Weggeschlossen: Der Mann aus Erlensee kommt  auf unbestimmte Zeit in die geschlossenes Psychiatrie.
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Weggeschlossen: Der Mann aus Erlensee kommt auf unbestimmte Zeit in die geschlossenes Psychiatrie.

Erlenseer muss in psychiatrisches Krankenhaus

Gutachter: Mann ist ein „tickendes Pulverfass“

  • Thorsten Becker
    vonThorsten Becker
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In diesem Fall sind sich Staatsanwältin Dr. Carolin Puscher, Rechtsanwalt Benjamin Düring und die 7. Große Strafkammer am Hanauer Landgericht unter dem Vorsitzenden Richter Dr. Peter Graßmück einig: Der 32-Jährige, der im vergangenen Jahr in Erlensee mehrfach für Aufsehen gesorgt hatte, ist kein Verbrecher. Aber er benötigt dringend ärztliche Hilfe, weil sein Gesundheitszustand sehr gefährliche Folgen haben könnte.

Erlensee/Hanau - Zwei Verhandlungstage haben sich die Juristen Zeit genommen, um den Fall intensiv zu prüfen. Zwischen Mai und September hat der Mann seine Eltern, seinen damaligen Betreuer sowie eine Verkäuferin mehrfach massiv bedroht, ohne dass es dafür einen Anlass gegeben habe. Er drohte Vater und Mutter, ihnen, „das Haus abzufackeln“, überschüttete sie mit übelsten Ausdrücken.

Massive Drohungen gegen Eltern, Verkäuferin und Betreuer

Nicht anders erging es einer Verkäuferin, die der Kammer als Zeugin berichtet, dass sich der Zustand des 32-Jährigen urplötzlich völlig gewandelt habe. Mitten in einem Gespräch wurde sie beschimpft und mehrfach das Ziel von massiven Verbalattacken, bis hin zum Exhibitionismus des Mannes, der sich vor ihr entblößte (wir berichteten). Zudem bedrohte er seinen Betreuer mit einem Gewaltvideo auf Facebook und kündigte an, seinen Helfer „platt machen“ zu wollen.

Wichtigster Zeuge in diesem Sicherungsverfahren ist daher Dr. Jürgen Wettig, der forensisch-psychiatrische Gutachter, der zu einer eindeutigen Diagnose kommt: Weil der Mann bereits mit 16 Jahren Cannabis geraucht habe, sei dadurch eine drogenbedingte Schizophrenie entstanden. Wettigs Prognose ist daher düster: Ohne ärztliche Hilfe könne es dazu kommen, dass ein Typus dieser Krankheit zu schweren Depressionen bis hin zur Selbsttötung führe. Der 32-Jährige gehöre nach Ansicht von Wettig allerdings zum zweiten Typus, der nach außen hin eine extrem hohe Gewaltbereitschaft entwickele.

Zwar ist es in den acht Fällen bislang hauptsächlich nur zu massiven und abstrusen Verbalattacken gekommen. Doch der Experte befürchtet, dass es ohne die nötigen Medikamente und einem erneuten Drogenkonsum viel schlimmer werden könne. Wettig bezeichnete den Beschuldigten als „tickendes Pulverfass“.

Staatsanwältin, Verteidiger und Kammer sind sich einig

Der ärztliche Rat wird daher von allen Seiten angenommen. „Eigentlich ist es meine Aufgabe, meinen Mandanten in einem Strafverfahren zu verteidigen. In diesem Fall stellt sich jedoch die Frage: Was ist das Beste für ihn?“, sagt Rechtsanwalt Düring. Zuvor fordert die Staatsanwältin den Maßregelvollzug. Weil es sich in einem solchen Verfahren am Ende um schwerwiegende Eingriffe in die Freiheitsrechte handeln kann, ist die 7. Kammer in diesem Verfahren mit fünf Richtern besetzt, genauso wie ein Schwurgericht.

Und die fünf Richter, darunter zwei Schöffen, kommen zu einem klaren Ergebnis, wie der Vorsitzende verkündet: Der 32-Jährige wird auf unbestimmte Dauer in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen, dem sogenannten Maßregelvollzug. „Das ist das Beste für Sie“, sagt Graßmück, „das ist das Beste für die Allgemeinheit.“ Denn von dem Mann gehe eine „erhebliche Gefahr aus“, dass der schwere Straftaten verüben könnte. (Von Thorsten Becker)

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