Die Initiatoren der Hilfsaktion: Rainer Schmidt (links) und Klaus Fuchs beladen den Transporter mit den gespendeten Hilfsgütern für die Opfer der Flutkatastrophe.
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Die Initiatoren der Hilfsaktion: Rainer Schmidt (links) und Klaus Fuchs beladen den Transporter mit den gespendeten Hilfsgütern für die Opfer der Flutkatastrophe.

Hilfsgüter aus Gründaustadt für Hochwasseropfer

Selbolder organisieren Hilfstransport in Katastrophengebiete

  • Lars-Erik Gerth
    VonLars-Erik Gerth
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Die verheerende Flutkatastrophe in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat auch in Selbold große Betroffenheit ausgelöst. Und in der Gründaustadt reifte ähnlich wie in anderen Orten schnell die Idee, den Betroffenen Hilfsgüter zukommen zu lassen. So traf bereits am Wochenende 17./18. Juli die erste Hilfslieferung im Ahrtal beziehungsweise im Rhein-Erft-Kreis ein.

Langenselbold – Gestartet wurde diese Unterstützungsaktion von Landwirt Klaus Fuchs und Einzelhändler Rainer Schmidt. Fuchs war es auch, der am Sonntagmorgen gemeinsam mit dem Maintaler Sicherheitsexperten Jörg Dreger zu der kurzfristig anberaumten Hilfsaktion aufbrach. Dregers Firma unterstützte das Hilfsprojekt mit mobilen Stromgeneratoren, haltbarer Notfallnahrung, Snacks sowie Desinfektionsmittel. „Ohne eine ausreichende und stabile Stromversorgung, Infrastruktur, Lebensmittel und Bekleidung ist eine adäquate Hilfe in solchen Krisengebieten fast nicht möglich. Ohne funktionierendes Telefonnetz nutzt den Betroffenen auch ein geladenes Handy nichts“, erläutert Dreger die Auswahl der Hilfsgüter.

Selbolder Einzelhändler reagieren schnell

Dass vor Ort dringend Hilfe benötigt wird, war auch vielen Selbolder Einzelhändlern schnell klar. So spendete Alfred Stoll vom Rewe-Markt an der Ringstraße zwei Großpaletten Getränke sowie eine Palette mit Hygienetüchern.

Zu den Unterstützern der Hilfsaktion gehört auch der Rewe-Markt Stoll an der Ringstraße, der Getränke- und Hygieneartikel zur Verfügung stellt.

Mitinitiator Rainer Schmidt organisierte weitere Hygieneartikel, Seifen und Trinkbecher. Familie Matz vom Unverpackt-Laden „Ins Dippsche“ stellte Handtücher und Toilettenpapier zur Verfügung. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Langenselbold spendete den Kraftstoff für die Fahrt der Hilfskräfte. Familie Giebisch vom Baumwieserhof unterstützte die Aktion mit einer Geldspende und der Klausehof aus Birstein steuerte haltbare Lebensmittel bei.

Helfer werden mit verheerenden Verwüstungen konfrontiert

Im Katastrophengebiet angekommen, präsentierte sich den Helfern ein Bild der Verwüstung, welches sich nur schwer über Foto- und Fernsehaufnahmen vermitteln lässt. „Die Straßen sind noch immer kilometerweit mit einer mehrere Zentimeter dicken Schlamm- und Dreckschicht überzogen, der nun herrschende Sonnenschein und die gestiegenen Temperaturen machen ein Durchkommen mit dem Pkw an vielen Stellen fasst unmöglich“, berichtete Klaus Fuchs am Montag über die Zustände in den von der Flut betroffenen Orten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Hygieneartikel wie Toilettenpapier steuert das Ehepaar Matz vom Selbolder Unverpackt-Laden bei.

Die Infrastruktur sei den Fluten größtenteils zum Opfer gefallen. An Straßen und Wegen sowie in den Vorgärten türmten sich meterhoch die Abfälle, Trümmer und Treibgut, so Fuchs’ weitere Schilderung der schlimmen Lage. „In den Hinterhöfen stapeln sich Autowracks. Bahnstrecken sind unterspült und nicht wenige der Anwohner haben traumatische Tage und Nächte hinter sich“, ergänzt Dreger den Bericht über die Situation vor Ort. Einige Anwohner hätten ihnen erzählt, wie sie mit ansehen mussten, wie Menschen von den Fluten mitgerissen wurden oder andere von Dächern stürzten. „Hoffentlich werden Lehren aus dieser Katastrophe gezogen, denn das Wissen zur Vorsorge war schon vorher vorhanden“ ist der Maintaler Dreger überzeugt.

Hilfsgüter gehen ins Ahrtal und in den Rhein-Erft-Kreis

Auf seinem Einsatz durch das Ahrtal machte der Transport mit den Hilfsgütern aus Selbold zunächst Station in Dernau im Kreis Ahrweiler. Dort konnten der Bundeswehr Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden, bevor es weiter nach Rheinbach im Rhein-Erft-Kreis ging. Dort konnten die Einsatzkräfte vor Ort unterstützt und die Hilfsgüter an die Bevölkerung verteilt werden.

Zwei Langenselbolder Unternehmen spenden für Hochwasseropfer

Die Welle der Unterstützung der von der Flutkatastrophe Betroffenen reißt nicht ab. Davon können Bundestagsabgeordnete Katja Leikert und Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert (beide CDU) ebenfalls berichten. Um die Hochwasseropfer schnell auch finanziell zu unterstützen, konnten sie eine Spende der in Selbold ansässigen Gesellschaft für Datenerfassung mbH (GEFDA) in Höhe von 5000 Euro entgegennehmen. Außerdem spendete das hiesige Unternehmen Krankentransport Petersen 1500 Euro. „Mit der Spende wollen wir dazu aufrufen, es uns gleich zu machen. Wir wollen handeln statt zu reden und die Menschen vor Ort schnell unterstützen“, erklärten die Inhaber Hannelore und Dieter Wüllner und Ralf Petersen bei der Spendenübergabe. Leikert und Kasseckert bedanken sich für die Spende und würdigen auch das Engagement einer Parteifreundin. Die Selbolder CDU-Fraktionschefin Monika Duderstadt ist im Krisengebiet bei der psychologischen Betreuung der THW-Helfer im Einsatz. Keine einfache Aufgabe, denn den Rettungskräften „offenbaren sich beim Bergen der Opfer grausame Bilder“, wie Leikert und Kasseckert berichten. leg

„Wir danken allen Helfern, Unterstützern und Spendern für ihre schnelle und unkomplizierte Hilfe. Binnen weniger Stunden konnte ein ganzer Transporter voll Hilfsgüter gepackt werden“, lobte Rainer Schmidt die Hilfsbereitschaft der Langenselbolder. Zugleich erinnerte er daran, dass man in der Gründaustadt zuletzt aus den Erfahrungen von Ende Januar wisse, wie schnell und überraschend ein Hochwasser kommen kann. In den nächsten Tagen soll nun eine weitere von Selboldern organisierte Hilfsaktion starten.  

Von Lars-Erik Gerth

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