Das zum DHL-Gelände gehörende Towergebäude wird aktuell saniert. Auch das erfuhren die rund 30 Besucher der von der SPD veranstalteten Führung.
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Das zum DHL-Gelände gehörende Towergebäude wird aktuell saniert. Auch das erfuhren die rund 30 Besucher der von der SPD veranstalteten Führung.

Bei einer Führung über das Gelände bekommen Besucher Infos zu aktuellem Stand

Vielfalt pur am Fliegerhorst

  • VonRobert Giese
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Das – größtenteils auf Erlenseer Gemarkung liegende – Fliegerhorstgelände präsentiert sich aktuell als ungemein vielfältiges Areal: Während in einigen Bereichen die Konversion bereits abgeschlossen ist, Unternehmen regulär arbeiten oder die Erlenseer Fußballer trainieren und spielen, liegen andere Flächen noch brach oder warten auf ihre weitere Nutzung.

Erlensee – Über den Stand der Dinge auf dem insgesamt fast 250 Hektar großen Gelände gab am Wochenende Uwe Laskowski, Mitglied des Zweckverbandes Fliegerhorst und Vorsitzender der Erlenseer Stadtverordnetenversammlung, während einer gut zweistündigen Führung Auskunft.

Rund 30 Bürger – unter ihnen neben einigen Stadtverordneten auch Lennard Oehl, der SPD-Kandidat des Wahlkreises xxx für den Bundestag, und Bürgermeister Stefan Erb– nahmen das Angebot des SPD-Ortsvereins wahr und informierten sich über den Status Quo auf dem riesigen Konversionsgelände. Dieses sei, wie Laskowski gleich zu Beginn ausführte, in zwei Teilbereiche gegliedert: Die rund hundert Hektar große Fläche des Zweckverbandes einerseits sowie das restliche Gelände, das im Besitz des Bundesforstes sei.

Oase für Tier- und Pflanzenwelt ist geplant

Dieses rund 150 Hektar große Areal soll renaturiert werden und somit zu einer Oase für diverse Tier- und Pflanzenarten werden. Für die natürliche Pflege der Fläche sollen neben den von den Erlenseer Weideswiesen bereits bekannten Wasserbüffeln auch Galloway-Rinder und Przewalski-Pferde sorgen. Außerdem wird die Deutsche Bahn auf rund 40 Hektar Wald anpflanzen als Ausgleichsfläche für die nötigen Rodungen auf der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim.

Im Moment ist dieses Gelände abgesperrt, da es noch nicht von Kampfmitteln geräumt wurde und noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden lauern könnten, in Zukunft sollen einige breite Wege in das Gebiet führen. Diese Bereiche müssen vom Kampfmittelräumdienst jedoch zuvor noch durchsucht werden. Bestehende Gebäude sollen nach Möglichkeit zurückgebaut werden, allerdings gibt es hier Ausnahmen: „In einigen Bunkern und Silos haben sich zum Beispiel inzwischen Fledermäuse angesiedelt, diese Gebäude bleiben bestehen“, erläuterte Laskowski.

Während es für das Gelände des Bundesforstes bisher nur Pläne gibt, ist das Areal des Zweckverbandes längst von Weltkriegsbomben geräumt und erschlossen: Neue Straßen sind ebenso entstanden wie neue Gehwege, ein neuer Kanal, Straßenbeleuchtung und vieles mehr. Insgesamt fielen für die Erschließung Kosten von rund 60 Millionen Euro an, die der Zweckverband durch die Grundstücksverkäufe gegenfinanzieren will oder durch kommende Gewerbesteuerzahlungen.

Gut besuchte Führung: Uwe Laskowski (Mitte mit weißem Hemd) konnte viel Interessantes erzählen.

DHL-Verteilerzentrum: Bauarbeiten haben begonnen

Und die dürften in Zukunft sprudeln, denn bereits jetzt haben sich auf dem weitläufigen Gelände zahlreiche Unternehmen angesiedelt, neben kleineren Firmen aus der Region auch große Logistiker, für ein DHL-Verteilzentrum haben die Bauarbeiten unlängst begonnen.

In der Bevölkerung hat die Ansiedlung von Logistikunternehmen nicht unbedingt für Jubelstürme gesorgt, doch Erb hielt dagegen, „dass wir vom Regionalverband die Vorgabe hatten, auf 40 Prozent der Fläche Logistik anzusiedeln und dieses Scherflein haben wir beigetragen.“

Weitere Logistikunternehmen würden, so betonte der Bürgermeister, im Fliegerhorst nicht ihre Heimat finden, da die Verkehrskapazitäten nahezu ausgeschöpft seien. In diesem Zusammenhang wies Laskowski auch auf den Bau einer zweiten Zufahrt zum Fliegerhorst hin, der noch in diesem Jahr beginnen soll; die ursprüngliche Zufahrt zum Fliegerhorst quer durch die Markwaldsiedlung wird dann für den Durchgangsverkehr geschlossen und hat keine direkte Anbindung mehr an die Landstraße 3193.

Diese zweite Zufahrt sei auch deshalb nötig, weil es noch weitere Firmenansiedlungen auf dem Fliegerhorstgelände geben wird unter anderem durch Wilhelm Brandenburg (wir berichteten). Der Großmetzger will bekanntlich auf einem 170 000 Quadratmeter großen Grundstück in der südwestlichen Ecke des Fliegerhorstes Fleisch verarbeiten und verpacken und dafür 250 bis 300 Millionen Euro investieren, eine eigene Kläranlage inklusive.

Rund um den alten Turm im inneren Dreieck des ehemaligen Fliegerhorsts entsteht das Google-Rechenzentrum.

Brandenburg-Produktion startet nicht vor 2025

„Das ist seit den siebziger Jahren die größte Investition eines Unternehmens im gesamten Main-Kinzig-Kreis“, konnte Laskowski berichten, vor 2025 werde die Produktion bei Brandenburg allerdings wohl nicht beginnen.

Im „inneren Dreieck“, für das es von Investorenseite in der Vergangenheit einige hochfliegende Pläne gab, die sich allesamt als Luftschlösser entpuppten, werden ebenfalls allmählich Nägel mit Köpfen gemacht: Im südlichen Teil baut Google ein Datencenter (wir berichteten), das ehemalige Community Center im Norden wird aktuell zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut, das künftig zu einem benachbarten Hotel gehören wird; die restlichen Flächen sind aktuell vermietet.

Bewegung gibt es auch im äußersten Südwesten des Areals, wo sich der Gleisbauer Spitzke angesiedelt hat und aktuell seine Werkstatthalle errichtet. Das auf die Instandhaltung von Bahngleisen spezialisierte Unternehmen darf den dortigen Bahnanschluss nutzen und wird die lange ungenutzten Gleise durch den Bruchköbeler Wald ertüchtigen.

Laskowski hegt in dem Zusammenhang noch immer die Hoffnung, dass es eines Tages auch eine Zugverbindung für den Personenverkehr in Erlensee gibt.

Während Bereiche wie das Sportzentrum im Nordosten – hier sind bekanntlich ein Rasen- und zwei Kunstrasenplätze sowie ein Vereinsheim für den FC Erlensee entstanden – seit mehreren Jahren in Betrieb sind, ist die Zukunft einiger weniger Gebiete noch ungewiss. Größtes „Sorgenkind“ ist das rund 250 Meter lange Gebäude, in dem früher die Militärpolizei untergebracht war. „Der Denkmalschutz auf der einen und aktuelle Anforderungen durch den Brandschutz andererseits machen es schwer, Interessenten zu finden“, räumte Erb ein.

Obwohl es auf dem Fliegerhorst also allen Fortschritten zum Trotz noch einige Baustellen gibt, zeigte sich Erb insgesamt hochzufrieden mit der Entwicklung der Konversionsfläche: Aktuell, so konnte das Stadtoberhaupt mitteilen, gebe es dort bereits rund 1100 Arbeitsplätze, in einigen Jahren sollen es knapp 3000 sein.

(Von Robert Giese)

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