Alexander Weiner aus Eichen hat das infrage kommende E-Lastenrad mit „Besatzung“ im September 2020 im Rahmen der Aktion „Radfahren neu entdecken“ des Landes Hessen ausgiebig Probe gefahren.
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Alexander Weiner aus Eichen hat das infrage kommende E-Lastenrad mit „Besatzung“ im September 2020 im Rahmen der Aktion „Radfahren neu entdecken“ des Landes Hessen ausgiebig Probe gefahren.

Neues Projekt

Eicher Bürger sammeln Spenden zum Kauf eines Lastenrades für die Dorfgemeinschaft

  • vonThomas Seifert
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Im Stadtteil Eichen hat sich eine Initiative gegründet mit dem Ziel, ein sogenanntes Freies Lastenrad allen Bürgern kostenfrei zur Verfügung zu stellen, um damit inner- und überörtliche Fahrten mit dem Auto zu reduzieren. Derzeit suchen die Initiatoren noch Sponsoren und Spender, um den Anschaffungspreis von etwa 6500 Euro zusammenzubekommen. Um die Umsetzung von „NiLa – dein Nidderauer Lastenrad“ zu beschleunigen, wurden als Partner die Bürgerstiftung Nidderau und der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) ins Boot geholt.

Nidderau – Vor zwei Jahren hatte sich die Stadt zum ersten Mal an der Aktion „Radfahren neu entdecken“ des Landes Hessen beteiligt. Im vergangenen Jahr lieh sich Alexander Weiner aus Eichen ein während dieser Zeit bereitgestelltes Elektro-Lastenrad aus. „Ich habe es für Fahrten innerhalb des Dorfs genutzt, aber auch, um in der Neuen Mitte einzukaufen oder mit meinem vierjährigen Sohn zusammen seine Freundin in Kilianstädten abzuholen und wieder heimzubringen. Nach Abschluss der Leihzeit hätte ich es am liebsten behalten“, erinnert sich Weiner.

Für alle Bürger des Stadtteils verfügbar machen

Auch Mitinitiatorin Frauke Pabst, Mutter von drei Kindern, hat ähnliche Erfahrungen mit solch einem Rad gemacht, das sich nicht nur zum Transport von Lasten nutzen lässt, sondern in dem – dank des Elektromotors – auch mit überschaubarer Muskelkraft Kinder von A nach B bewegt werden können. „Es hat viel Spaß gemacht, mit dem Lastenrad durch die Gegend zu kurven – und das, ohne ins Schwitzen zu kommen“, berichtet Pabst.

Pabst und Weiner, zu denen bald noch Ingrid Menzel stieß, entwickelten die Idee weiter, solch ein Lastenrad für alle Bürger des Stadtteils zur Verfügung zu stellen. Denn es gibt in der gesamten Republik schon eine ganze Reihe von Initiativen, die dieses Prinzip in unterschiedlichster Form umgesetzt haben. Die Idee, ein freies, für jeden zugängliches Lastenrad anzuschaffen, sei auch aus der Überzeugung entstanden, dass nicht jeder alles für sich alleine besitzen müsse, so Weiner. Somit sei das Lastenrad in doppelter Hinsicht ein ökologisch angelegtes Projekt: ein umweltfreundliches Fortbewegungsmittel und ressourcenschonend hinsichtlich Produktion und Verbrauch, da es von mehreren genutzt werde.

1000 Euro von der Bürgerstiftung Nidderau als Starthilfe

Allerdings war den Initiatoren von vornherein klar, dass das Vorhaben nicht ohne Unterstützung von Partnern, Sponsoren und Spendern zu realisieren ist. Denn nach Testfahrten mit verschiedenen Typen von Elektro-Lastenrädern entschied sich die Gruppe für ein Modell der niederländischen Firma Urban Arrow. „Es ging uns darum, ein Rad zu finden, das man nach sehr kurzer Einführung gleich sicher fahren kann, das zudem sehr wartungsfrei sein muss und über genügend elektrische Power des Motors und des Akkus verfügt, damit auch längere Strecken problemlos bewältigt werden können“, fasst Weiner einige Kriterien zusammen. Das Modell der Family Line der Holländer erfüllt diese Kriterien und hat zudem noch genügend Stauraum.

Über den Ersten Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) nahmen die Initiatoren Kontakt zur Bürgerstiftung Nidderau auf. „Wir waren von der Idee gleich angetan und sicherten einen Zuschuss von 1000 Euro als Starthilfe zu“, berichtet der Vorsitzende Horst Körzinger. „Wer die Idee gut findet und nur 50 oder 100 Euro zur Verfügung stellt, bringt das Projekt der Umsetzung ein Stück näher“, ermutigt Körzinger die Bürger zur Spende mit dem launigen Spruch: „Jeder fahre des anderen Last.“ Denn ein funktionierendes Leihsystem in diesem Stadtteil könnte zur Nachahmung anregen. „Das Rad sollen alle Nidderauer ausleihen können“, betont Weiner.

Sie wollen das Projekt Lastenfahrrad ins Rollen bringen: Ulrich Klee vom ADFC (von links), Frauke Pabst, Alexander Weiner und Horst Körzinger von der Bürgerstiftung Nidderau.

Allerdings ist es mit der Anschaffung eines solchen Lastenrads nicht getan. Es tun sich weitere Felder auf wie Standort, Ladestation, Wartung, Pflege, Reparaturen, Versicherung, Leihsystem usw. Um hier voranzukommen, haben sich die Initiatoren den ADFC ins Boot geholt, unter dessen Dach sich schon einige Lastenradverleihgruppen organisiert haben.

Ulrich Klee, Vorsitzender des ADFC Main-Kinzig, stellte beim Termin in Eichen nicht nur logistische Hilfe in Aussicht, sondern will im Vorstand auch einen Beschluss zur finanziellen Unterstützung des Projekts herbeiführen: „Ich bin ziemlich sicher, dass meine Kollegen meinem Vorschlag folgen werden, denn solche Projekte gerade auch auf dem Land sind ein wichtiger Schritt hin zu mehr umweltfreundlicher Mobilität. Und das nicht nur für junge Familien, sondern für fast alle Altersgruppen. Und wer einmal mit solch einem einfach zu fahrenden Rad unterwegs war, der überlegt sich vielleicht, dass Zweitauto abzuschaffen und auf ein umweltfreundliches und emissionsfreies Lastenrad umzusatteln“, betont Klee.

Die Initiatoren wollen nun mithilfe der Bürgerstiftung bei der Spendenakquise richtig Gas geben und haben schon einige Ideen entwickelt. „Ingrid Menzel, die über viele Kontakte verfügt, wird sich um diesen Bereich kümmern. Frauke Pabst und ihr Mann sind dabei, eine Homepage (demnächst unter www.ni-la.de) zu gestalten und ich habe mir einige Gedanken über organisatorische Dinge in Sachen Leihsystem, alle Arbeiten rund um das Rad und die Finanzierung von Versicherung und Wartung gemacht“, fasst Alexander Weiner die Arbeitsbereiche zusammen.

Infos und Spenden

Ansprechpartner für Mitstreiter, Interessenten, Sponsoren und Spender zum Lastenrad-Projekt ist Alexander Weiner unter z 06187-3950 oder info@ni-la.de. Spenden (ab 300 Euro mit Quittung) können auf das Konto der Bürgerstiftung Nidderau bei der Sparkasse Hanau (DE05 5065 0023 0028 0069 71, BIC: HELADEF1HAN, Stichwort „NiLa“) eingezahlt werden.

(Thomas Seifert)

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