Die Festspielbühne 2021 als Modell: Hans Winkler hat sie erdacht. So oder so ähnlich wie im Modell wird sie für das Stück „Der Rattenfänger von Hameln“ aussehen.
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Die Festspielbühne 2021 als Modell: Hans Winkler hat sie erdacht. So oder so ähnlich wie im Modell wird sie für das Stück „Der Rattenfänger von Hameln“ aussehen.

Hans Winkler zeichnet für das Bühnenbild verantwortlich

Der erste Blick auf die Hanauer Märchenbühne

  • Yvonne Backhaus-Arnold
    vonYvonne Backhaus-Arnold
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Ganz vorsichtig holt Hans Winkler das Modell aus dem Karton, positioniert verschiedene Elemente wie etwa die Wände und nickt dann zufrieden. Die Märchenbühne im Maßstab 1:25 hat Winkler aus Hamburg mitgebracht und jetzt in der Orangerie aufgebaut, um den Handwerkern dort noch das eine oder andere zu zeigen. Nebenan im Amphitheater entsteht gerade die große Bühne.

Hanau - Hans Winkler zeichnet in diesem Jahr zum ersten Mal für das Bühnenbild der Brüder-Grimm-Festspiele verantwortlich. Von Herbst 2019 an arbeitete Winkler am Bühnenbild, ab März 2020 ruhte das Projekt dann erst einmal nachdem die Festspiele wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden waren. „Im Januar 2021 bin ich wieder intensiver eingestiegen“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Geboren in Hannover, absolvierte der Mann, der sich schon zu Schulzeiten fürs Theater begeistert hatte, direkt nach dem Abitur sein Bühnenbildstudium an der National Theatre School of Canada in Montreal. Nach der Assistentenzeit an den Staatstheatern Hannover und Kassel begann er 1991 mit der Tätigkeit als freiberuflicher Bühnenbildner für Oper, Ballett und Schauspiel. „Ich mag den Beruf bis heute sehr gerne“, sagt Winkler, der mit seiner Frau in Hamburg zuhause ist. Zur Familie gehört eine erwachsene Tochter und der Golden-Retriever-Welpe Arni, der in den kommenden Wochen immer auch mal mit in Hanau sein wird, um zusammen mit seinem Herrchen den Fortgang des Bühnenbaus zu beobachten.

Ballett ist eine seiner Leidenschaften

Zu Opern von Verdi, Mozart, Donizetti, Tschaikowsky, Gounod und Massenet entwarf Hans Winkler die Bühnenbilder, unter anderem für die Staatstheater Braunschweig und Oldenburg, das Theater Augsburg, die Wiener Kammeroper und Vest Norges Opera Bergen.

Eine langjährige gemeinsame Arbeit verbindet ihn mit dem Choreografen Ralf Dörnen. Ballett ist eine Leidenschaft des Hamburgers. Und so entstand für die Dresdener Semperoper das Ballett „Verklärte Nacht“. Außerdem stattete er zahlreiche Ballettabende für das Theater Vorpommern, das Staatstheater Oldenburg, das Aalto Theater Essen und das Nationaltheater Brno aus.

Engel kennt er schon seit vielen Jahren

Zudem arbeitet Hans Winkler regelmäßig für das Schauspiel. Er entwarf Bühnenbilder und Kostüme unter anderem für das Ernst Deutsch Theater, die Kammerspiele und das Ohnsorg Theater in Hamburg, das Fritz Rémond Theater in Frankfurt, die Komödie Berlin, für verschiedene Stadt- und Staatstheater sowie Tournee- und Freilichtbühnen.

Frank-Lorenz Engel, den Intendanten der Brüder-Grimm-Festspiele, kennt Winkler schon seit vielen Jahren, einige Male haben die beiden bereits zusammengearbeitet, in Hamburg zum Beispiel und in Berlin. „Wir waren immer im Austausch, und 2019 hat es halt gepasst“, so Winkler. Das Besondere in Hanau sei, dass – anders als an anderen Freilichttheatern – sowohl Bühne als auch Publikum überdacht seien. „Das ist sehr schön, denn es gibt keinerlei Unterbrechungen durch Wind und Wetter.“

Im engen Austausch mit den Regisseuren

Winkler hat natürlich alle vier Inszenierungen gelesen, stand im engen Austausch mit den Regisseuren, denn wie schon Dieter Stegmann oder zuletzt Tobias Schunck musste es Winker gelingen, ein Bühnenbild für vier Stücke zu erschaffen. „Ich habe einen Grundraum entworfen und dann pro Stück spezifische Veränderungen eingearbeitet“, verrät der 59-Jährige. Auch in diesem Jahr werden Drehscheiben, drei an der Zahl, zum Einsatz kommen, deren Wände je nach Stück anders gestaltet sind. Rechts und links führt eine Treppe in den oberen Bereich der Bühne. Während es für den „Rattenfänger von Hameln“ dunkel und mittelalterlich zugeht, bekommen Schneeweißchen und Rosenrot ein schmuckes, kleines Häuschen.

Hat Corona Veränderungen auf der Bühne erzwungen? „Nein, das betraf mehr den Backstage-Bereich und die Verkehrswege“, erklärt Winkler. Allerdings musste er die Musiker fürs Musical anders platzieren – und so sitzen sie jetzt rechts und links getrennt voneinander und auch getrennt vom Bühnengeschehen.

In den kommenden Wochen öfters in der Stadt

Winkler liebt seine Arbeit, geht selbst gern ins Theater, in die Oper, ins Ballett. Es sei eine wunderbare Art, bildende Kunst mit Literatur und Musik zu verbinden. Es sei zudem noch sehr abwechslungsreich. „Deshalb bin ich der Sache auch nach 30 Jahren noch nicht überdrüssig“, sagt der Bühnenbildner und lacht: „Es macht noch genauso viel Spaß wie am Anfang.“

In den kommenden Wochen ist der Schweden-Fan Winkler öfter in Hanau zu Gast, lebt dann in einer kleinen Mietwohnung in Großauheim und hat sich vorgenommen, auch ein wenig die Stadt zu erkunden.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

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