Autos gezielt ins Parkhaus lenken

In Hanau: Straßenparken wird erheblich teurer - Mehr Anwohnerparken geplant

  • Kerstin Biehl
    VonKerstin Biehl
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Für Autofahrer wird sich in Hanau künftig einiges ändern. Die Stadt feilt an ihrem Parkraumkonzept.

Hanau – Es sei der Anspruch kommunaler Verkehrspolitik, Kfz-Verkehre verträglich zu gestalten, sagte Stadtrat Thomas Morlock (FDP) bei der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Hanau, als es um den Beschluss ging, die Gebühren an Parkscheinautomaten im öffentlichen Raum zu erhöhen.

Denn ein probates Mittel zur Steuerung und Verlagerung des Autoverkehrs ist ein Parkraummanagement-Konzept. Dieses ist im Hanauer Mobilitätsleitbild festgehalten. Ein Kernsatz daraus: Öffentlicher Raum soll von parkenden Pkw entlastet werden, um Freiräume für andere(s) zu gewinnen. Etwa für Fußgänger oder Grünbereiche.

Autos sollen in Parkbauten verlagert, Parksuchverkehre reduziert werden. Doch wie stellt man so etwas an? Das Mittel der Wahl heißt Parkgebühren. Die Parkgebühren in den Parkbauten werden – mit einstimmigem Parlamentsbeschluss – künftig deutlich günstiger sein als im angrenzenden öffentlichen Straßenraum. „Durch die geplanten Parkgebührenerhöhungen im Straßenraum bei einer gleichzeitigen Senkung der Parkgebühren in den Parkbauten der Hanauer Parkhaus GmbH erfolgt ein erster Schritt, der im ruhenden Verkehr die Planung der Mobilität von morgen stärkt“, so Stadtrat Morlock.

Hanau: Die neuen Parkgebühren im öffentlichen Raum im Überblick

Wichtig sei es, den Parkverkehr nicht nur über Verbote, sondern über Angebote zu regulieren. „Mit den Parkhäusern haben wir Alternativen, die komfortabel und schnell erreichbar sind und zudem preiswerter als das Parken am Straßenrand“, so der Stadtrat.

So wird das Parken in den angrenzenden Straßenräumen künftig einen Euro teuerer sein als in den von der Stadt bewirtschafteten Parkhäusern. Freilich funktioniert das in Hanau nur, weil die meisten Parkhäuser in kommunaler Hand sind. Das neue Konzept soll durch eine akademische Studie begleitet werden.

Die neuen Parkgebühren im öffentlichen Straßenraum betragen:

  • 1,50 Euro pro Stunde in den öffentlichen Straßen der Gesamtstadt, in denen eine monetäre Bewirtschaftung eingerichtet ist.
  • 2,50 Euro pro Stunde in den öffentlichen Straßen der Innenstadt (Innerhalb des Cityrings).
  • 3,50 Euro pro Stunde in den Straßen Französische Allee und südliche Altstadt.

Die P+R Parkplätze an den Bahnhöfen und die Pendler-Parkplätze (Westbahnhofstraße und Hallenbad West) sind von der Gebührenerhöhung ausgenommen.

Hanau: Parkzeiten werden ortsbezogen angepasst

Die Parkzeiten werden individuell den Erfordernissen der Örtlichkeiten angepasst. Damit Besucher der Gastronomie ihre Autos vermehrt auch abends in Parkhäusern abstellen, wird die zeitliche Bewirtschaftung in den Straßen in den Bereichen In den Türkischen Gärten/Eugen-Kaiser-Straße/Kinzdorf und Heinrich-Bott-Straße/Schlossplatz /Münzgasse auf 9 bis 22 Uhr geändert. Im Bereich der südlichen Altstadt wird die Bewirtschaftung ebenfalls auf 9 bis 22 Uhr geändert.

Es wird eine Mindestgebühr von 0,50 Euro bzw. 1 Euro in der Innenstadt erhoben. Die bezahlten Gebühren werden centgenau in eine Parkdauer umgerechnet. Die Umsetzung ist noch für diesen Sommer geplant.

Rein in die Parkhäuser und weg von der Straße möchte die Stadt Hanau die Autos bringen – dafür hat das Parlament jetzt eine Erhöhung der Parkgebühren im Straßenraum beschlossen.

Parken in Hanau: Im Parkhaus für viele „zu eng“?

Stefan Weiß, Fraktionsvorsitzender der Grünen, zeigt sich gespannt, inwieweit das Parkverhalten von finanziellen Erwägungen gesteuert ist. „Ich fürchte, dass manche einfach nicht gerne ins Parkhaus fahren, weil es dort so eng ist“, sagte er. Manch einer parke vielleicht auch deshalb auf der Straße, weil er hoffe, ohne Parkschein nicht erwischt zu werden und dadurch Geld zu sparen. Weiß: „Wollen wir Autos auf diese Weise fördern, müssen wir aber auch Bus und Fahrrad noch viel deutlicher fördern, denn diese Verkehrsmittel sind am umweltverträglichsten.“

Zudem wies Weiß darauf hin, dass auf der Straße dann auch die entsprechende Kontrolle gewährleistet sein müsse, was Stadtrat Morlock in Aussicht stellen konnte: „Die Stadtpolizei wird sich jetzt mehr auf Verkehrskontrollen konzentrieren.“

Beschlossen wurde zudem die Ausweitung des Bewohnerparkens und der Parkraumbewirtschaftung. Beides wird es künftig auch im Kinzdorf und im Freigerichtsviertel geben.

Rückblick Regenbogen-Parkplätze

Für Aufregung rund um das Thema Parken sorgten in Hanau vor einigen Monaten die Regenbogen-Parkplätze in der Tiefgarage am Markt. Neben internationaler Presse gab‘s für die Aktion leider auch Hetze und Hass im Netz.

Hanau: Bewohnerparken wird ausgeweitet

Bewohnerparkbereiche sollen ausgeweitet werden, um gebietsfremdes Parken zu verlagern und Wohnquartiere verkehrlich verträglicher zu gestalten. Weitere Bereiche wie der nordwestliche Bereich zwischen Innenstadt und Kinzig oder weitere Straßen der Altstadt Hanau sollen folgen.

  • Bewohnerparken Freigerichtsviertel: Ausgelöst durch Fremdparker herrscht im Bereich Freigerichtviertel ein hoher allgemeiner Parkdruck im öffentlichen Straßenraum. Nicht jeder Bewohner hat tagsüber die Möglichkeit, einen wohnungsnahen Parkplatz auf der Straße zu bekommen. Durch die anstehende Gebietsentwicklung rund um das Hauptbahnhofsareal ist davon auszugehen, dass der Parkdruck weiter steigt. Die Ziele sind weniger Parksuchverkehr und damit weniger Lärm- und Schadstoffemissionen, eine Entlastung der Bewohner durch die Einrichtung von Bewohnerparkzonen, mehr Parkraum für gewerbliche Nutzungen und Besucher sowie weniger Falschparkende und Gehwegparkende.
  • Bewohnerparken Kinzdorf: Tagsüber herrscht ein hoher allgemeiner Parkdruck durch Innenstadtpendler. Daher hat auch im Kinzdorf nicht jeder Bewohner tagsüber die Möglichkeit, einen wohnungsnahen Parkplatz zu bekommen. Gleiches gilt für Besucher des Gebietes. Durch den temporären Wegfall des Pendlerparkplatzes am Westbahnhof im Zuge der Baumaßnahmen zur Nordmainischen S-Bahn ist auch hier davon auszugehen, dass der Parkdruck durch Fremdparkern steigt. Auch die vermehrte Freizeitorientierung zum Main wird die Parknachfrage steigern lassen. Ziel ist auch hier ein Weniger an Parksuchverkehr und damit weniger Lärm- und Schadstoffemissionen, verbunden mit der Entlastung der Bewohner durch Einrichtung von Bewohnerparkzonen, sowie eine gerechtere Parkraumverteilung.

Hanau Infrastruktur Service (HIS) und das Ordnungsamt werden nun die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung planerisch konkretisieren.

Stefan Weiß, Fraktionsvorsitzender der Grünen, machte darauf aufmerksam, dass im Kinzdorf und im Freigerichtviertel zwei völlig unterschiedliche Situationen vorherrschen. „Die Kinzdorfbewohner parken auch oft auf der Straße, um ihre Garage anders nutzen zu können. Sinnvoller wäre es, hier über die kommunale Stellschraube der Stellplatzsatzung zu regulieren. Denn die derzeitige Gebühr in Höhe von 30 Euro fürs Anwohnerparken ist ein Witz, eine mögliche Erhöhung auf 60 Euro eigentlich auch noch. Der maximal mögliche Betrag, 180 Euro, ist eigentlich auch noch nicht viel, wenn man bedenkt, das man dafür einen Stellplatz hat.“ Die Grünen schlugen deshalb eine Verweisung des Themas in den Struktur- und Umweltausschuss vor, wo laut Weiss auch geklärt werden könnte, ob man die Gebühren nach Fahrzeuggröße staffeln kann.

Da Stadtrat und Verkehrsdezernent Thomas Morlock aber informierte, dass wohl bereits in der Juli-Sitzung die Höhe der Gebühr fürs Bewohnerparken auf der Tagesordnung des Stadtparlaments stehen wird, zog Weiß den Antrag zurück. (Kerstin Biehl)

Rubriklistenbild: © Yvonne Backhaus-Arnold

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