In ihren abstrakten und farbenfrohen Werken verarbeitet Elena Schad aktuelle Themen.
+
In ihren abstrakten und farbenfrohen Werken verarbeitet Elena Schad aktuelle Themen.

Burn-out

Wie Elena Schad aus Hanau ihr Leben nach einer Auszeit neu gestaltet

  • VonTheresa Ricke
    schließen

Mit 30 Jahren zählt Elena Schad aus Hanau zu den jüngeren Betroffenen von Burn-out. Sie bleibt positiv und lernt bekannte Seiten an sich neu kennen.

Hanau – In einem kleinen Hinterhaus steht zwischen Fahrrädern und einem Gartenschlauch ein Schreibtisch an der Wand. Kerzen in leeren Bierflaschen sorgen für warmes Licht, auf der Fensterbank dampft eine heiße Tasse Kaffee. Es ist kalt in dem kleinen Atelier „Klick und Klecks“ von Elena Schad in Steinheim, denn eine Heizung gibt es nicht. Auch das Licht ist im Winter nicht ideal, um sich ihrer Kunst zu widmen.

Trotzdem ist es gemütlich. Ein stiller Ort, um zu malen und zu zeichnen. Ein Ort, der der 31-Jährigen im wörtlichen Sinn Raum gibt, ihre Kreativität auszuleben. Schon als Kind hat Schad, die vor etwas mehr als einem Jahr nach Hanau gezogen ist, viel gezeichnet. Doch bereits in der Schule hat sie dazu keine Zeit mehr gehabt, erzählt sie. Sie hat sogar ganz vergessen, dass sie früher gemalt hat. Wiederentdeckt hat sie diese Freude in einer Klinik. Sie hatte mit 30 Jahren Burn-out.

Nach sechs Monaten Auszeit arbeitet sie wieder, hat ihren alten Job in einer PR-Agentur in Frankfurt wieder aufgenommen – mit der Begrenzung auf 30 Stunden. Denn Elena Schad hat gemerkt, dass sie auch anderen Dingen als Arbeit Raum in ihrem Leben geben will. „Meine Einstellung zu mir und meiner Arbeitsweise war eher ungesund“, gibt Schad zu und sagt weiter über sich, dass sie viel Energie hat und immer gerne und viel gearbeitet hat. Schon während des Studiums hatte sie Freunde, die ihr gesagt haben: „Du rennst mal ins Burn-out.“ Weil sie so „besessen“ war von der Arbeit.

Symptome vom Burn-out: Künstlerin aus Hanau entwickelt Schlafstörung

Später hat sie für PR-Agenturen in Hamburg, Offenbach und dann Frankfurt gearbeitet. Außerdem war sie Leistungssportlerin. Sie hat Leichtathletik gemacht und ist viel gelaufen. Der Leistungsgedanke ist ihr demnach nicht fremd. Gekippt ist die Situation, als Schad wie viele Arbeitnehmer in der Corona-Pandemie ins Homeoffice geschickt wurde. „Mein Schreibtisch war nur fünf Meter von meinem Sofa entfernt. Ich bin früh aufgestanden, um zu arbeiten, und habe abends spät aufgehört.“ Es hat der Abstand gefehlt. Sie konnte das Büro nicht verlassen, weil es bei ihr zu Hause war. So kamen schnell 60 Stunden Arbeit pro Woche zusammen.

Es zeigten sich erste körperliche Symptome: „Ich habe eine Schlafstörung entwickelt. Es ist schrecklich, nur zwei Stunden schlafen zu können, und die restliche Zeit kreisen die Gedanken. Da bin ich lieber aufgestanden und habe weitergearbeitet.“ Freunde haben sie schon früher darauf hingewiesen, dass sie auf sich aufpassen soll. Emotional sei sie schon viel früher am Limit gewesen. Oft hat sie den Stress von der Arbeit an ihnen ausgelassen, sagt Schad. Auch ihre Freunde hat sie im Lockdown seltener gesehen. Schließlich kam der Punkt, an dem sie Hilfe gesucht hat. „Ich habe bei der Sozialberatung angerufen und wollte wissen, ob ich das Projekt, das noch einige Wochen laufen sollte, fertigstellen kann. Der Berater hat gesagt, ich schaffe keine Woche mehr.“

Elena Schad fühlt sich in ihrem improvisierten Atelier „Klick und Klecks“ wohl.

Gefahr Homeoffice: Für Hanauerin führte der fehlende Abstand zur Arbeit zum Burn-out

Nach der „Genehmigung von außen“, dass nicht alles in Ordnung ist, nahm sich Elena Schad Urlaub. Zwei Wochen sollten reichen, dachte sie sich. Doch sie hat schnell gemerkt, dass es nicht so einfach ist. Sie ist sich sicher, dass der Burn-out zwangsläufig früher oder später gekommen wäre: „Das Homeoffice hat den Prozess stark verkürzt. Ich bin ganz froh, dass ich es jetzt mit 30 Jahren hatte und nicht mit 60, wenn es schwerer fällt, an sich zu arbeiten.“ Also begann sie in Hanau eine Therapie und hat sich dann für eine Klinik in Bad Nauheim entschieden.

„Auch da dachte ich, dass ich nach der Mindestzeit von vier Wochen wieder zu Hause bin. Am Ende war ich zwei Monate dort und wollte gar nicht mehr weg.“ Im geschützten Rahmen konnte sie sich mit anderen Patienten austauschen. Mit manchen hat sie immer noch Kontakt. Und sie hat ihre Kreativität wiederentdeckt. Die hat sie aus der Klinik mit nach Hause genommen. Ihre Schlafstörungen haben sich nach der Behandlung verbessert, werden aber wohl nicht mehr ganz verschwinden. „Wenn ich jetzt nicht schlafen kann, zeichne ich“, sagt sie.

Wiederbeginn nach Burn-out: Hanauerin bleibt aktiv

Viele Projekte hat Elena Schad immer noch. Aber sie seien jetzt „gesünder“ aufgeteilt. Neben der Arbeit ist Zeit und Raum für die Kunst. Im Kunstkaufhaus „Tacheles“ ist sie bereits als externe Künstlerin integriert, will dort bald auch Workshops geben. Ihr gefällt der Austausch mit anderen Künstlern, sie schätzt den fachkundigen Blick, wenn sie mit einem Bild mal nicht weiterkommt. „Hanau ist für mich ideal. Die Stadt bietet viele kulturelle Möglichkeiten, aber ist nicht so groß, dass sich die Szene verläuft.“ Von ihrer Kunst muss sie nicht leben. Sie möchte das auch gar nicht, denn dadurch entsteht Druck.

Ihr fester Job in der PR-Agentur gibt ihr Sicherheit und Freiheit. „Ich bin froh, dass ich es mir leisten kann, Dinge anzugehen, die ich schon immer machen wollte.“ Dazu gehört auch, im Hanauer Tierheim auszuhelfen. Einmal die Woche macht sie Katzenklos sauber. Und ganz ohne Herausforderungen geht es bei Elena Schad auch nicht: Ihr Ziel ist es, am Berlin-Marathon teilzunehmen. (Theresa Ricke)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema