Begeisterte Läuferin: Die Österreicherin Daniela Kurz dreht gerne im Staatspark Wilhelmsbad ihre Runden.
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Begeisterte Läuferin: Die Österreicherin Daniela Kurz dreht gerne im Staatspark Wilhelmsbad ihre Runden.

EM-Serie

Reise durch Europa: Die österreichische Hobby-Läuferin

  • Thorsten Jung
    vonThorsten Jung
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Österreich ist eine Wintersport-Nation. Kein Wunder, dass die Teilnahmen an Fußball-Europameisterschaften überschaubar sind. Daniela Kurz hatte mit Fußball auch nie viel am Hut. Sie wuchs in der Steiermark mit Skiern unter den Füßen auf. Seit zwei Jahren lebt sie in Hanau und ist plötzlich fußballbegeistert.

Hanau – Statt Sport in den Bergen läuft Daniela Kurz im flachen Hanauer Umland ihre Kilometer. Vor der Corona-Pandemie verpasste sie kaum ein Heimspiel von Eintracht Frankfurt in der Fußball-Bundesliga. Aufgewachsen ist Daniela Kurz in Hartberg. In der 7000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Graz stand sie „mit vier oder fünf zum ersten Mal auf Skiern“.

Sport an der frischen Luft ist für sie der ideale Ausgleich zum Bürojob. „Mein Leben hat schon immer draußen stattgefunden. Ich bin mit Outdoor-Sport groß geworden: Mountainbiken am Berg, Skifahren oder Snowboarden im Winter.“

Die Liebe führte Daniela Kurz aus der Steiermark nach Hanau

Vor knapp zwei Jahren verließ Daniela Kurz ihre geliebte Steiermark. „Der Liebe wegen“, erzählt sie mit strahlenden Augen. „Alex und ich haben uns in Innsbruck, wo ich bei Volkswagen ein Praktikum gemacht habe, kennengelernt.“ Die 29-Jährige spricht von Liebe auf den ersten Blick, und dass von Anfang an klar gewesen sei, „dass ich hierher komme“.

Ihr Freund bescherte damit nicht nur Hanau eine Österreicherin, sondern auch der Frankfurter Eintracht einen großen Fan. „Alex und Deutschland haben mir den Fußball näher gebracht“, erzählt sie. „In Österreich war Fußball nebensächlich. Der Skisport ist da einfach die Nummer eins.“

Eintracht Frankfurt hat Daniela Kurz‘ Herz erobert

Als Dauerkartenbesitzerin habe sie vor der Corona-Pandemie kaum ein Heimspiel der Eintracht verpasst. „Das Fieber hat mich gepackt. Das Stadionerlebnis ist echt einmalig.“ Die Hymne „Im Herzen von Europa“ singe sie im Stadion kräftig mit. Das sei Gänsehautstimmung.

„In Österreich war ich auch mal bei Länderspielen im Stadion. Da war die Stimmung auch einmalig, aber nicht mit der Stimmung bei der Eintracht vergleichbar.“

Martin Hinteregger ist der Lieblingsspieler von Daniela Kurz

Dass bei den Frankfurtern neben Trainer Adi Hütter auch zwei Spieler aus ihrem Heimatland kommen, machte es Daniela Kurz noch einfacher, Begeisterung für den hessischen Bundesligisten zu entfachen. Vor allem Martin Hinteregger hat es der Blondine angetan. „Hinti, wie wir Eintracht-Fans ihn liebevoll nennen, der Kärntener, kommt immer wieder sympathisch vor der Kamera rüber“, erzählt sie und deutet auf ihr Trikot der österreichischen Nationalmannschaft, das mit seinem Namen bedruckt ist. „Da ist für mich gleich eine engere Verbindung da.“

Der große Star im ÖFB-Team, David Alaba, spielt derzeit noch beim deutschen Rekordmeister FC Bayern München. „Er ist fußballerisch natürlich sehr stark, auch wenn die Bayern nicht meine Lieblingsmannschaft sind“, sagt sie. „Durch ihn hat der österreichische Fußball aber noch mal einen anderen Stellenwert bekommen.“

Österreichs Nationalteam profitiert von Bundesliga-Erfahrung

Österreichs Kapitän David Alaba freut sich mit dem Torschützen Aleksandar Dragovic (rechts), der in der Bundesliga für Bayer Leverkusen spielt.

Davon, dass ein Großteil der Spieler in der deutschen Bundesliga aktiv ist, profitiert ihrer Meinung nach das Team von Trainer Franco Foda enorm. „Marketingtechnisch und spielerisch“, ist sich die Marketingmanagerin eines großen Dienstleistungsunternehmens in Eschborn sicher. „Der Fußball hat hier einen viel größeren Stellenwert und davon profitieren die Österreicher.

Vielleicht auch bei der Europameisterschaft? Niederlande, Nordmazedonien und Ukraine sind die Gegner in der Vorrunde. Chancen, diesmal die Gruppenphase zu überstehen, sind vorhanden.

Bei der EM 2016 in Frankreich und 2008 im eigenen Land schafften die Österreicher das nicht. In der Statistik des Alpenstaats stehen lediglich zwei weitere EM-Teilnahmen: 1960 in Frankreich und 1964 in Spanien.

Vienna City Marathon und Wings for Life World Run

Daniela Kurz hat im Laufen den Ausgleich zu ihrem Bürojob gefunden und in den vergangenen Jahren an einigen Halbmarathons teilgenommen – unter anderem am Vienna City Marathon. Ein anderes großes Laufevent ist ihr besonders wichtig. „Der Wings for Life World Run ist jedes Jahr Pflicht!“ Weltweit starten alle Teilnehmer zur selben Zeit.

„Es gibt keine Ziellinie. Man läuft so lange, bis einen das Catcher Car einholt. Das können zehn Kilometer sein, 70 oder nur 500 Meter“, erzählt die 29-Jährige. „Das Credo des Laufs ist: Wir laufen für die, die nicht können.“ Gelaufen wird für die Rückenmarksforschung.

Laufen im Staatspark Wilhelmsbad oder am Main

In Hanau spult Daniela Kurz ihre Kilometer – am liebsten zwischen zehn und 15 – gerne im Staatspark Wilhelmsbad oder entlang des Mains ab. Ihr Freund und dessen Schwester spielen beim 1. Hanauer THC Hockey.

„Da bin ich nur Zuschauerin“, sagt Daniela Kurz lachend und ergänzt, dass sie sich demnächst als Tennisspielerin probieren wolle. „Alex’ Familie ist ja schon jahrelang beim THC und man hat mir einen Tennisschläger geschenkt.“

Auf dem Hanauer Markt ein Stück Heimat gefunden

Das Herz der Österreicherin geht bei Besuchen auf dem Hanauer Markt auf. „Da habe ich einen Österreich-Stand entdeckt. Die Inhaberin ist sogar aus der Steiermark. Dort habe ich das grüne Steiermark-Herz gesehen. Da geht mein Herz natürlich auf.“

Aber auch zu Hause sei ihre Heimat sehr präsent. „Kulinarisch lassen wir Österreich in den Kochplan einfließen – ob es das Wiener Schnitzel oder der steirische Backhendlsalat ist“, erzählt sie. „Ich konnte mir nie vorstellen, wie man Schnitzel mit Soße essen kann, aber auch das kann ich mittlerweile. Ich mag die grüne Soße und kann sie auch selber machen.“

Duell Deutschland Österreich ist bei der EM möglich

Und wenn das Wiener Schnitzel bei der Europameisterschaft auf Frankfurter Würstchen trifft? „Dann herrscht bei uns Kriegsstimmung“, muss Daniela Kurz wieder lachen, „das wird schwierig.“ Gewinnt eine der beiden Mannschaften ihre Vorrundengruppe und wird die andere Gruppendritte, könnte es zum Nachbarschaftsduell kommen.

„Wenn die Österreicher dann gewinnen würden, wäre das der Wahnsinn – und auf deutscher Seite wäre Krisenstimmung. Wenn aber die Deutschen gewinnen würden, wäre das normal“, ist die Neu-Hanauerin realistisch.

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