnen aus. Schultze schüttelte dann den entscheidenden taktischen Kniff aus dem Ärmel und stellte auf eine Formation mit zwei Verteidigerinnen und einem Center um. Für die Hanauerinnen fühlte sich das zwar ein bisschen wie „Harakiri“ an, aber vor allem das „Küken“ Ritter drehte nun mächtig auf, erzielte vier Treffer in 17 Minuten und brachte ihr Team damit auf die Siegerstraße.

Beim Jubeln die Schulter ausgekugelt

Berlin nahm zwar noch die Torhüterin zugunsten einer weiteren Feldspielerin aus dem Spiel, konnte die 4:9-Niederlage aber nicht mehr verhindern. Ein Faktor für den letztlich klaren Erfolg war die Treffsicherheit des HTHC bei den Strafecken, von denen vier von fünf zu Toren führten, ein anderer die bärenstarke Eyerkaufer im Tor: „Sie hat fast jede Ecke abgelaufen“, erinnert sich Arlt an die Leistung der Hanauer Schlussfrau, der ihr Trainer nach dem Abpfiff „Weltklasse“ attestierte.

Nach der Partie brachen bei den Hanauerinnen und dem mitgereisten Anhang dann alle Dämme, Arlt kugelte sich inmitten der Feiertraube sogar kurzzeitig die Schulter aus, was ihr bis heute noch schmerzhaft im Gedächtnis geblieben ist. Insgesamt überwogen bei den Spielerinnen allerdings selbstverständlich die schönen Erinnerungen, auch wenn die folgende Bundesliga-Saison wegen des großen Leistungssprungs eher ernüchternd verlief: „Da haben wir leider kein Land gesehen“, so Spengler im Rückblick, „aber so einen Aufstieg und eine Bundesliga-Saison mitzumachen, das war dennoch ein tolles Erlebnis.“ (Von Robert Giese)

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