Im Blumenkasten hat es sich die Stockenten-Mama bequem gemacht. Normalerweise brüten die Tiere nicht in solch einer Höhe.
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Im Blumenkasten hat es sich die Stockenten-Mama bequem gemacht. Normalerweise brüten die Tiere nicht in solch einer Höhe.

Nabu springt ein

Maintal: Stockente sucht sich kuriosen und gefährlichen Nistplatz - Rettungsaktion geht gut

  • Michael Bellack
    vonMichael Bellack
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Maintal – Einen ungewöhnlichen Brutkasten hat sich eine Stockente in Dörnigheim ausgesucht. Sie baute ihr Nest in einem an der Außenfassade eines Wohnhauses befestigen Blumenkasten im zweiten Stock. Ein außergewöhnlicher Ort zum Nisten – und vor allem ein gefährlicher.

Denn unter dem Blumenkasten im zweiten Stock befindet sich eine Einfahrt zur Tiefgarage. Ein Sturz aus dieser Höhe könnte für die Entenküken schlimme Folgen haben. Daher bat die Bewohnerin den Naturschutzbund Maintal um Mithilfe. „Die Tiere sind in der Brutzeit geschützt, das Nest darf man nicht einfach verlegen oder gar entfernen“, berichtet der Nabu-Vorsitzende Georg Spielberger. Ihm kam daher eine simple, aber effektive Idee: Mit Hilfe von Käfiggittern baute Spielberger einen großzügigen Käfig rund um den Blumenkasten, damit die jungen Enten im Fall der Fälle nicht in die Tiefe stürzen können.

Schutz vor dem Fall: Georg Spielberger vom Nabu-Ortsverband Maintal hat eine Gitterkonstruktion um den Blumenkasten gebaut.

„Am Anfang waren es sieben Eier, dann zwölf. Die Brutzeit beträgt drei Wochen“, erklärt Spielberger, der dann hoffte, dass seine Konstruktion hält und alles glatt geht. Vor einer Woche kam dann der Anruf der Bewohnerin, dass die ersten Küken geschlüpft sind. „Das war ein Glücksfall, dass das so schnell bemerkt wurde. Gerade das Schlüpfen ist gefährlich. Das war eine Punktlandung“, so Spielberger, der sich sofort auf den Weg nach Dörnigheim machte, um die kleinen Küken in Sicherheit zu bringen.

Maintal: Zwölf Entenküken sind putzmunter

Die Rettungsaktion verlief im Großen und Ganzen reibungslos, auch wenn die Stockente ihr Nest durchaus zu verteidigen wusste. „Sie hat mir schon in die Ärmel gezwickt, das kann auch wehtun“, schmunzelt Spielberger. Zunächst wurde die Mutter-Ente in einem von den Wildtierfreunden Maintal zur Verfügung gestellten Meerschweinchenkäfig untergebracht, dann holte Spielberger vorsichtig die Entenküken aus dem Nest. Zur großen Freude des Tierschützers waren alle zwölf kleinen Entenküken wohlauf und quicklebendig.

Munter und wohlauf waren die zwölf Küken kurz nach dem Schlüpfen. Sie wurden anschließend mit ihrer Mutter in einem Gewässer ausgesetzt.

Anschließend ging es dann in einer großen Transportkiste zu einem Gewässer, in dem Spielberger die Enten ausgesetzt hat. „Wenn die kleinen Entchen das erste Mal baden, das muss man mal gesehen haben. Das ist Lebensfreude pur“, sagt Spielberger. Er ist froh, dass die Aktion reibungslos geklappt hat, denn es hätte auch schiefgehen können. „Zum Glück konnten wir die Mutter schnell einfangen. Es kann auch passieren, dass sie wegfliegt und nicht mehr wieder kommt. Dann hätten die Küken in eine Aufzuchtstation gemusst“, sagt er. Dass eine Stockente in einer solchen Höhe brütet, ist unüblich, kann aber vorkommen. „Schellenten brüten zum Beispiel höher, die kleinen müssen dann runterspringen“, erklärt Spielberger, „bei Stockenten gibt es das nicht.“

Von Michael Bellack

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