Dortmund, Lippstadt, Hanau: Samuel Örs (oben, im Endspiel um die deutsche B-Jugendmeisterschaft gegen Bayern München) will nach einem Kreuzbandriss bei Hanau 93 wieder auf die Beine kommen.
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Dortmund, Lippstadt, Hanau: Samuel Örs (oben, im Endspiel um die deutsche B-Jugendmeisterschaft gegen Bayern München) will nach einem Kreuzbandriss bei Hanau 93 wieder auf die Beine kommen.

HESSENLIGA

Hanau 93 holt einstiges BVB-Talent: 20-jähriger Samuel Örs unterschreibt für drei Jahre

Als Borussia Dortmund im Jahr 2018 mit einem 3:2-Finalsieg über Bayern München deutscher B-Juniorenmeister wurde, stand Samuel Örs in München gemeinsam mit dem Siegtorschützen Youssoufa Moukoko auf dem Spielfeld. Während Moukoko mit erst 16 Jahren in dieser Saison als jüngster Bundesliga-Profi- und Torschütze deutsche Fußballgeschichte schrieb, kämpfte Örs ausgerechnet in Pandemiezeiten mit den Folgen eines Kreuzbandrisses und verschwand nach seinem Wechsel zum Regionalligisten SV Lippstadt etwas aus dem Blickfeld der Bundesligisten.

Hanau – Ab Sommer will der 20-Jährige wieder angreifen und im Trikot des Hessenligisten FC Hanau 93 erste Duftmarken im Seniorenbereich setzen. Der Kontakt nach Hessen kam über Daniyel Cimen zustande. Die Ehefrau des Ex-Profis, der einige Jahre für die 93er spielte und nun den Regionalligisten FC Gießen trainiert, ist die Tante von Samuel Örs. Der aus dem westfälischen Harsewinkel stammende junge Fußballer möchte in seiner neuen Umgebung auch beruflich Pflöcke einschlagen und hat im Unternehmen des stellvertretenden HFC-Fördervereinsvorsitzenden Giovanni Fallacara eine dreijährige Ausbildung zum Bürokaufmann begonnen, ein Umzug in die Region steht bevor.

„Ich sehe die Berufsausbildung als zusätzliche Absicherung an“, sagt der pfeilschnelle Außenbahnspieler. Eine derartige Perspektive konnte ihm der FC Hanau 93 bieten. Auf den ersten Blick wäre auch ein Wechsel zum FC Gießen naheliegend gewesen. „Daniyel Cimen trennt Sportliches und Privates“, deutet Fallacara an, dass der Ex-Profi nicht mit aller Macht darauf gedrängt hat, dass sein Neffe zu ihm und Co-Trainer Michael Fink nach Gießen wechselt. Schließlich können familiäre Geflechte innerhalb einer Fußballmannschaft auch schnell zu Diskussionen und Reibungspunkten führen.

Traum vom Profi-Fußballer lebt aber weiter

Also geht es für Samuel Örs eine Etage tiefer, in die fünftklassige Hessenliga. Seinen Traum, Profifußballer zu werden, will er dabei noch nicht abhaken. Nicht in so jungen Jahren, erst vor wenigen Tagen ist Örs 20 geworden. „Der Junge hat mit seinem Kreuzbandriss viel Pech gehabt und ist so ein wenig in Vergessenheit geraten. Normalerweise hätte Hanau 93 keine Chance, einen solchen Spieler zu verpflichten. Er wäre ohne die Verletzung auch ein Kandidat für einen Profivertrag gewesen“, sagt Fallacara. Samuel Örs hielt sich zuletzt eigenständig fit, hat das Kapitel SV Lippstadt geschlossen und schaut optimistisch nach vorne. „Das Knie macht mir keine Probleme mehr und ich möchte bei Hanau 93 mit guten Leistungen überzeugen. Vielleicht kann ich mit meinem neuen Verein ja auch in die Regionalliga aufzusteigen.“ Die vierthöchste Liga wäre für den ehemaligen Internatsschüler des Nachwuchsleistungszentrums des BVB ein guter erster Schritt.

Ehemalige Mitbewohner wie die etwas jüngeren Ansgar Knauff oder Giovanni Reyna haben den Sprung zu den Profis der Dortmunder geschafft, andere ehemalige Mitspieler hoffen noch auf Chancen im Profifußball. Selbstverständlich sind große Karrieren für bei großen Vereinen ausgebildete Fußballer nicht. Örs, der seine ersten höherklassigen Schritte im Nachwuchsbereich bei Arminia Bielefeld machte, hat aus seiner Zeit beim BVB immerhin gleich zwei deutsche Meisterschaften in seiner Vita stehen. Zwar stand der künftige Hanauer im Jahr 2019 beim 5:3-Finalsieg der Dortmunder U19-Junioren gegen den VfB Stuttgart nicht im Kader des siegreichen Finalisten, kam in dieser Saison aber zu einigen Saisoneinsätzen und trug so zumindest einen kleinen Teil zum Titel bei.

Samuel Örs ist flexibel einsetzbar

Was seinen – wohl bis Ende der Woche namentlich feststehenden – künftigen Trainer beim HFC freuen wird: Samuel Örs ist flexibel einsetzbar, kann vom defensiven Außenbahnspieler bis zum Stürmer verschiedene Positionen spielen. „Die Schnelligkeit zählt zu meinen großen Stärken“, erzählt der junge Neuzugang des Tabellenvierten der kürzlich abgebrochenen Hessenliga-Saison. Natürlich sieht er die 93er als Sprungbrett, was nicht heißt, dass der Westfale sich nur auf ein kurzes Gastspiel an der Kastanienallee einstellt. „Er hat für drei Jahre unterschrieben und solange geht ja auch seine berufliche Ausbildung. Sollte die Tür zum Profibereich vor Ablauf dieser drei Jahre aufgehen, wäre ich der erste, der ihn auf diesem Weg unterstützen würde“, erklärt Giovanni Fallacara.

Zunächst scheint die Verbindung FC Hanau 93 und Samuel Örs eine sogenannte „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten zu sein. Der ambitionierte Hessenligist frischt seinen Kader mit einem großen Talent auf – und der Spieler kann sich nach schwerer Knieverletzung in einem behutsamen Umfeld an der Seite von ihm bekannten Personen sportlich wie beruflich entwickeln. (Von Frank Schneider)

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