K-Frage in der Union entschieden

Laschet über Söder: „Ich bin auch Kandidat der Herzen“

  • Tobias Möllers
    vonTobias Möllers
    schließen

Die CDU-Führung stellt sich in der K-Frage hinter Parteichef Armin Laschet. Das erkennt auch Markus Söder an. Doch Laschet will eines nicht auf sich sitzen lassen.

  • Armin Laschet* und Markus Söder* haben um die Kanzlerkandidatur von CDU/CSU gekämpft.
  • Der CDU*-Bundesvorstand spricht sich erneut für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten aus.
  • CSU*-Chef Söder will Laschet nun unterstützen.

Update vom Mittwoch, 21.04.2021, 06.45 Uhr: Nach seiner Kür zum Kanzlerkandidaten der Union will CDU-Chef Armin Laschet auf seine Kritiker:innen zugehen. Das kündigte Laschet am Dienstagabend in der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ an. Sein Ziel sei es immer gewesen zu versöhnen, zuzuhören und Gegensätze zusammenzubringen. Das brauche die CDU jetzt.

„Das werde ich jetzt nach diesen Ereignissen wieder tun. Ich war heute bereits in der Bundestagsfraktion. Ich gehe in die Kreisverbände in den nächsten Tagen“, sagte Laschet. „Und ich glaube, diese Qualität - Menschen in einer Zeit von großen Anspannungen zusammenzubringen - brauchen wir auch in diesem Bundestagswahlkampf.“

Laschet über Markus Söder und sich: „Wir haben zwei Kandidaten mit Herzen“

Auch Markus Söder werde im Wahlkampf wichtig sein: „Er wird eine prägende Figur natürlich in diesem Unionswahlkampf sein. Er hat auch selbst gesagt, er bringt sich da sein“, sagte der CDU-Chef. „Und persönlich werden wir das auch gemeinsam stemmen. Denn das kann - das ist auch meine Botschaft - nicht einer allein schultern, diese große Aufgabe.“

Doch eines will der Gewinner des unionsinternen Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur nicht auf sich sitzen lassen: Angesprochen auf die Aussage von CSU-Generalsekretär Markus Blume, der unterlegene CSU-Chef Markus Söder sei der „Kandidat der Herzen“ gewesen, sagte Laschet den Sendern RTL/NTV am Dienstag: „Ich bin‘s auch.“ Es gebe „viele Leute, die sagen, ich bin es auch. So haben wir quasi zwei Kandidaten mit Herzen.“

Markus Söder (CSU, hinten) und Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union und CDU-Bundesvorsitzender im April in Berlin.

Laschet über Söder: „Gemeinsam werden wir dieses Land in die Zukunft führen“

+++14.52 Uhr: In seiner ersten Pressekonferenz als designierter Kanzlerkandidat der Union lobt Armin Laschet die CSU. Diese habe durch ihr Vorgehen am Montag die Entscheidung der CDU erst ermöglicht. „Das ist ein großer Vertrauensbeweis“, sagte Laschet. Er danke daher CSU-Chef Söder und der gesamten CSU „für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung“. Das Verhältnis zum CSU-Vorsitzenden nannte der CDU-Chef gut und vertrauensvoll.

„Ich weiß, dass sich manche eine andere Entscheidung gewünscht hätten“, sagte Laschet zur lange offenen K-Frage in der Union. Für den Wahlerfolg müssten CDU und CSU nun als Team in den Wahlkampf gehen. „Ab jetzt zählt: Welche Partei hat die besten Konzepte für die Zukunft unseres Landes?“ Die Unionsparteien müssten als „Stabilitätsanker“ und „Modernisierungsmotor“ wirken, sagte Laschet. „Wir müssen als Land besser, schneller, moderner werden.“

K-Frage der Union entschieden: Söder spricht Laschet seinen Dank aus

+++ 14.40 Uhr: Nach der Entscheidung über die K-Frage in der Union hat sich CDU-Chef Armin Laschet bei seiner ersten Pressekonferenz als designierter Kanzlerkandidat geäußert. Dabei sprach Laschet der CSU seinen Dank für die Unterstützung für seine Kandidatur aus. Er danke CSU-Chef Markus Söder und der gesamten CSU „für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung“, sagte Laschet.

Söder werde eine „zentrale Rolle für die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland spielen“, versicherte der Parteichef. Laschet betonte die Transparenz des Verfahrens bei der Entscheidung über die K-Frage. „Gemeinsam werden wir dieses Land in die Zukunft führen“, sagte Laschet mit Blick auf seinen Mitbewerber Markus Söder.

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak betonte: „Die Bundestagswahl wird nicht nur eine Vertrauenswahl, sondern eine Richtungswahl.“ Laschet sei „der Kanzlerkandidat der gesellschaftlichen Mitte in Deutschland“ und ein leidenschaftlicher Europäer. „Armin Laschet steht für Zusammenhalt, er kann führen und er kann zusammenführen“, so Ziemiak. „Armin Laschet ist der richtige Kanzler für Deutschland.“

Die K-Frage in der Union ist entschieden: Armin Laschet ist der Kandidat von CDU und CSU.

K-Frage in der Union: Kanzlerin Merkel gartuliert Laschet

+++ 13.49 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem CDU-Vorsitzenden Armin Laschet zur Übernahme der Kanzlerkandidatur gratuliert. „Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zur neuen Aufgabe als Kanzlerkandidat der Union“, hieß es in einer Erklärung Merkels, die ihr Sprecher Steffen Seibert am Dienstag (20.04.2021) auf Twitter veröffentlichte: „Ich freue mich auf die kommenden Monate unserer Zusammenarbeit.“

Nach der Entscheidung über die Kandidatur will Laschet nun verstärkt den Kontakt zur Basis suchen, wo in den Tagen des Machtkampfes mit CSU-Chef Söder deutliche Vorbehalte gegen ihn spürbar wurden. Laschet werde „kurzfristig viele Dialogangebote machen“, hieß es. Unter anderem sei eine Konferenz der Kreisvorsitzenden geplant.

Die CDU verteidigte die Art des Zustandekommens von Laschets Bestimmung als Kanzlerkandidat – von einer „starken Debattenkultur“ war die Rede. Noch nie habe „in den letzten Jahren der Bundesvorstand so intensiv und ausführlich über eine Personalentscheidung diskutiert“, hieß es aus der Parteizentrale. „Das zeigt, wir wollen Debatte, lassen sie zu und führen sie.“

K-Frage geklärt: Union zieht mit Laschet in den Wahlkampf

+++ 12.17 Uhr:  Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union. Das steht seit Dienstagmittag fest. Sein bisheriger Konkurrent, CSU-Chef Markus Söder, kündigte an, Laschet ohne Groll und mit voller Kraft zu unterstützen. Nun gehe es darum zusammenzustehen. Söder zieht damit einen Schlussstrich unter den seit mehr als einer Woche bestehenden Machtkampf mit Laschet um die Kandidatur.

Ob mit der Entscheidung für Laschet die kontroverse Debatte um die Kanzlerkandidatur in der Union gänzlich beendet ist, bleibt dennoch abzuwarten. Mit Spannung erwartet wird etwa die Reaktion der Unionsfraktion im Bundestag am Nachmittag sowie die Rückmeldungen von der CDU-Basis in den kommenden Tagen.

K-Frage: Kandidat der Union siegt über „Kandidat der Herzen“

Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte wertete das Votum für Laschet bereits als „Entscheidung gegen die CDU-Basis“. Die Stimmung in Thüringen sowie in mehreren anderen Landesverbänden sei deutlich für Söder als Kanzlerkandidat gewesen. Dennoch: „Wir sind jetzt gut beraten, uns hinter Armin Laschet zu versammeln und uns auf Inhalte zu konzentrieren.“

Doch auch aus der CSU kamen am Dienstag bereits kritische Töne. CSU-Generalsekretär Markus Blume bekräftigte die Einschätzung der Christsozialen, dass Söder wegen der Umfragewerte der bessere Kandidat gewesen wäre. „Markus Söder war erkennbar der Kandidat der Herzen“, sagte Blume. Aber in der Demokratie, gerade in der innerparteilichen Demokratie entschieden Mehrheiten. Kritisch äußerte sich auch der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt: So hinterlasse das Verfahren „durchaus einige Fragezeichen“. Es habe aber ein Ergebnis gebracht. „Und mit dem Ergebnis muss man umgehen.“

Update vom 20.04.2021, 12.03 Uhr: Die Würfel sind gefallen. Mit diesen Worten erkennt Markus Söder das Votum des CDU-Vorstands an. Damit ist klar: Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat der beiden Unionsparteien und geht im September gegen Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz ins Rennen um die Macht im Bund.

K-Frage: CDU-Vorstand gibt Laschet nach Marathonsitzung Rückendeckung

Erstmeldung vom 20.04.2021, 11.28 Uhr: Berlin - Erst deutlich nach Mitternacht und nach mehr als sechs Stunden Beratungen und Diskussion stellte sich der Vorstand der CDU mit einer klaren Mehrheit erneut hinter Parteichef Armin Laschet. Ob das dem Aachener nun zur Kanzlerkandidatur für die Union reichen würde, war zunächst nicht klar, wobei sich ein Nachgeben von Seiten Söders andeutet.

In der digitalen Sondersitzung votierten 31 von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl für den CDU-Vorsitzenden. 9 stimmten für CSU-Chef Markus Söder, 6 enthielten sich. Laut CDU-Angaben entspricht das einer Zustimmung von 77,5 Prozent für Laschet und 22,5 Prozent für Söder – die CDU wertet Enthaltungen als nicht abgegebene Stimmen.

Machtkampf in der Union: Akzeptiert Söder nun Laschets Kandidatur?

Zuvor hatten die CSU und auch Söder die endgültige Entscheidung in die Hand der CDU gegeben. Daher dürfte damit der tagelange nervenaufreibende Machtkampf um den Spitzenposten der Union für die Bundestagswahl im September eigentlich entschieden sein. Dies entscheide die CDU jetzt „souverän“, hatte Söder am Montag in München erklärt. „Wir als CSU und auch ich respektieren jede Entscheidung.“

Doch schon vor gut einer Woche hatte Söder seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur unter den Vorbehalt gestellt, dass die CDU dies auch wolle, nur um dann nach dem Votum des CDU-Vorstands für Laschet das als Hinterzimmer-Entscheidung abzukanzeln und an seiner Kandidatur festzuhalten. Wird Söder dieses Mal weichen? Und wie verhalten sich die zahlreichen Laschet-Skeptiker in der Bundestagsfraktion der Union?

Söder hat angekündigt, sich am Rande einer CSU-Fraktionssitzung in Bayern um 12 Uhr zu äußern. Die Bundestagsfraktion der Union will dann am Nachmittag tagen. Hier hatten sich vor einer Woche mehrheitlich Laschet-Kritiker und Befürworter einer Kandidatur von Söder zu Wort gemeldet.

Kampf um Kanzlerkandidatur in der Union: Laschet will „stehen“

Am Montagabend hatte Laschet zum Auftakt der CDU-Vorstandssitzung seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur noch einmal bekräftigt. „Es geht um die besten Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen. Und ich bin bereit, für uns die Kandidatur zu übernehmen“, sagte er nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Viele Mitglieder hätten ihm in den vergangenen Tagen gesagt, er müsse „stehen“, und ihn unterstützt.

Laschet hatte noch in der laufenden Vorstandssitzung für eine Entscheidung plädiert. Nachdem der Berliner CDU-Chef Kai Wegner dafür geworben hatte, die Entscheidung zu verschieben und ein Votum der Bundestagsfraktion und der Kreisvorsitzenden herbeizuführen, betonte Laschet nach Teilnehmerangaben: „Wir sollten heute entscheiden, wie wir es uns am Anfang vorgenommen haben.“ Die Berliner CDU hatte sich klar für Söder positioniert.

Machtkampf in der CDU: Lager für Laschet und Söder positionieren sich

Eine schnelle Entscheidung verlangten auch die frühere Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Beide stellten sich Teilnehmenden zufolge hinter Laschet. Der Vorstand habe sich vor einer Woche aus guten Gründen für ihn ausgesprochen, das müsse weiter gelten, sagte Günther. Vieles in den vergangenen Tagen sei ruinös gewesen, so Annegret Kramp-Karrenbauer.

Ostdeutsche CDU-Politiker lieferten sich eine Debatte über die Stimmung in ihren Ländern. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff wies nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine große Unterstützung der Parteibasis für CSU-Chef Söder im Osten hin. Er nehme dort eine Präferenz für diesen wahr, sagte Haseloff, der aber persönlich kein Votum für Söder abgegeben soll. Der Fraktionschef der CDU in Brandenburg, Jan Redmann, habe sich daraufhin klar für CDU-Chef Laschet als Kanzlerkandidaten eingesetzt. Insgesamt gab es in der Sitzung gut 60 Wortmeldungen.

CDU-Machtkampf: Union steht vor der Bundestagswahl unter Druck

Söder hatte vor der Sitzung des CDU-Bundesvorstands deutlich gemacht, dass Laschet Kanzlerkandidat werde, wenn der CDU-Bundesvorstand dies beschließe. Er versicherte am Montagmittag in München: „Wird es Armin, hat er meine volle Unterstützung und die Rückendeckung der CSU.“ Laschet hatte Söder angeboten, an der Sitzung teilzunehmen. „Gerade in diesen Tagen müssen wir sehr viel miteinander reden“, argumentierte er. Söder lehnte dies jedoch ab.

Die Union steht nicht nur wegen der internen Folgen des Streits fünf Monate vor der Bundestagswahl maximal unter Druck. Hinzu kommt, dass die Grünen - nach aktuellen Umfragen stärkste Kraft hinter der Union - Parteichefin Annalena Baerbock als ihre Kanzlerkandidatin präsentierten. Dass für die SPD Olaf Scholz antritt, steht seit längerem fest. Einzig die Union, die mit Angela Merkel seit fast 16 Jahren die Kanzlerin stellt, hat diese Personalie wegen des internen Streits noch nicht entschieden. Am Ende könnte es doch schneller gehen, als gedacht: Am Vormittag sickerte durch, dass Söder sich dem CDU-Votum diesmal wohl beugen wird. (Tobias Möllers mit dpa, afp)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

Das könnte Sie auch interessieren