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Jubel über den Aufstieg am Grünen Tisch? Dieses Szenario rückt für die Kicker des FC Erlensee immer näher. Scheinbar spricht sich die Mehrheit der hessischen Amateurvereine für einen Saisonabbruch aus.

Quotientenregelung ermittelt Abschlusstabelle

Alles deutet auf Saisonabbruch hin - Erlensee wäre Hessenligist

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Es ist derzeit die spannendste Frage im hessischen Amateurfußball: Was passiert mit der aktuell wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison 2019/20? Diskutiert werden verschiedene Abbruchszenarien, aber auch noch eine Fortsetzung der aktuellen Runde – möglicherweise ab Mitte September.

Am kommenden Samstag tagt der Verbandsvorstand des Hessischen Fußball-Verbandes mit dem Ziel, eine Beschlussvorlage für einen virtuellen Verbandstag zu erarbeiten, der spätestens Mitte Juni abgehalten werden soll. 

Vieles deutet derzeit darauf hin, dass die aktuelle Runde abgebrochen wird. Ein Profiteur wäre Verbandsliga-Spitzenreiter Erlensee. Verfestigen könnte sich dieses Stimmungsbild im Laufe der Woche, wenn weitere Kreiskonferenzen mit den Vereinen abgehalten werden.

Annullierung aus rechtlichen und sportlichen Gründen problematisch

Am vergangenen Samstag stellte sich zudem das Präsidium des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) im Rahmen einer virtuellen Sprechstunde zahlreichen Fragen von mehr als 250 Teilnehmern der hessischen Fußballvereine. Auch hier war die Frage nach einem möglichen Saisonabbruch eines der Kernthemen.

Im Falle eines vorzeitigen Abbruchs ging es auch um mögliche Wertungsszenarien. HFV-Präsident Stefan Reuß (Witzenhausen) und Vizepräsident Torsten Becker (Hanau) ließen durchblicken, dass nach dem Ergebnis eines in Auftrag gegebenen Gutachtens sowohl aus rechtlichen als auch aus sportlichen Gründen eine Annullierung der Runde nicht empfehlenswert sei.

Quotientenregel könnte Abschlusstabelle ermitteln

Sollten sich die Vereine mehrheitlich gegen eine Fortsetzung der aktuellen Saison zu einem späteren Zeitpunkt aussprechen, muss über die Wertung der bislang gespielten Saison entschieden werden. Als Favorit scheint sich das Modell herauszukristallisieren, wonach die aktuelle Tabelle mit einer Quotientenregel final zu einem Abschlussklassement umgerechnet wird.

Die erzielten Punkte werden durch die bestritten Spiele geteilt, der Wert danach mit 100 multipliziert. Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg) hat mit dem Verbandsspielausschuss sämtliche 166 Tabellen im Seniorenbereich in Hessen durchgeschaut und ermittelt, dass im Fall der Quotientenregelung in etlichen Fällen ein Zweiter, Dritter oder gar Vierter an die Spitze rücken würde. Auf Absteiger soll wahrscheinlich verzichtet werden. Falls nicht, würde es auch hier Verschiebungen geben.

Hanau 93 würde Hessenligist bleiben

„Wir haben mal alle Szenarien ausgerechnet. Wir würden auf jeden Fall in der Liga bleiben“, erzählt Giovanni Fallacara, der Fußball-Abteilungsleiter des FC Hanau 93. Der FV Bad Vilbel würde zwar aufgrund des dann besseren Wertes an den 93ern vorbeiziehen, doch die Mitaufsteiger aus Dietkirchen, Steinbach, Neuhof und Fernwald hinter dem Team von Michael Fink landen.

Diese Auswirkungen hätte ein Saisonabbruch auf die Hanauer Ligen.

Da es bei einem Abbruch auch keine Aufstiegsrunden gäbe, wäre die maximale Abstiegszahl in der Hessenliga vier. Erster und somit Meister in der höchsten Spielklasse wäre wie im aktuellen Tabellenbild Eintracht Stadtallendorf.

FC Erlensee würde Aufstieg annehmen

An der Tabellenspitze der Verbandsliga Süd bliebe ebenso alles beim Alten. Der 1. FC Erlensee wäre Erster vor dem Kreisrivalen SC 1960 Hanau. „Wenn es so kommt, würden wir den Aufstieg annehmen“, bestätigte FCE-Vorsitzender Tobias Gebhardt einen entsprechenden Vereinsbeschluss. Der SC 1960 Hanau würde wie der aktuelle Tabellenzehnte Germania Großkrotzenburg auch in der kommenden Saison die Fahne des Fußballkreises Hanau in der Verbandsliga Süd hochhalten.

In der Gruppenliga Frankfurt Ost würde Germania Dörnigheim den zweiten Tabellenplatz an die punktgleichen Sportfreunde aus Seligenstadt verlieren, die eine Partie weniger ausgetragen haben. Aufsteigen würde aber nur der Spitzenreiter SV Pars Neu-Isenburg. Greift entgegen dem aktuellen Trend doch die Abstiegsregel, müssten die drei am schlechtesten platzierten Teams die Liga verlassen. Das wären die Büdinger Kreisvereine Sportfreunde Oberau und VfR Wenings sowie Schlusslicht Germania Klein-Krotzenburg. Türk Gücü Hanau wäre gerettet.

Das ist die Quotientenregelung

Bei einem Abbruch der durch die Corona-Pandemie unterbrochenen Saison könnten die Abschlusstabellen auf Basis der Quotientenregelung erstellt werden. In diesem Fall würden die gesammelten Punkte der Teams durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt. Das Ergebnis würde anschließend mit 100 multipliziert und auf eine Stelle nach dem Komma gerundet. Sind zwei Teams punktgleich, greift der direkte Vergleich. Ist auch der unentschieden, gilt das Torverhältnis.

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