In Zeiten der Pandemie gewinnt der Gottesdienst zur Konfirmation im Vergleich zur Familienfeier an Gewicht. Pfarrer Lukas Ohly segnet die Jugendlichen einzeln in der Kirche an der Vorderstraße ein.
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In Zeiten der Pandemie gewinnt der Gottesdienst zur Konfirmation im Vergleich zur Familienfeier an Gewicht. Pfarrer Lukas Ohly segnet die Jugendlichen einzeln in der Kirche an der Vorderstraße ein.

Corona-Pandemie

Konfirmationen wie in Ostheim stehen noch unter starken Einschränkungen

Noch hat die Pandemie Deutschland fest im Griff. Das betrifft natürlich auch das kirchliche Leben. In den evangelischen Gemeinden stehen rund um Pfingsten traditionell die Konfirmationen an. So auch im Nidderauer Stadtteil Ostheim. Doch auch hier macht Corona den üblichen Planungen bereits das zweite Jahr in Folge einen Strich durch die Rechnung. So berichtet Pfarrer Lukas Ohly von einschneidenden Regeln in der Krise, Öffnungsmodellen in der Schule und den Lehrermangel im Religionsunterricht.

Nidderau – Wenn Jugendliche 14 Jahre alt sind, sind sie religionsmündig. Dann dürfen sie entscheiden, ob sie evangelische Christen werden oder bleiben wollen. Doch der besondere Anlass im Leben der jungen Menschen, der gewöhnlich mit einem Festgottesdienst und anschließend in der Familie groß gefeiert wird, fällt in der Pandemie wesentlich kleiner aus, weil die Menschen nur sequenziert Gäste einladen können.

Vorjahreskurs wartete ein Jahr

Die Bedeutung des Gottesdienstes hat in diesem Gefüge eine Aufwertung erfahren. Kürzlich wurde in Ostheim bereits eine Konfirmation gefeiert. „Der Vorjahreskurs wartete wegen Corona ein ganzes Jahr auf seine Konfirmation. Nun wollten die 14 Konfirmanden endlich ihre Arbeit präsentieren“, erklärt Pfarrer Ohly.

Dieses Jahr sind es 20 Konfirmanden. Neun wurden am vergangenen Sonntag konfirmiert, die übrigen elf folgen Ende August. In Ostheim gab es laut Ohly in den letzten neun Monaten einen Kerbgottesdienst und den Konfirmationsgottesdienst. Die Leute seien sehr diszipliniert gewesen und hätten sich an die bestehenden Hygieneregeln gehalten. „Alle waren so dankbar, und es war so fröhlich“, erzählt der Theologe.

Bis Weihnachten konnte er mit den Konfirmanden Präsenzunterricht halten. Dann erfolgte der virtuelle Unterricht. Sogar ein Theaterprojekt wurde unter diesen erschwerten Umständen umgesetzt. „Theaterpädagogik ist ein Ausdruck von Persönlichkeitsentwicklung. Doch man braucht die Gruppe und den gleichen Raum, um sich zu entwickeln“, erklärt Ohly.

Arbeitet unter erschwerten Bedingungen: Pfarrer Dr. Lukas Ohly aus Ostheim.

Dieses Mal hätten die Jugendlichen eine besonders starke Persönlichkeitsentwicklung durchlebt, die von Verantwortung und Ernst gekennzeichnet gewesen sei. Viele Konfirmanden seien stiller geworden, hatten einen Leistungsabfall in der Schule und Probleme, sich einen Tagesrhythmus zu geben. „Es gibt keine andere Generation, die so sehr unter Corona leidet wie die Jugendlichen – und vor allem so lange“, weiß Ohly, der auch als Lehrkraft an der Grundschule Ostheim tätig ist.

Die Öffnung der Schulen für den Präsenzunterricht im Wechselmodell sieht er als Fehler, weil nur noch die Hälfte des Unterrichtsstoffs bewältigt werden könne, da die Lehrer vor Ort gebunden seien und nicht mehr digital unterrichten könnten. Ältere Schüler wünschten sich auch weiterhin Digitalunterricht.

„Wenn Politik sich in die konkrete Bildungsarbeit so einmischt, wie sie es jetzt getan hat, dann schafft das Unmut und Unsicherheit“, sagt Ohly. Die Pandemie werde immer so dargestellt, dass die Menschen noch ein letztes Mal diszipliniert sein müssten und dann sei alles gut. Es sei ein großer Fehler gewesen, nicht zu sagen, dass die Menschen künftig mit diesem Virus leben und einen neuen Alltag schaffen müssten, der auch perspektivisch funktioniere und nicht nur als Notübergang gedacht sei.

Verzicht auf Abendmahl und Gesang

Im letzten Jahr fiel die Konfirmation zum ersten Mal in Ostheim aus. Dies sei auch eine Entscheidung der Jugendlichen gewesen. Sie wollten nicht unter erschwerten Bedingungen eine Konfirmation nur mit den Eltern feiern. Doch auch jetzt – ein Jahr später – galten starke Einschränkungen, wie Pfarrer Ohly berichtet.

„Wir verzichteten auf das Abendmahl. Es ist mir zu heikel, da ich nicht einschätzen kann, wie viele Hausstände zusammenkommen.“ Der Gottesdienst bestand aus einer sehr kurzen Liturgie. Ein Pianist spielte vor. Singen durfte die Gemeinde nicht. Die Konfirmationseinsegnung mit Mund- und Nasenschutz wurde einzeln vorgenommen und nicht in Gruppen.

Die Eltern, die sich entschieden haben, mit der Konfirmation bis zum August zu warten, hoffen nun darauf, diese mit einer Familienfeier verbinden zu können. Im Vergleich zum letztjährigen Jahrgang scheint es, dass diese Hoffnung in diesem Jahr in Erfüllung gehen könnte.

(Georgia Lori)

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