Bockstark auf dem Wasser: Der Hanauer Herrmann Husslein hat umgeschult und im Stand-Up-Paddling die deutsche Vizemeisterschaft gewonnen.
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Bockstark auf dem Wasser: Der Hanauer Herrmann Husslein hat umgeschult und im Stand-Up-Paddling die deutsche Vizemeisterschaft gewonnen.

Stand-Up-Paddling

Ohne Wasser und Paddel geht es für den Hanauer Hermann Husslein einfach nicht

  • vonRobert Giese
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Hanau – Lange Zeit war Kanuslalom die Paradedisziplin des Hanauers Hermann Husslein, der in dieser Sportart sogar bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 an den Start ging. Mit einer erneuten Olympiateilnahme in diesem Jahr in Tokio hat es wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie nicht geklappt, doch Husslein hat sich bereits ein neues sportliches Betätigungsfeld gesucht – und gehört dort als Quereinsteiger schon zur deutschen Spitze.

„Die Olympia-Teilnahme musste ich leider zu den Akten legen“, sagt Husslein betrübt, denn durch die vielen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie habe es ihm an geeigneten Trainingsmöglichkeiten gefehlt. Zur Vorbereitung auf Olympia 2020 pendelte Husslein beispielsweise zwischen Thailand und Australien – in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Pandemie ein Ding der Unmöglichkeit. Die Entscheidung, dem Kanuslalom den Rücken zu kehren, hat sich der 35-Jährige nicht leicht gemacht, schließlich wäre die zweite Olympiateilnahme noch einmal ein Karrierehighlight für den Hanauer gewesen, der für Thailand, das Heimatland seiner Mutter, international an den Start geht. „Vom Kanuslalom wollte ich danach erst einmal Abstand gewinnen und saß seitdem nicht mehr im Boot“, so Husslein.

Von Kanuslalom zu Stand-Up-Paddling

So ganz ohne Wasser und Paddel hat es der Kanute allerdings nicht ausgehalten und in Rekordzeit umgeschult – und zwar auf Stand-Up-Paddling. Erst nur zum Spaß, doch schnell auch als Wettkampfsport. Über einen Vereinskollegen bei der SKG Hanau wurde Husslein auf diese Disziplin aufmerksam, und anders als beim Kanuslalom „konnte ich das im vergangenen Jahr auch auf Main und Kinzig gut trainieren.“

Schon im Vorjahr nahm Husslein an den deutschen Meisterschaften teil und sicherte sich auf Anhieb zwei Medaillen, und zwar im sogenannten „Technical Race“, bei dem mehrere Athleten einen mit Bojen abgesteckten Zickzack-Kurs bewältigen müssen. Husslein versuchte sich auch auf der Langstrecke, verpasste das Treppchen dort aber knapp. „Die Langstrecke ist nicht so meine Domäne, der Sprint kommt mir mehr entgegen“, meint der 35-Jährige, dem seine Erfahrungen aus dem Kanuslalom auch beim Stand-Up-Paddling zugutekommen. Sich auf dem schmalen Brett um die Bojen zu bugsieren, sei „ein Balanceakt, aber ich bin ja nicht so groß“, spielt Husslein auf seine Körpergröße von 1,71 Metern an, „das spielt mir da in die Karten.“

Trotz gewisser Ähnlichkeiten zwischen seiner alten und neuen Passion musste sich der Hanauer aber in mancherlei Hinsicht umstellen: „Kanuslalom ist ein Einzelsport, bei dem man nur gegen die Uhr und den inneren Schweinehund fährt“, erläutert Husslein, „beim Stand-Up-Paddling fährt man direkt gegen seine Konkurrenten, das ist deshalb häufig sehr taktisch. Anfangs musste ich da viel Lehrgeld zahlen.“

Husslein ist deutscher Vizemeister im CrossRace

Das hat sich jedoch offensichtlich ausgezahlt, denn bei diesjährigen Meisterschaften, die im Rahmen der Finals in der vergangenen Woche in Duisburg stattfanden, holte sich Hermann Husslein im CrossRace – einem verkürzten Technical Race – die Vizemeisterschaft vor seinem Vereinskollegen Peter Weidert und ließ dabei so hoch gehandelte Konkurrenten wie Ole Schwarz hinter sich.

Husslein hat daher längst der Ehrgeiz gepackt, weshalb er gerne an den Weltmeisterschaften im September teilnehmen und dort „zusammen mit Peter Weidert die Flagge für Hanau hochhalten will“. Dort sei die Konkurrenz zwar sehr groß, aber er hofft, dass die WM trotz der Corona-Pandemie stattfinden kann. (Von Robert Giese)

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